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26.01.2013
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Exot beim Weltwirtschaftsforum

Der letzte Grieche

Aus Davos berichten und
SPIEGEL ONLINE

Dimitris Papalexopoulos: Chef der griechischen Firma Titan Cement

Seit 20 Jahren kommt Dimitris Papalexopoulos zum Weltwirtschaftsforum in Davos, heute ist er dort der einzige griechische Unternehmer. Der Chef einer angeschlagenen Zementfirma sucht in den Alpen keinen Glamour - sondern eine Perspektive für sein Land.

Eigentlich sollte Dimitris Papalexopoulos gar nicht hier sein. Immerhin leitet er ein Unternehmen, dessen Gewinn binnen eines Jahres um knapp 90 Prozent eingebrochen ist, das rund ein Drittel seiner Mitarbeiter entlassen hat und zum ersten Mal seit 1953 keine Dividende zahlt. Da erschien eine Reise zum Weltwirtschaftsforum, dieser Zusammenkunft der Reichen und Mächtigen, ziemlich unpassend.

Jetzt ist der Chef von Titan Cement doch da. Er habe sich selbst überzeugt, dass die Reise das Geld wert ist, sagt er. Aber er versucht, die Kosten zu drücken. "Ich wohne in einem Drei-Sterne-Hotel und ich bin Economy hierhergeflogen. Das verlange ich schließlich auch von allen meinen Managern." Seine E-Mails ruft er über die kostenlosen Netzwerke im Kongresszentrum ab. Und sein Jackett und die Lederslipper sehen nicht so aus, als habe er sie extra für das Treffen gekauft.

Wenn man so will, ist Papalexopoulos der letzte Grieche in Davos. Zwar stehen noch Manager von zwei anderen Unternehmen mit Sitz in Griechenland auf der Gästeliste. Doch es sind arabische Namen, beide Firmen haben ihre Wurzeln im Nahen Osten und machen den Großteil ihrer Geschäfte dort. Griechenland, das wie kein zweites Land in den vergangenen Jahren die Wirtschaftsnachrichten beherrschte, ist auf dem wichtigsten Wirtschaftstreffen der Welt kaum vertreten.

"Wir tauschen uns über unser Elend aus"

Papalexopoulos kommt bereits seit 20 Jahren nach Davos. Er vertritt dort einen der wenigen Großkonzerne, die sein Land vorweisen kann. Dafür bringt der 50-Jährige alle Attribute mit, die im Davoser Mikrokosmos gut ankommen: perfektes Englisch, ein Studium in Zürich und Harvard und ein markt- und reformfreundliches Weltbild. Im vergangenen Jahr diskutierte er auf einem Podium mit dem damaligen EZB-Chef Jean-Claude Trichet und US-Starökonom Nouriel Roubini.

Doch bei allem internationalen Flair wird Papalexopoulos seine Heimat nicht los. "Es ist schwer, heutzutage irgendetwas außerhalb von Griechenland zu tun, ohne auf die Krise angesprochen zu werden", sagt er. Andere Unternehmer aus Südeuropa scheinen diese Fragen regelrecht zu fürchten: Mehrere Firmenchefs aus Spanien und Portugal lehnten Interviews in Davos ab oder entschuldigten sich mit übervollen Terminkalendern. Papalexopoulos dagegen trifft in den Alpen auch auf Bekannte aus anderen Krisenländern. "Wir tauschen uns über unser Elend aus."

Fragt man Manager, warum sie nach Davos kommen, ist die häufigste Antwort: Effizienz. Vier Tage in den Alpen würden Dutzende Flüge zu einzelnen Geschäftspartnern ersparen. Nicht immer ist das glaubhaft, so mancher scheint auch einfach Lust auf ein paar Tage Glamour in den Alpen zu haben. Und einzelne Großkonzerne reisen mit einer Entourage an, die unmöglich komplett fürs Netzwerken gebraucht wird.

Für Papalexopoulos, dessen Unternehmen 85 Prozent seiner Geschäfte außerhalb Griechenlands macht, scheint die Zeit in Davos dagegen tatsächlich entscheidend zu sein. "Wer wie wir in Teilen der Welt sitzt, die nicht zu den führenden gehört, bekommt hier einen sehr guten Eindruck von den wichtigsten Trends."

Warum aber sind dann nicht viel mehr griechische Geschäftsleute auf dem Treffen? Schließlich will das Land nach jahrelanger Rezession bis zum Jahresende endlich wieder wachsen - was ohne die Anbahnung neuer Geschäfte kaum funktionieren dürfte.

