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Wirtschaft

Aurel Bantzer reist ins Silicon Valley

"Businessplan? Interessiert hier keine Sau"

Tausende Gründer versuchen ihr Glück im Silicon Valley: Einer der Glückssucher ist der Hamburger Aurel Bantzer. Auf SPIEGEL ONLINE berichtet er von seinen Erlebnissen. Am ersten Tag im Valley schmeißt er seinen Pitch noch mal komplett um.

Foto: Aurel Bantzer
Von
Donnerstag, 05.06.2014   18:40 Uhr

Aurel Bantzer ist angekommen im Zentrum der Hightech-Gründer; er hat sich an die Sonne gewöhnt und den Jetlag überwunden - jetzt setzt die Nervosität ein.

Die ersten Tage ist er bei einem Bekannten untergekommen, der - natürlich - als Entwickler bei einem der Großen der Tech-Branche arbeitet und über die Gentrifizierung San Franciscos klagt.

Bantzer hat seinen Terminplan für die nächsten Tage aktualisiert und alle um Rat gefragt, die ihm helfen können. Kurz vor dem Schlafengehen hat er mit SPIEGEL ONLINE über seine ersten Gehversuche im Gründer-Mekka gesprochen.

Auf Investorensuche im Silicon Valley

SPIEGEL ONLINE: Wir kennen uns aus Hamburg und bleiben deshalb beim Du, oder?

Bantzer: Klar!

SPIEGEL ONLINE: Du bist in Kalifornien angekommen - wo sitzt du gerade?

Bantzer: Ich sitze im Wohnzimmer eines Freundes, der bei Adobe arbeitet, im Mission District in San Francisco und arbeite an meiner Präsentation.

SPIEGEL ONLINE: Und spürst du ihn schon, den Gründergeist?

Bantzer: Ja und nein. Ich bin jetzt schon einmal durch das Silicon Valley durchgefahren, und es wirkt wie ein typischer US-Vorort. Auf den ersten Blick sieht man die Zentralen der ganz großen Konzerne ja auch gar nicht. Wenn man aber mit den Leuten hier spricht, die in der Branche arbeiten, dann spürt man diesen Geist sofort.

SPIEGEL ONLINE: Du willst Investoren von gleich zwei deiner Geschäftsideen überzeugen - wie willst du das machen?

Bantzer: Ich habe lange an meinem Pitch, also der Kurzpräsentation meiner Ideen, gearbeitet. Wer überhaupt die Chance bekommt, mit Geldgebern zu sprechen, hat nicht viel Zeit, sie davon zu überzeugen, dass sie investieren sollen. Allerdings muss ich gerade einiges umwerfen, nachdem ich heute mit jemandem telefoniert habe, der selbst ziemlich erfolgreich Geld eingeworben hat.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Bantzer: Er hat gesagt, den offiziellen Businessplan mit all den prognostizierten Daten interessiert hier keine Sau. Was zählt, ist zum einen die gute Idee, viel wichtiger aber ist das Geschäftsmodell, das dahintersteht.

SPIEGEL ONLINE: Wirst du dich im Kapuzenpulli vorstellen, ist das der inoffizielle Dresscode?

Bantzer (lacht): Zweimal nein. So ganz klar ist mir der Dresscode noch nicht: Anzug und Krawatte tragen eigentlich nur die Geschäftsleute, also die Investoren, die Leute mit dem Geld. Bei den anderen gibt es so eine demonstrative Nachlässigkeit bei der Kleidung: T-Shirts zum Beispiel. Für einen Kapuzenpulli ist es hier eigentlich zu warm.

SPIEGEL ONLINE: Morgen ist dein erster wichtiger Termin, was steht an?

Bantzer: Ich werde gleich morgens um 9 Uhr auf eine Konferenz fahren, auf der sich viele Start-up-Gründer treffen und kennenlernen können. Da geht es auch ganz allgemein darum, eine gute Präsentation, einen guten Pitch vorzubereiten. Ich habe aber auch drei Termine mit relativ wichtigen Leuten: Bei einem Treffen geht es darum, wie man seine Gründeridee - wenn man denn Geld bekommt - zu einem richtigen Unternehmen formt. Die anderen beiden Termine sind mit Investoren.

SPIEGEL ONLINE: Du wirst also auch viele andere Gründer treffen - zieht man bei der Investorensuche an einem Strang, oder herrscht die totale Konkurrenz?

