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27.01.2013
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Investieren in Afrika

Warum der Boom bald vorbei sein könnte

Von Patrick McGroarty, Wall Street Journal Deutschland
AFP

Platinabbau im Südafrika: Soziale Spannungen verschlechtern die Wachstumsaussichten.

Lange spielte Afrika in der Weltwirtschaft keine Rolle, dann lockten zunehmende Stabilität und robustes Wachstum Investoren auf den Kontinent. Doch nun verdüstern neue Krisen und Konflikte erneut die Aussichten.

Johannesburg - Es ist noch nicht lange her, da setzten die Weltbank und andere internationale Organisationen große Hoffnungen auf Afrika: Mit seiner zunehmenden Stabilität und einem robusten Wachstum könnte es einen Gegenpol zu den schwächelnden westlichen Volkswirtschaften darstellen. Im vergangenen Jahr wuchs die Wirtschaft des Kontinents laut Afrikanischer Entwicklungsbank um 4,5 Prozent. Zu den tragenden Säulen des Wachstums gehört eine aufstrebende Mittelschicht, die nach Einschätzung der Bank bereits ein Drittel der eine Milliarde Afrikaner umfasst. Das sei vergleichbar mit China und Indien.

Nur wenige Wochen nach dem Jahreswechsel ist der Ausblick jedoch weit weniger rosig. Afrikas Volkswirtschaften, ob groß oder klein, kämpfen mit sozialen und politischen Konflikten. Lange Zeit hat der Rohstoffreichtum des Kontinents risikofreudige Investoren angezogen. Doch die jüngste Terrorattacke auf ein Gasfeld in Algerien hat gezeigt, welche Gefahren etwa der Ölindustrie drohen. In Mali und der Zentralafrikanischen Republik könnten Rebellen die Regierungen zu stürzen. Und am Montag versuchten offenbar Soldaten in Eritrea einen Putsch und besetzten vorübergehend das Informationsministerium des Landes.

Investoren schauen sehr genau auf die Vorgänge in Ländern wie Mali, das große Goldvorkommen und riesige Vorräte an Phosphaten besitzt. Der italienische Öl- und Gasriese Eni Chart zeigen erklärte vergangene Woche, dass er fünf Förderlizenzen für das Land zurückgegeben habe. Die Begründung: Die Aussichten für Mali seien nicht vielversprechend genug. Das Unternehmen betonte aber, dass die Entscheidung bereits gefallen sei, ehe Frankreich am 11. Januar seinen militärischen Einsatz gegen islamistische Rebellen begonnen hatte.

"Riesiger Hype um Afrikas Potential und Wachstum"

Diejenigen, die bleiben, sähen Afrika eher als eine Mischung aus Chancen und Risiken denn als Ort der Verheißungen, sagt Simon Freemantle, Afrika-Analyst bei der Standard Bank in Johannesburg. "Es gab einen riesigen Hype um Afrikas Potential und Wachstum, der sicherlich übers Ziel hinaus geschossen ist", meint Freemantle. "Jetzt nehmen die Investoren allmählich die Schattierungen und Unterschiede zwischen den Volkswirtschaften wahr."

Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds wird die Region südlich der Sahara in diesem Jahr um bis zu sechs Prozent wachsen. Doch nicht alle afrikanischen Staaten florieren gleichermaßen.

In Südafrika, dem wirtschaftlichen Zugpferd des Kontinents, toben nach wie vor Arbeiterunruhen. Am 15. Januar kündigte der weltgrößte Platinhersteller Anglo American Platinum an, 14.000 Stellen zu streichen - in den Minen, die im vergangenen Jahr wegen der Streiks stillgelegt werden mussten. Die südafrikanische Regierung warnte daraufhin, sie werde die Förderlizenzen des Unternehmens überdenken.

Die Ratingagentur Fitch stufte die Bonität Südafrikas am 10. Januar herab. Damit haben seit August vergangenen Jahres alle drei großen Ratingagenturen den Daumen über dem Land gesenkt. Damals töteten Polizisten 34 streikende Arbeiter einer Platinmine außerhalb von Johannesburg. Nach Meinung von Fitch haben sich wegen der Arbeitskämpfe und sozialen Spannungen die Wachstumsaussichten Südafrikas verschlechtert.

Wie verunsichert die Investoren sind, zeigt ein Blick auf Südafrikas Landeswährung: Der Rand hat seit Jahresbeginn so stark an Wert verloren wie keine andere Devise eines Schwellenlands. Im Vergleich zum US-Dollar fiel die Währung um mehr als vier Prozent, für einen Dollar müssen fast neun Rand gezahlt werden.

In Nigeria, das viele Investoren angelockt hat, versucht die Regierung einen Aufstand von Islamisten zu kontrollieren. Nachdem die Terrorgruppe Boko Haram jahrelang Anschläge auf Kirchen und Marktplätze verübt hat, soll sie nun auch Mobilfunktürme und Fabriken der Telekomfirmen MTN Group und Bharti Airtel angegriffen haben. Der Aufstand könnte zur Gefahr für eine der größten afrikanischen Volkswirtschaften werden.

Im September zwangen Aufstände in der Demokratischen Republik Kongo den britischen Energiekonzern Soco International, die Ölförderung in dem Land zu stoppen und nach Uganda auszuweichen.