Eine simple Erklärung ist: Es mangelt an geeigneten Teilnehmern. "Vor dem EU-Beitritt war die griechische Wirtschaft sehr isoliert, bis 1990 es gab es kein einziges internationales Unternehmen", erzählt Papalexopoulos. "Das lag auch daran, dass die Zentralbank keine Fremdwährungen für Investitionen verliehen hat, das galt als Verrat."

"Das größte Risiko ist jetzt der Verlust des sozialen Zusammenhalts"

Das Klima wandelt sich, griechische Mittelständler wie der Kosmetikhersteller Korres oder der Matratzenproduzent Coco-Mat sind mit ihren Produkten auch im Ausland erfolgreich. Doch zugleich droht die Flucht der wenigen verbliebenen Großunternehmen. Kürzlich kündigte der größte Konzern des Landes, der Coca-Cola-Abfüller Hellenic Bottling an, seinen Sitz zu verlagern - ausgerechnet in die Schweiz.

Auch Titan Cement erlebt einen kleinen Exodus. "Wir haben mehrere junge Mitarbeiter verloren", erzählt Papalexopoulos. "Sie gingen nach London, Brüssel und in die USA."

Wie viele seiner Landsleute verweist Papalexopoulos auf die enormen Einschnitte, die sein Land im Gegenzug für Finanzhilfen hinnehmen musste. "Das größte Risiko ist jetzt der Verlust des sozialen Zusammenhalts", sagt er. Dennoch befürwortet er die Reformen, die in seiner Heimat so unpopulär sind.

"Ich habe in Deutschland gelebt, in der Schweiz und den USA", sagt Papalexopoulos. "Wenn man dort einen Fehler macht, hat er Konsequenzen." In Griechenland sei das lange anders gewesen. "Wenn zum Beispiel Demonstranten ein Gebäude besetzen, muss die Polizei eingreifen dürfen. Wir hatten uns dem Konzept gebeugt, dass so etwas undemokratisch sei. Das ist Unsinn!" Außerdem müsse das Land besser dabei werden, seine Produkte zu vermarkten. Er frage sich, warum griechisches Olivenöl billig nach Italien geliefert und von dort teuer weiterverkauft werde.

Dann muss Papalexopoulos weiter, verschwindet im Gewusel vor der Kongresshalle. Dort wirbt heute Peru um Investitionen, Hostessen verteilen selbstgewebte iPad-Taschen. Vielleicht gibt es ja beim nächsten Mal Olivenöl aus Kreta.

