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Wirtschaft

Bauprojekt Hudson Yards

New Yorks neues Millionärs-Getto

Es ist das teuerste Immobilienprojekt der US-Geschichte: Mit einem Festakt eröffnen die Hudson Yards, New Yorks neues Wolkenkratzerviertel. Dabei braucht die Stadt alles andere als noch mehr Luxusapartments.

Related-Oxford
Von , New York
Freitag, 15.03.2019   12:31 Uhr

Es war die letzte Wüste in New York City. Elf Hektar Brache inmitten der Millionenstadt - Abstellgleise, Depots, Unkraut, Schrott. Mehr als 150 Jahre lang schnitt die Baulücke das Herz Manhattans von den Piers des Hudson River ab. Dass sie das windige Niemandsland nicht früher besiedelt haben in dieser Metropole, in der jeder Quadratmeter zählt, ist ein Wunder.

Viele Ideen wurden verworfen. Ein Football-Stadion. Ein olympisches Dorf. Ein neues World Trade Center. Selbst Donald Trump - damals halb so alt wie jetzt - wollte sich "Amerikas großartigstes Grundstück" unter den Nagel reißen, als "Trump City". Doch nichts war machbar.

Und nun das: sieben Wolkenkratzer, neun weitere in Arbeit, eine Aussichtsterrasse in 335 Metern Höhe, zwei Millionen Quadratmeter Büro- und Wohnfläche, eine Luxus-Shoppingmall, Nobelrestaurants, Parks, begehbare Monumentalkunst und ein Kulturzentrum, dessen Fassade und Dach sich auf riesigen Stahlrädern wegrollen lassen.

Foto: DPA

An diesem Freitag, nach 13 Jahren Planung und sieben Jahren Bauzeit, eröffnet die erste Phase der Hudson Yards, wie sie das künstliche Viertel zwecks besserer Vermarktung getauft haben. 25 Milliarden Dollar wird es am Ende kosten - das teuerste private Immobilienprojekt in der US-Geschichte.

Es gibt Superlative ohne Ende: Stadt in der Stadt. Modernes Oz. Größer als die Uno-Zentrale, größer als der einstige Ground Zero, größer als das Rockefeller Center - jene städtebauliche Ikone, mit der sie die Hudson Yards oft vergleichen.

Die Nachbarn: Gucci, Rolex, Cartier - KKR, Blackrock, Wells Fargo

Doch während einen die Eleganz des rund 80 Jahre alten Rockefeller Centers bis heute ehrfürchtig macht, eignen sich die Hudson Yards, zumindest in jetziger Form, bestenfalls als Instagram-Motiv. Die Seele aber lassen sie kalt, die sozialen Bedürfnisse erst recht - gerade in New York, das alles andere braucht als einen weiteren Spielplatz für Millionäre.

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New Yorker Megaprojekt Hudson Yards: Trutzburg für die Reichen

Abweisend, unzugänglich und mit dem Rücken zu Manhattan, zeigt sich die Skyscraper-Enklave als Festung für Einprozentler. Die 4000 Luxuswohnungen sind mit dem üblichen Protz ausgestattet: Eukalyptusholz, Caravaggio-Marmor, Quarzit-Tresen. Als kommerzielle Mieter haben sich bereits die Investmentfirmen KKR und Blackrock, die Großbank Wells Fargo, L'Oréal und CNN verpflichtet. Das Einkaufszentrum bedient die gleiche Klientel - mit Edelmarken wie Dior, Gucci, Rolex, Cartier und Tiffany.

In einer Stadt, in der der Wohnungsmangel drückend ist und mehr als 64.000 Menschen obdachlos sind, stellen die Hudson Yards ein Monument verfehlter Kommunalpolitik dar - obendrein von der City subventioniert, mit fast sechs Millionen Dollar an Steuererleichterungen. Das kommt dabei heraus, wenn man die Planung an einen Multimilliardär abtritt und dem dann völlig freie Hand lässt.

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Aussichtsplattformen mit Glasboden: Achtung, Durchblick!

Stephen Ross heißt der Mann. Der Gründer des Immobilienkonzerns Related sicherte sich 2009 mit einem kanadischen Partner die Baurechte an den Hudson Yards. Als erstes ließ er die weiter aktiven Bahngleise mit einer riesigen Plattform zudecken, gestützt von 300 Trägern, die 25 Meter tief in den Fels reichen. Allein diese Meisterleistung der Ingenieurskunst kostete eine Milliarde Dollar - bevor darauf überhaupt der erste Wolkenkratzer entstand.

"Man kauft sich in einen Lebensstil ein"

Ross, 78, wird demnächst selbst in eines der höchsten Penthouses hier ziehen - in einen 72-stöckigen Tower, dessen preiswerteste Parzellen fünf Millionen Dollar kosten. "Es ist mehr als nur ein Gebäude", sagte er der "New York Times". "Man kauft sich in einen Lebenstil ein."

The Related Companies/ Hudson Yards New York

Hudson Yards

Ross bezeichnet seine Turmkollektion gern als "Museum der Architektur". Ein halbes Dutzend Stardesigner hat er bemüht, trotzdem sieht alles gleich aus - glatte Flächen, scharfe Kanten, Spiegelglas. Die Kritiker ließen denn auch kein gutes Haar daran, sie verrissen das Megaprojekt als "überdimensionalen Vorstadtbüropark", "geschlossene Wohnanlage" und "Relikt überholten Städtebaus".