Experten sehen genügend Möglichkeiten für Anleger

"Die Wachstumsrate liegt auf dem Kontinent bei sechs Prozent, aber das heißt nicht, dass man überall viel Geld machen kann", sagt Sola Mahoney, Leiter der Afrika-Abteilung bei der Barclays-Tochter Absa Capital. Es gebe aber genügend Möglichkeiten für Investoren, ihr Geld in vielversprechenden Märkten anzulegen, sagt Peter Baird von der Bank Standard Chartered. "Die kurzfristigen politischen Herausforderungen dämpfen unseren Enthusiasmus für Afrika nicht und halten uns nicht davon ab, gute Investitionen für unsere Kunden zu tätigen."

Antoon de Klerk managt für Investec Asset Management einen 300 Millionen Dollar schweren Afrika-Fonds. Im vergangenen Jahr stieß er Uganda-Schilling ab, nachdem die dortige Regierung beschuldigt worden war, ausländische Hilfsgelder veruntreut zu haben. In Ghana hingegen sehe es besser aus, sagt de Klerk. Dort gab es im Dezember friedliche Präsidentschaftswahlen und die Wirtschaft wird nach Schätzungen in diesem Jahr um acht Prozent wachsen. Vergangene Woche kauften ausländische Investoren bei einer Auktion 99 Prozent der ausgegebenen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zwei Jahren.

"Ich habe nie an ein einfaches Rezept für Afrika geglaubt", sagt Simon Harford, Partner bei der Private-Equity-Firma Actis, die Vermögenswerte in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar in Afrika verwaltet. Der Kontinent sei einfach zu komplex. "Man muss die Entwicklungen verfolgen und seine Strategie den lokalen Märkten anpassen."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses vom Wall Street Journal Deutschland übernommenen Textes hatte es geheißen, dass Soldaten in Eritrea den Informationsminister des Landes vorübergehend gefangen genommen hätten. Diese Information hat sich als falsch herausgestellt und wurde vom Wall Street Journal Deutschland nachträglich korrigiert. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland

Mitarbeit: Jenny Gross und Nicholas Bariyo

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 41 Beiträge
1.
marthaimschnee 27.01.2013
Wer zählt denn zu dieser "Mittelschicht"? Jeder, der mehr als einen Dollar pro Tag zum Leben hat?
Zitat von sysopAFPLange spielte Afrika in der Weltwirtschaft keine Rolle, dann lockten zunehmende Stabilität und robustes Wachstum Investoren auf den Kontinent. Doch nun verdüstern neue Krisen und Konflikte erneut die Aussichten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/investment-in-afrika-krisen-und-konflikte-bedrohen-den-boom-a-879551.html
Wer zählt denn zu dieser "Mittelschicht"? Jeder, der mehr als einen Dollar pro Tag zum Leben hat?
2. Das totale Versagen des Westblocks
founder 27.01.2013
Schon 1992 schrieb ich in meinem ersten Buch "Aufstieg zum Solarzeitalter" zu diesem Thema. Nur erneuerbare Energie kann der gesamten Menschheit einen hohen Lebensstandard bieten. Gleichzeitig ist ein hoher [...]
Schon 1992 schrieb ich in meinem ersten Buch "Aufstieg zum Solarzeitalter" zu diesem Thema. Nur erneuerbare Energie kann der gesamten Menschheit einen hohen Lebensstandard bieten. Gleichzeitig ist ein hoher Lebensstandard nötig das Bevölkerungswachstum zum Stillstand zu bringen. Was hat USA und EU dazu getan? Nur von fossiler Energie abhängige Produkte für die reichsten Menschen in den Entwicklungsländern. Die Lösung wäre Photovoltaikmodul für Photovoltaikmodul den Lebensstandard aufbauen. Solche Produkte kommen aber nur aus China.
3. So ist es
idealist100 27.01.2013
Und die Milliarden verdienen, ach quatsch, kassieren ist besser die Banken und Grosskonzerne mit Ausbeitung von Menschen und Ländern und jetzt wundert sich die Weltfinanzmafia das sich die Menschen in diesen Ländern sich [...]
Zitat von marthaimschneeWer zählt denn zu dieser "Mittelschicht"? Jeder, der mehr als einen Dollar pro Tag zum Leben hat?
Und die Milliarden verdienen, ach quatsch, kassieren ist besser die Banken und Grosskonzerne mit Ausbeitung von Menschen und Ländern und jetzt wundert sich die Weltfinanzmafia das sich die Menschen in diesen Ländern sich währen.
4.
trallala34 27.01.2013
Wo würden Sie diese Photovoltaikmodule platzieren? In Algerien, in Libyen, in Mali, in Ägypten?
Zitat von founderSchon 1992 schrieb ich in meinem ersten Buch "Aufstieg zum Solarzeitalter" zu diesem Thema. Nur erneuerbare Energie kann der gesamten Menschheit einen hohen Lebensstandard bieten. Gleichzeitig ist ein hoher Lebensstandard nötig das Bevölkerungswachstum zum Stillstand zu bringen. Was hat USA und EU dazu getan? Nur von fossiler Energie abhängige Produkte für die reichsten Menschen in den Entwicklungsländern. Die Lösung wäre Photovoltaikmodul für Photovoltaikmodul den Lebensstandard aufbauen. Solche Produkte kommen aber nur aus China.
Wo würden Sie diese Photovoltaikmodule platzieren? In Algerien, in Libyen, in Mali, in Ägypten?
5. @marthaimschnee
skiski-bowski 27.01.2013
Da ich zeitweise in Ostafrika lebe, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, es gibt durchaus eine ansehnliche Mittelschicht, die deutlich mehr als einen Dollar am Tag hat. @idealist100: geht das auch auf Deutsch?
Da ich zeitweise in Ostafrika lebe, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, es gibt durchaus eine ansehnliche Mittelschicht, die deutlich mehr als einen Dollar am Tag hat. @idealist100: geht das auch auf Deutsch?

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