Forum

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insgesamt 13 Beiträge
1. Nur 2nd class und 3 ***
susiwolf 26.01.2013
Ich habe den Artikel 2 x lesen müssen: Beim ersten Mal liefen mir die Tränen -ununterbrochen - beim zweiten Male habe ich den Inhalt erst verstanden, weil ... man muss ja auch zwischen den Zeilen lesen können. Herr [...]
Ich habe den Artikel 2 x lesen müssen: Beim ersten Mal liefen mir die Tränen -ununterbrochen - beim zweiten Male habe ich den Inhalt erst verstanden, weil ... man muss ja auch zwischen den Zeilen lesen können. Herr Papalexopoulos hat es auf den Punkt gebracht: Alle Unternehmen/Unternehmer nagen jetzt am Hungertuch und verstehen die Welt nicht mehr. Herr Roubini - der Starökonom - hat ihm sicherlich gerne zugehört. Allerdings - beide mussten sich mit Wasser begnügen. Schweizer Wasser - versteht sich. Inzwischen habe ich meine Tränen abgetrocknet und kann wieder frei atmen.
2. Was ?
DerNachfrager 26.01.2013
---Zitat--- Hostessen verteilen selbstgewebte iPad-Taschen ---Zitatende--- Die Hostessen mußten die vorher weben ?
---Zitat--- Hostessen verteilen selbstgewebte iPad-Taschen ---Zitatende--- Die Hostessen mußten die vorher weben ?
3. Bemerkenswert, wie Hier ein Top 5 Player im weltweiten Zementhandel
funxxsta 26.01.2013
zum bemitleidenswerten Vertreter eines leidenden Staates geriert wird. Griechenland, und somit Titan Zement, gehoert zu den ganz Grossen im internationalen Geschaeft mit Zement. Der Einfluss dieser Industrie in Hellas hat [...]
zum bemitleidenswerten Vertreter eines leidenden Staates geriert wird. Griechenland, und somit Titan Zement, gehoert zu den ganz Grossen im internationalen Geschaeft mit Zement. Der Einfluss dieser Industrie in Hellas hat unmittelbar zu dem jetzigen Status Quo beigetragen. oeffentliche Ausschreibungen fuer die Gestaltung von oeffentlichen Plaetzen wurden unterlaufen - siehe OMONIA in Athen - und es wurden die wenigen Gruenanlagen zementiert bzw es wurde "Einfluss" bei der Stadtplanung genommen um zementierte Freiflaechen gegen Gruenanlagen durchzusetzen. Beispiele sind in ganz Griechenland zu finden. Es gibt in Elladistan keine schuldlosen Grossunternehmer, lieber SPON. Selbst wenn ein solcher Unternehmer moralisch haette handeln wollen, das System von Klientelpolitik und gewerbsmaessiger Korruption haette Dies nicht zugelassen. Eine weitere Verschwendung journalistischer Taetigkeit, dieser Artikel. Warum recherchieren Sie nicht einmal die Geschichte eines Herrn Latsis, z.B. seine Geschaefte mit ARAMCO in der Kausa HELLENIC PETROLEUM, oder die Verbindungen der Familien Benaki (Samaras), Venizelos und/ oder Vardegoyannis? Die Abwicklung einer profitablen, staatlichen Textilindustrie Ende der Achtziger Jahre durch PASOK Schergen, bei der zehntausende Arbeitsplaetze vernichtete wurden um sich Millionenwerte zusammenzurauben. Oder die Aufnahme von Krediten bei der griechischen landwirtschaftsbank durch PASOK und ND, in Hoehe von ueber 500 Millionen Euro(!!) - welche nie zurueck gezahlt wurden. Mit solchen Artikeln wuerden Sie, lieber SPON, dem griechischen Volk helfen eine ueberfaellige Aufklaerung der Verbrechen an ihrem Land zu generieren. Was fuer eine Farce, dieser Journalismus. Die Naehe zur bundesrepublikanischen Politik scheint ihnen nicht zu bekommen.
4. Das 1000-Volt(aire)-Thema ...
susiwolf 26.01.2013
@DerNachfrager: Ihre Frage ist schon berechtigt - die griechischen Hostessen haben sich schon gefragt: "Wird Griechenland begraben ? Zurück in die Steinzeit ?" und dabei -frei nach Heinrich Heine- gesungen: [...]
@DerNachfrager: Ihre Frage ist schon berechtigt - die griechischen Hostessen haben sich schon gefragt: "Wird Griechenland begraben ? Zurück in die Steinzeit ?" und dabei -frei nach Heinrich Heine- gesungen: 'Griechenland, wir weben dein Leichentuch. Wir weben. Wir weben...' > und @funxxsta - für Sie habe ich auch noch einen: 'Die Kunst der (griechischen) Regierung besteht darin, soviel Geld wie möglich von der einen Klasse Bürger zu nehmen und dieses der anderen zu geben' - Nicht von mir: von Voltaire. *** Ich könnte Ihnen jetzt noch einige Beispiele aus der Schifffahrt erzählen (20 Jahre alte Griechenschiffe, Zement als Decksladung in Doppelplastik in Mannsrohren verlascht - Frachtraten wie 'unter Deck- also höher', volle cash-Koffer, usf. - aber: Das Wochenende ist heilig - hier und jetzt. Im Schifffahrtsgewerbe allerdings nicht (immer) ...
5. @susiwolf
funxxsta 26.01.2013
Werte Foristin, ich fuehle mich geehrt, das Sie "fuer mich auch noch einen haben". Voellig unnoetig, doch fuer Sie wohl von Belang um sich Hier als Expertin zu exponieren. Mir geht es um eine ausgewogene [...]
Werte Foristin, ich fuehle mich geehrt, das Sie "fuer mich auch noch einen haben". Voellig unnoetig, doch fuer Sie wohl von Belang um sich Hier als Expertin zu exponieren. Mir geht es um eine ausgewogene Berichterstattung zu dem Thema Griechenland, habe ich dort - nach langen Jahren geschaeftl. und privaten Engagements viele Freunde. Uebrigens auch in den Bereichen Schifffinanzierung und Brokerage. Schoenes Wochenende noch.

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