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Wirtschaft

Reaktion auf Jeff Bezos

"National Enquirer" weist Erpressungsvorwurf zurück

Amazon-Chef Jeff Bezos beschuldigt das Boulevardblatt "National Enquirer", ihn mit Privatfotos erpresst zu haben. Ein Anwalt für den Verlag behauptet nun, es sei vielmehr eine "Verhandlung" gewesen.

REUTERS

Amazon-Chef Jeff Bezos

Montag, 11.02.2019   01:33 Uhr

Das US-Boulevardblatt "National Enquirer" hat Vorwürfe einer Erpressung von Amazon-Chef Jeff Bezos zurückgewiesen. "Es ist absolut keine Erpressung", sagte Anwalt Elkan Abramowitz dem US-Sender ABC. Es habe sich vielmehr um eine "legitime Verhandlung" gehandelt. Bezos und der "National Enquirer"-Herausgeber American Media Inc (AMI), den Abramowitz vertritt, hätten ein Interesse daran gehabt, ihre "Differenzen" beizulegen.

Bezos hatte AMI am Donnerstag vorgeworfen, ihm mit einer Veröffentlichung intimer Fotos gedroht zu haben. Demnach forderte das Medienunternehmen von ihm, Ermittlungen über eine bereits publizierte Enthüllungsgeschichte über sein Privatleben zu stoppen und zu erklären, hinter der Veröffentlichung gebe es keine politischen Motive.

Video: Bezos wirft "National Enquirer" Erpressung vor

Foto: REUTERS

Der "National Enquirer" hatte im Januar über eine außereheliche Affäre von Bezos berichtet. Er vermutet dahinter politische Motive: AMI-Chef David Pecker ist ein langjähriger Freund von US-Präsident Donald Trump. Bezos wiederum ist Eigentümer der "Washington Post", die kritisch über Trump berichtet.

Die "Washington Post" hat außerdem sehr kritisch über Saudi-Arabien berichtet. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman wird verdächtigt, die Ermordung des Journalisten und "Washington Post"-Kolumnisten Jamal Khashoggi angeordnet zu haben. Am vergangenen Donnerstag verwies Bezos auf die Nähe zwischen AMI zu Trump und zu Saudi-Arabien - und machte deutlich, dass er politische Motive hinter der "National Enquirer"-Geschichte zu seiner Geliebten vermutet.

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"Ich denke, Bezos und AMI hatten Interesse daran, ihre Differenzen beizulegen", sagte AMI-Anwalt Abramowitz nun in der ABC-Sendung "This Week". "Bezos wollte nicht, dass eine andere Geschichte über ihn geschrieben wird oder diese Fotos veröffentlicht werden. AMI wollte nicht die Verleumdung gegen sich, vom Weißen Haus, von Saudi-Arabien oder von der 'Washington Post' inspiriert worden zu sein."

Wer dem "National Enquirer" die privaten Textnachrichten und Fotos von Bezos zugespielt hat, wollte Abramowitz nicht sagen. Die Quelle sei aber "verlässlich" und sowohl Bezos als auch dessen Geliebter bekannt. "Ich kann Ihnen sagen, dass es weder Saudi-Arabien, noch Präsident Trump, noch Roger Stone war." Stone ist ein Vertrauter Trumps.

Wie "The Daily Beast" berichtet, soll der Bruder der Geliebten die Fotos an die Medien gegeben haben. Die US-Nachrichtenseite beruft sich dabei auf mehrere Quellen innerhalb des Verlags AMI. Eine weitere Quelle außerhalb des Verlags habe bestätigt, dass der Bruder als Schuldiger ausgemacht worden sei. Die "Washington Post" hatte den Verdacht bereits vor Tagen auf ihn gelenkt, allerdings wies der Bruder demnach jede Verantwortung zurück.

aar/AFP/dpa

insgesamt 46 Beiträge
dereuropaeer 11.02.2019
1. Bezos gegen AMI
Das schmutzige Spiel Trumps gegen seine Gegner hat eine neue Dimension erreicht. Man kann nur hoffen, daß Bezos nicht locker läßt
Das schmutzige Spiel Trumps gegen seine Gegner hat eine neue Dimension erreicht. Man kann nur hoffen, daß Bezos nicht locker läßt
s.l.bln 11.02.2019
2. Es liegt in der Natur...
...der Sache, daß Erpresser ihre Erpressung als "legitime Verhandlung" begreifen. Wer tut schon, was er selbst für illegitim hält? Die zweite Ebene ist die ebenso bizarre wie auf unangenehme Art naheliegende [...]
...der Sache, daß Erpresser ihre Erpressung als "legitime Verhandlung" begreifen. Wer tut schon, was er selbst für illegitim hält? Die zweite Ebene ist die ebenso bizarre wie auf unangenehme Art naheliegende Deieckskiste Trump - die Saudis-National - Enquirer, in welcher man sich nach Belieben die medialen Bälle zuspielt. Was sich da im weißen Haus eingenistet hat, ist mindestens unappetitlich.
jaka778 11.02.2019
3. Kläglicher Versuch der Schadensbegrenzung
Offensichtlich hat niemand damit gerechnet wie weit Bezos bereit ist zu gehen, natürlich findet sich jetzt ein Anwalt, der irgendeinen mickrigen Versuch unternimmt...
Offensichtlich hat niemand damit gerechnet wie weit Bezos bereit ist zu gehen, natürlich findet sich jetzt ein Anwalt, der irgendeinen mickrigen Versuch unternimmt...
ronald1952 11.02.2019
4. Wenn man zu
einer Verhandlung egal wie Sie gelagert ist, ein Druckmittel einsetzt ist dies eine Erpressung. Wer zum Nachteil einer Person, Firma oder Standen versucht Druckmittel zu nutzen ist ein Erpresser.Nun, um einem Erpresser den Wind [...]
einer Verhandlung egal wie Sie gelagert ist, ein Druckmittel einsetzt ist dies eine Erpressung. Wer zum Nachteil einer Person, Firma oder Standen versucht Druckmittel zu nutzen ist ein Erpresser.Nun, um einem Erpresser den Wind aus den Segeln zu nehmen ist es am besten zu sagen mach doch was du willst. Solange man sich nicht Strafbar gemacht hat sondern es um Moralisch oder Ethische Verfehlungen handelt wird es vielleicht unangenehm, mehr aber nicht. Meist hat der Erpresste die Menschen auf seiner Seite. Niemand mag diese Schleimigen Erpresser. schönen Tag noch,
carlitom 11.02.2019
5.
Wenn ich das richtig verstehe, hat das Klatschblatt eigentlich alle Vorwürfe zugegeben, nur anders genannt. Die sind ja noch blöder als ihr Auftraggeber Trump, dem sie in vorauseilendem Gehorsam einen erlegten Bezos zu Füßen [...]
Wenn ich das richtig verstehe, hat das Klatschblatt eigentlich alle Vorwürfe zugegeben, nur anders genannt. Die sind ja noch blöder als ihr Auftraggeber Trump, dem sie in vorauseilendem Gehorsam einen erlegten Bezos zu Füßen legen wollten... Totale Selbstüberschätzung. Ich finde Bezos Souveränität und Stärke beeindruckend. An dem beißen die Schweine sich die Zähne aus. Trump und seine "Freunde" scheitern immer dann, wenn sie in ihrer Dummheit auf geistig schwer überlegene Gegner treffen und die jagen ihnen auch zurecht die meiste Angst ein. Gut so.

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