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Wirtschaft

Hambacher Forst

Tausende Bürger protestieren gegen Rodung

Mehrere Tausend Braunkohlegegner sind am Sonntag zum Hambacher Forst gefahren, um den Erhalt des Walds zu fordern. Die Polizei sperrte den Wald ab.

picture alliance/ dpa
Sonntag, 16.09.2018   14:29 Uhr

Am Sonntag haben mehrere Tausend Demonstranten am Hambacher Forst gegen die geplante Rodung des uralten Walds demonstriert. Die Braunkohlegegner forderten auch einen schnellen Ausstieg aus der Kohleverstromung. Die Polizei sprach von mehr als 2000 Demonstranten. Beobachter vor Ort schätzten die Zahl auf mehrere Tausend.

Hunderte Autos aus zahlreichen Städten säumten die Wege, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa berichtete. Der Wald, in dem Einsatzkräfte weiter Baumhäuser der Umweltaktivisten räumten, wurde von der Polizei abgesperrt. Die Demonstranten konnten nur über Äcker und Wege am Rande des Walds laufen. Einige von ihnen trugen junge Bäume mit sich, die sie in bereits gerodetem Gebiet anpflanzen wollten.

Seit Donnerstag läuft in dem Waldstück eine Polizeiaktion, bei der nach Angaben der Polizei bis Samstagnachmittag 13 von rund 50 Baumhäusern, in denen sich die Aktivisten in 20 bis 25 Meter Höhe verschanzt haben, geräumt und beseitigt wurden.

Bei der Räumungsaktion waren bis zum Sonntagmorgen 34 Braunkohlegegner festgenommen worden. Neun Personen seien leicht verletzt worden, teilte die Polizei Aachen in der Nacht zum Sonntag mit. Darüber hinaus wurden 62 Platzverweise erteilt.

Am frühen Sonntagmorgen waren Einsatzkräfte der Grubenwehr zu zwei in einem Schacht verschanzten Aktivisten vorgedrungen. Diese seien überzeugt worden, freiwillig das gefährliche Bauwerk zu verlassen, teilte die Feuerwehr Kerpen am Sonntagmorgen mit. Beide Aktivisten seien gesund.

DPA

Räumungsaktion im Hambacher Forst

Zuvor hatten die Retter den Schacht wegen Einsturzgefahr sichern müssen. Aufgrund der erhöhten Konzentration von Kohlenstoffdioxid leiteten die Einsatzkräfte frische Luft in den Schacht. Außerdem blockierten einige von den Aktivisten angelegte Sperren den Weg. In den frühen Morgenstunden des Sonntags hatten die Einsatzkräfte dann Sichtkontakt mit den Braunkohlegegnern. Nach Angaben der Polizei hielten sie sich in zwei Aushöhlungen auf, die in vier und zehn Meter Tiefe in den Schacht eingebaut waren.

In dem Wald protestieren Braunkohlegegner gegen eine bevorstehende Rodung. Der Energiekonzern RWE will im Herbst weite Teile des Walds westlich von Köln abholzen, um weiter Braunkohle abbauen und benachbarte Braunkohlekraftwerke weiterbetreiben zu können.

Seit 2012 besetzen Aktivisten den Forst. Die Baumhäuser der Besetzer gelten als Symbol des Widerstands gegen die Kohle und die damit verbundene Klimabelastung. In dem Waldstück stehen jahrhundertealte Buchen und Eichen.

mak/dpa

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