Es gibt aber auch Lichtblicke. Das Kulturzentrum, dessen wundersame Wabenhalle zur Open-Air-Bühne mutieren kann, wird im April mit einer afroamerikanischen Konzertserie eingeweiht. Daneben ragt "The Vessel" (das Gefäß) empor, so der provisorische Name, für den sie noch einen besseren suchen: eine 45 Meter hohe Stahlskulptur aus 154 verschachtelten Treppen mit 2500 Stufen, die über 1,6 Kilometer bis nach oben führen.

"The Vessel" ist denn auch die größte Attraktion der Hudson Yards. Die Besteigung, die eine Vorab-Reservierung erfordert, ist auf absehbare Zeit ausgebucht.

insgesamt 9 Beiträge
Solaris0815 15.03.2019
1. So ist es gut
Ich kann diesen Projekt nur Gratulieren. Statt für das Elend und Looser ( Arbeiter) der Gesellschaft Wohnraum zu schaffen, ist es besser den besseren und guten Mensch (Reiche) Wohnungen zu bauen. Dort wo die "Götter (u.a. [...]
Ich kann diesen Projekt nur Gratulieren. Statt für das Elend und Looser ( Arbeiter) der Gesellschaft Wohnraum zu schaffen, ist es besser den besseren und guten Mensch (Reiche) Wohnungen zu bauen. Dort wo die "Götter (u.a. D. Trump)" unter sich bleiben können. Deutschland sollte sich mal eine scheibe abschneiden. Damit so was auch hier Realität wird, habe ich die besser FDP (Achtung: Nicht die FDP) gewählt. Leider kann man arme Menschen abends nicht Wegsperren.
lattenkracher11 15.03.2019
2. Angebot und Nachfrage
man sollte erwähnen, dass es in der Mall selbstverständlich auch „normale“ Geschäfte gibt, in denen Otto Normalverbraucher einkaufen kann. Außerdem wurde das Projekt vor 20 Jahren geplant, es verwundert also kaum, dass es an [...]
man sollte erwähnen, dass es in der Mall selbstverständlich auch „normale“ Geschäfte gibt, in denen Otto Normalverbraucher einkaufen kann. Außerdem wurde das Projekt vor 20 Jahren geplant, es verwundert also kaum, dass es an den heutigen Bedürfnissen vorbei geht. Und mit Sozialwohnungen wären die enormen Kosten wohl kaum zu decken. Da das Angebot an Luxusimmobilien nun enorm steigt, müsste irgendwo der Preis fallen. Die künftigen Mieter müssen ja irgendwo ausziehen. Oder umgekehrt formuliert: ohne das Projekt wäre das Angebot knapper, was den Preis treiben würde.
mariomeyer 15.03.2019
3. @Solaris0815
Bitte bringen Sie die Leute nicht auf dumme Gedanken! Am Ende folgen die "Abgehängten", von denen es ja reichlich zu geben scheint, Ihrem Beispiel und wählen eine Partei, die ihnen das Blaue vom Himmel verspricht - und [...]
Bitte bringen Sie die Leute nicht auf dumme Gedanken! Am Ende folgen die "Abgehängten", von denen es ja reichlich zu geben scheint, Ihrem Beispiel und wählen eine Partei, die ihnen das Blaue vom Himmel verspricht - und dann brechen womöglich harte Zeiten für die "Götter" an. Das kann doch nun wirklich niemand wollen! Also, pssst! Alles ist gut, so wie es ist.
Raget 15.03.2019
4. @ Solaris0815
In New York muss aber vieles zu fest sitzen, wenn man denn so viele Lockerer als Arbeiter braucht...
In New York muss aber vieles zu fest sitzen, wenn man denn so viele Lockerer als Arbeiter braucht...
g.eliot 15.03.2019
5. Sinnvolle Maßnahmen
Trump hat mit seiner Mauer doch schon den Anfang gemacht. Jetzt kann man die Idee auf Stadtviertel erweitern, in welchen die Schönen und Reichen wohnen. Solche Stadtmauern sind sogar aus der deutschen Geschichte bekannt, sind [...]
Zitat von Solaris0815Ich kann diesen Projekt nur Gratulieren. Statt für das Elend und Looser ( Arbeiter) der Gesellschaft Wohnraum zu schaffen, ist es besser den besseren und guten Mensch (Reiche) Wohnungen zu bauen. Dort wo die "Götter (u.a. D. Trump)" unter sich bleiben können. Deutschland sollte sich mal eine scheibe abschneiden. Damit so was auch hier Realität wird, habe ich die besser FDP (Achtung: Nicht die FDP) gewählt. Leider kann man arme Menschen abends nicht Wegsperren.
Trump hat mit seiner Mauer doch schon den Anfang gemacht. Jetzt kann man die Idee auf Stadtviertel erweitern, in welchen die Schönen und Reichen wohnen. Solche Stadtmauern sind sogar aus der deutschen Geschichte bekannt, sind also altbewährt und haben sich als nützlich gezeigt. Damals wurden die Armen abends weggesperrt werden. Die neue Innovation: Zugang mit einer PIN-Karte, und das auch nur zu bestimmten Uhrzeiten, und schon hat man Ruhe vor dem unapptetlichen Blick von Menschen, die sich kein Prada oder Gucci leisten können. Dann werden noch die New Yorker Parks privatisiert, war in früheren Zeiten ja auch so. Zutritt hoch genug, damit das Gesindel draußen bleibt. Für Trump Fans und für die "bessere" FDP wären auch das noch sinnvolle, gerechte Maßnahmen. ;-)

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