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Wirtschaft

Diesel-Weiterverkauf nach Osteuropa

"Wir fahren hier noch ungestört"

Diesel sind in Deutschland durch den Abgasskandal unbeliebter geworden - anders in Osteuropa: Allein in Rumänien wurden im Laufe eines Jahres 31.000 alte Diesel registriert. Umweltschützer sind bestürzt.

DPA

Autos in Prag (Archivbild)

Montag, 28.01.2019   12:39 Uhr

Der Abgasskandal und drohende Fahrverbote haben die Beliebtheit von Dieselautos bei vielen Deutschen sinken lassen. Viele wollen ihren alten Diesel nun loswerden - und finden Abnehmer aus Mittelost- und Südosteuropa: Dort boomt das Geschäft mit Diesel-Gebrauchtwagen.

In Rumänien, seit Langem ein großer Abnehmer alter Gebrauchtwagen aus Westeuropa, stieg die Zahl der registrierten Diesel-Gebrauchtwagen laut Kfz-Zulassungsstelle von 2017 bis 2018 um mehr als 31.000. Auch in Tschechien boomt das Geschäft mit den Gebrauchtwagen: Man könne fast von einer "Invasion" sprechen, sagte Petr Prikryl vom tschechischen Verband der Gebrauchtwagenhändler. "Die Importeure fahren nach Deutschland und nutzen selbstverständlich aus, dass der deutsche Verbraucher verunsichert ist."

Laut einer Marktuntersuchung des Gebrauchtwagenhändlers AAA Auto, einer Branchengröße in Mittelosteuropa, stammen 63 Prozent der in Tschechien inserierten Importgebrauchtwagen aus Deutschland - und 60 Prozent der importierten Gebrauchtwagen haben einen Dieselmotor. In der benachbarten Slowakei lag der Dieselanteil sogar bei 78 Prozent.

Diese Entwicklung macht sich auch bei den deutschen Autohändlern bemerkbar. Knapp ein Drittel von ihnen wird häufiger direkt von Händlern aus dem Ausland kontaktiert, die dann auch Diesel-Gebrauchtwagen kaufen. Das geht aus einer Umfrage des Branchenverbands Deutsche Automobil Treuhand unter Händlern hervor.

Kunden interessiert vor allem der Spritverbrauch

Umweltzonen gibt es in Tschechien wie auch in Polen, Kroatien und Serbien bisher nicht. "Wir fahren hier noch ungestört und in Freiheit, ganz ohne Einschränkungen", sagte Prikryl, der nach eigenen Angaben rund 400 Händler vertritt. "Der Kunde fragt, was das Auto schluckt, wie viel es verbraucht - das interessiert ihn." Und da liegt der um 20 bis 30 Prozent sparsamere Diesel im Vorteil.

Den Käufern in Serbien komme es vor allem darauf an, dass die Autos billig seien, sagte Slobodan Curguz, Besitzer eines Kfz-Handels in Belgrad. Das bedeute, dass die Pkw meist älter seien und mehr Kilometer hinter sich hätten. Nach Angaben des Verbands der serbischen Kfz-Importeure beträgt das Durchschnittsalter der gebrauchten Importwagen zwölf Jahre. Serbien ist eines der wenigen Länder der Balkanregion, das den Import von Fahrzeugen der Schadstoffklasse Euro 3 noch erlaubt.

Umweltschützer sind empört

In Rumänien waren Autos laut dem Jahresbericht 2018 des Automobilherstellerverbands ACEA zuletzt im Schnitt sogar gut 16 Jahre alt. Und das, obwohl es seit Jahren Geldprämien fürs Verschrotten gibt. In Tschechien und Kroatien liegt das Durchschnittsalter der Wagen bei etwa 14 Jahren, in Polen bei mehr als 13 Jahren. Zum Vergleich: In Deutschland sind die Autos im Schnitt nur gut neun Jahre alt.

Umweltschützer sind über die Entwicklung empört. "Süd- und Mittelosteuropa darf nicht zur Müllhalde alter, nicht mehr benötigter und dreckiger, die Luft verschmutzender Produkte werden", sagte Jan Pinos von der Regenbogen-Bewegung (Hnuti Duha) in Prag. Leider hinke das Umweltbewusstsein in der Region hinterher.

kko/dpa

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