25.12.2012
Gerichtsurteil
US-Zahnarzt durfte "unwiderstehliche" Assistentin feuern
Hamburg - Er nannte sie einmal "die beste Zahnarzthelferin", die er je hatte - und doch feuerte der US-Zahnarzt James Knight seine Angestellte Melissa Nelson nach mehr als zehn Jahren. Der Grund: Er hielt die blonde Frau für "unwiderstehlich". Nelson klagte gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber, doch der Mann bekam nun Recht. Das Oberste Gericht im Bundesstaat Iowa lehnte die Diskriminierungsklage der jungen Frau und Mutter ab, (hier das Urteil).
Seit 1999 hatte Melissa Nelson für Knight gearbeitet. Die ersten neun Jahre behandelte er sie korrekt, doch dann fing er eines Tages an, sich über ihre Kleidung zu beklagen, da diese ihn aus dem Konzept bringe. Einmal teilte er ihr mit, sollte sie verdächtige Ausbeulungen seiner Hose bemerken, dann wisse sie, dass ihre Art, sich zu kleiden, "zu freizügig" sei.
Laut seinem Anwalt hat Knight seine Mitarbeiterin mehrfach darum gebeten, sich anders anzuziehen, ihre Kleidung habe ihn abgelenkt. "Ich denke, es ist nicht gut für mich, sie in diesen Sachen zu sehen, die ihre Konturen betonen", sagte Knight dem Gericht zufolge aus. Die 32-Jährige dagegen sagt, dass sie unter dem weißen Laborkittel niemals provozierende Kleidung getragen habe.
Allerdings gab es zwischen dem Chef und der Angestellten recht offene Privatgespräche: Als Nelson einmal einen Kommentar über ihr unregelmäßiges Sexleben fallen ließ, sagte Knight: "Das ist, wie einen Lamborghini in der Garage zu haben und ihn nie zu fahren."
"Bedrohung für die Ehe"
Laut einem CNN-Bericht haben sich Nelson und Knight in den vergangenen sechs Monaten ihrer Beschäftigung private SMS geschrieben. Als Knights Ehefrau Jeanne die Textnachrichten ihres Mannes entdeckte, zwang sie den Zahnarzt zur Entlassung seiner Gehilfin. Mit einem Priester im Schlepptau kam er der Forderung nach. Später versicherte er Melissa Nelsons Mann, dass dessen Frau sich nichts habe zuschulden kommen lassen, er jedoch fürchtete, über kurz oder lang eine Affäre mit ihr anfangen zu wollen.
Zwar verbieten die Gesetze in Iowa die Geschlechterdiskriminierung am Arbeitsplatz, doch konnten die ausschließlich männlichen Richter in Knights Verhalten keine Diskriminierung erkennen. Knight sagte in dem Gerichtsverfahren, nicht das Geschlecht seiner Assistentin sei ausschlaggebend für die Kündigung gewesen, sondern der "Charakter ihrer Beziehung" und die gefühlte Bedrohung für seine Ehe. Die Richter bezeichneten den Rauswurf als allenfalls unfair.
"Die letzten Tage waren für mich eine emotionale Achterbahnfahrt", sagte Melissa Nelson dem Sender CNN. Sie nannte das Urteil hart und ungerecht. Der Anwalt des Zahnarztes dagegen feierte das Urteil als richtungweisend: Es ermögliche künftig auch anderen Arbeitgebern, ihre Angestellten zu entlassen, um ihre Ehe zu retten.
jus/AFP