Bantzer: Eigentlich sind alle hier sehr nett. Die, die schon erfolgreich sind, sagen allerdings, dass mit harten Bandagen gekämpft wird. Man muss sich hier wirklich durchboxen, heißt es. Wenn man es dann geschafft hat, dann geht es aber ganz schnell. Hoffentlich ist das so.

SPIEGEL ONLINE: Wie ist deine Stimmung jetzt?

Bantzer: Ich bin höllisch aufgeregt, aber ich freue mich auf morgen. Jetzt werde ich noch die halbe Nacht an meinem Pitch arbeiten und hoffentlich noch ein paar Stunden in den Tiefschlaf fallen. Morgen werde ich dann berichten, wie es mir ergangen ist.

insgesamt 15 Beiträge
ramschassar 05.06.2014
1. ähh... toll
Nach dieser wunderbaren Lektüre, habe ich gleich angefangen, an meinem Pitcher zu arbeiten.
Nach dieser wunderbaren Lektüre, habe ich gleich angefangen, an meinem Pitcher zu arbeiten.
el-gato-lopez 05.06.2014
2. Ja, nee.. is klar
Aber sicher doch... Venture Capitalists fressen so einen an ner Messe mit Haut und Haaren. Herr Banzer ist doch der "Künstler" "Kreative" und "Schauspieler", der schon vorher von SPON [...]
Zitat von sysopAurel BantzerTausende Gründer versuchen ihr Glück im Silicon Valley: Einer der Glückssucher ist der Hamburger Aurel Bantzer. Auf SPIEGEL ONLINE berichtet er von seinen Erlebnissen. Am ersten Tag im Valley schmeißt er seinen Pitch noch mal komplett um. http://www.spiegel.de/wirtschaft/investorensuche-im-silicon-valley-ein-start-up-unternehmer-berichtet-a-969402.html
Aber sicher doch... Venture Capitalists fressen so einen an ner Messe mit Haut und Haaren. Herr Banzer ist doch der "Künstler" "Kreative" und "Schauspieler", der schon vorher von SPON vorgestellt wurde? Na dann viel Spass... Das SV funktioniert nicht so, wie man es sich nach 10min "social network" auf DVD glotzen vorstellt... Und einen ohne IT-Background nimmt dort eh kaum jemand ernst... Wenn man in der Weltecke von einem "German" hört, erwartet man einen Ingenieur oder wenigstens einen 08/15-Berlin-Hipster mit einschlägiger Erfahrung in neuen Medien / Tech-Affinität. Aber naja, man soll den leuten ihre pubertären Träumereien lassen. Das Ganze wird wohl ein ähnliches Fiasko wie der Kalifornien-Trip von Phipsi Rösler und dem Springer-Herrn mit zu viel Gel im Haar...
reg13srw5 05.06.2014
3. Na klasse, richtig cool...
Englisch kann er auch, meint er. Sales Pitch waere besser. Es ist immer wieder klasse wenn man in einen deutschen Artikel englische Woerter einbaut. Das zeigt doch gleich wie international man denkt. Einfach cool oder besser [...]
Englisch kann er auch, meint er. Sales Pitch waere besser. Es ist immer wieder klasse wenn man in einen deutschen Artikel englische Woerter einbaut. Das zeigt doch gleich wie international man denkt. Einfach cool oder besser einfach doof.
peteftw 05.06.2014
4. oh mann...
muss man ihn hier jetzt erstmal niederzumachen obwohl man nicht viel über ihn und seine idee weiß? ist das typisch deutsch? Ich wünsche ihm viel erfolg! und ja, es heißt "pitch" im startup umfeld... und wenn man ne [...]
muss man ihn hier jetzt erstmal niederzumachen obwohl man nicht viel über ihn und seine idee weiß? ist das typisch deutsch? Ich wünsche ihm viel erfolg! und ja, es heißt "pitch" im startup umfeld... und wenn man ne top idee hat , diese überzeugend darlegt und die VCs es einem zutrauen das umzusetzen muss man auch kein techie sein. als team hat mans allerdings deutlich leichter...
HighFrequency 05.06.2014
5. optional
Ich finde das toll, was Herr Bantzer macht. Solche Aktivitäten bringen die Menschheit voran! Ganz unabhängig davon, was so manche Meckerbüdel von sich geben!
Ich finde das toll, was Herr Bantzer macht. Solche Aktivitäten bringen die Menschheit voran! Ganz unabhängig davon, was so manche Meckerbüdel von sich geben!

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