Lade Daten...
01.12.2012
Schrift:
-
+

Berliner Flughafen

Vier tödliche Unfälle während Bauarbeiten

dapd

Dritter Stock des Terminals im Flughafen Berlin-Brandenburg: Vier tote Arbeiter

Vier Menschen sind während der Bauarbeiten an dem neuen Hauptstadtflughafen in Berlin ums Leben gekommen. Die Gewerkschaft IG Bau fordert nun neue Sicherheitsrichtlinien.

Berlin - Seit Baubeginn des neuen Berliner Großflughafens (BER) ist es zu vier tödlichen Unfällen gekommen. Die Gewerkschaft IG Bau kritisierte, dass die Zahl der Opfer erst unlängst bekanntgegeben wurde - und zwar nur, weil die Piratenpartei eine Kleine Anfrage im Abgeordnetenhaus gestellt hatte.

Die IG Bau forderte daraufhin, die Kontrolle der Sicherheitsrichtlinien zu verschärfen. Es müsse gewährleistet sein, dass die Vorschriften durchgesetzt würden, sagte der Regionalleiter der Gewerkschaft in Berlin und Brandenburg, Rainer Knerler. Er habe lediglich von einem Todesfall gewusst. "Dass es vier sind, hat mich überrascht."

Der Sprecher der Flughafengesellschaft, Ralf Kunkel, sagte der "Berliner Morgenpost": "Diese tödlichen Unfälle sind sehr bedauerlich, aber der BER ist eine vergleichsweise sichere Baustelle." Der IG-Bau-Regionalleiter reagierte empört auf diese Aussage. "So etwas zu behaupten, ist zynisch", sagte er. "Null tödliche Unfälle sind auch auf Großbaustellen möglich."

Der neue Flughafen soll im Oktober 2013 eröffnet werden. Doch schon jetzt gilt der Airport als viel zu klein für das erwartete Passagieraufkommen. Laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche", die sich auf ein Protokoll des Bundesverkehrsministeriums bezieht, müsste der Flughafen noch weiter ausgebaut werden. "Man operiere von vornherein an der Kapazitätsgrenze. Das System sei ausgelastet", heißt es.

Das dem Magazin vorliegende Protokoll mit Fragen zu geplanten Erweiterungsinvestitionen stammt dem Bericht zufolge bereits vom 31. August. Der Flughafen BER ist derzeit für rund 27 Millionen Passagiere im Jahr ausgelegt.

Die bisherigen Berliner Airports Schönefeld und Tegel hätten diese Schwelle bei andauerndem Wachstum bereits 2013 erreicht, heißt es. Weitere Investitionen am 4,3 Milliarden teuren Großflughafen müssten nach der Eröffnung zügig folgen. "Die Frage einer Erweiterung werde sich bald stellen", heißt es in dem Bericht weiter.

Erst am Freitag war bekannt geworden, dass der Flughafen noch mehr kostet, als bislang erwartet wurde. Bislang gingen der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg als Gesellschafter des Flughafens von Mehrkosten in Höhe von 1,2 Milliarden Euro aus. Nun aber könnten die Baukosten um weitere 200 bis 250 Millionen Euro steigen.

kha/AFP/dpa/dapd

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 51 Beiträge
1. ich schäme mich...
jimi eiscreme 01.12.2012
dass ich aus der Region Berlin/Brandenburg komme und inzwischen sogar einen Steinwurf vom BER entfernt wohne. Fehlplanungen, Geldofen und Grab für vier(!) Menschenleben. Ich frag mich was man da für Leute an die Schaltstellen [...]
dass ich aus der Region Berlin/Brandenburg komme und inzwischen sogar einen Steinwurf vom BER entfernt wohne. Fehlplanungen, Geldofen und Grab für vier(!) Menschenleben. Ich frag mich was man da für Leute an die Schaltstellen gesetzt hat. Ist man über die Dörfer gefahren und hat geschaut wer am ehesten einen Flughafen bauen kann? Hat man einen gefunden, der im Garten eine Laube in Eigenregie gebaut hat und der als Hobby auch noch Modellfliegen betreibt? Ist es wirklich so arm? Wenn man sich zum Thema noch durch Netz hangelt und z.B. Sachen über die Vergabeverfahren erfährt, oder dass man mal eben 100ha Land für 200 Mio. EURO gekauft hat, die bis heute nicht genutzt werden... da wird man immer fassungsloser...
2.
antonie7 01.12.2012
Ich bin fassungslos! Was war Herr Kunkel vorher? Pressesprecher des kolumbianischen Drogenkartells oder der Russenmafia? VIER Todesfälle sind absolut nicht schön zu reden. Schon ein Todesfall ist ein Todesfall zuviel, auch auf [...]
Ich bin fassungslos! Was war Herr Kunkel vorher? Pressesprecher des kolumbianischen Drogenkartells oder der Russenmafia? VIER Todesfälle sind absolut nicht schön zu reden. Schon ein Todesfall ist ein Todesfall zuviel, auch auf einer Großbaustelle. Aber VIER??? Das ist nicht nur schlimm, das ist grob fahrlässig.
3. Länderfinanzausgleich ist schuld
movfaltin 01.12.2012
Dass die Flughafenplanung an der oberen Kapazitätsgrenze verlaufe, ist lediglich durch den Länderfinanzausgleich so: Wenn nämlich Berlin selbst für seine massiven Miesen und sein monströses Missmanagement verantwortlich zeichnen [...]
Dass die Flughafenplanung an der oberen Kapazitätsgrenze verlaufe, ist lediglich durch den Länderfinanzausgleich so: Wenn nämlich Berlin selbst für seine massiven Miesen und sein monströses Missmanagement verantwortlich zeichnen müsste - und nicht die Geberländer -, dann wollte in diesen Schuldenmoloch bald niemand mehr hinein. Und dann würde das Fluggastaufkommen bedeutend sinken. Stattdessen vielmehr Fuhlsbüttel, FJ Strauß, Stuttgart, Karlsruhe und freilich weiterhin Frankfurt/Main. Und evtl. Köln-Bonn und Düsseldorf.
4. Hmm
MartinK. 01.12.2012
Und hätten die Piraten nicht nachgefragt wärs wohl nie ans Licht gekommen. Habt Ihr gut gemacht PP.
Und hätten die Piraten nicht nachgefragt wärs wohl nie ans Licht gekommen. Habt Ihr gut gemacht PP.
5. Sarkasmus inklusive
kaiser-k 01.12.2012
Ein Flughafen und vier Todesfälle. Und am Ende sind sie auch noch umsonst gestorben. Zum Premierenflug wird voraussichtlich festgestellt: Die Start- & Landebahnen sind viel zu kurz, zu eng oder wurden ganz vergessen - würde [...]
Ein Flughafen und vier Todesfälle. Und am Ende sind sie auch noch umsonst gestorben. Zum Premierenflug wird voraussichtlich festgestellt: Die Start- & Landebahnen sind viel zu kurz, zu eng oder wurden ganz vergessen - würde mich alles nicht mehr wundern.

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

MEHR IM INTERNET

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter RSS
alles zum Thema Flughafen Berlin Brandenburg
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten