Schrift:
Ansicht Home:
Wirtschaft

Fünf Prozent teurer

Mieten steigen trotz Mietpreisbremse

Es gab schon lange Zweifel an ihrer Wirksamkeit, jetzt zeigen auch Zahlen des Verbraucherschutzministeriums: Die Mietpreisbremse wirkt nicht.

DPA

Wohnhäuser in der Kölner Südstadt

Samstag, 20.05.2017   17:43 Uhr

Die neue Regelung verpuffte wirkungslos: Die Mieten in Deutschland sind seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Mietpreisbremse noch stärker gestiegen als zuvor. Das geht aus einer Antwort des Bundesverbraucherschutzministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor.

Im Jahr 2016 lag der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei 7,65 Euro - und war damit 36 Cent höher als im Vorjahr. Das entspricht einem Anstieg von fünf Prozent. Zwischen 2012 und 2015 stiegen die Angebotsmieten pro Quadratmeter jährlich lediglich um 23 oder 24 Cent, das ist ein Plus von 10,6 Prozent - aber innerhalb von drei Jahren. Bei Erstvermietungen in Neubauten stieg der durchschnittliche Quadratmeterpreis von 7,73 Euro im Jahr 2012 auf 9,54 Euro im Jahr 2016.

Berlin hatte am 1. Juni 2015 als erstes Bundesland die Mietpreisbremse eingeführt, bis Ende 2016 zogen 313 Städte und Gemeinden nach. Dort dürfen Mieten bei neuen Verträgen in der Regel nur noch zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Immer wieder gibt es jedoch Zweifel an der Wirksamkeit der Regelung.

Fotostrecke

Mietspiegel: In diesen Städten ist Wohnen am teuersten

Eine DIW-Studie kam im Juni 2016 zu dem Ergebnis, dass die Mietpreisbremse teilweise sogar zu Verteuerungen geführt hat - weil viele Vermieter im letzten Moment noch die Mieten erhöht haben. Eine umfangreiche Auswertung des Forschungsinstituts und Beratungsunternehmens F+B zeigt zudem, dass auch die Bestandsmieten in Deutschland immer teurer werden.

"Die Mietpreisbremse war von Anfang an eine Fehlkonstruktion", sagt der Grünen-Abgeordnete Christian Kühn. Ihr sei durch "unzählige Ausnahmen und Schlupflöcher" die Bremswirkung abhandengekommen. Die SPD habe zwar erkannt, "dass dringend Nachbesserungsbedarf" besteht. Ein Referentenentwurf von Bundesverbraucherschutzminister Heiko Maas (SPD) vergammle aber seit eineinhalb Jahren in der Schublade.

Maas setzt sich seit Langem dafür ein, Vermieter dazu zu verpflichten, die Vormiete von sich aus offenzulegen. Zudem will er den Anteil der Modernisierungskosten, den Vermieter auf ihre Mieter umlegen können, verringern. Seine Vorschläge stoßen allerdings auf Widerstand in der Union.

vet/AFP

insgesamt 116 Beiträge
alfredjosef 20.05.2017
1. In einem liberalen Wohnungsmarkt
In eienm liberalen Wohnungsmarkt, ohne die vielen Regelungen, wäre es wahrscheinlich einfacher, eine bezahlbare Wohnung zu finden - schon mal deshalb, weil sich wieder mehr (vor allem alte) Leute trauen würden, ein paar Zimmer [...]
In eienm liberalen Wohnungsmarkt, ohne die vielen Regelungen, wäre es wahrscheinlich einfacher, eine bezahlbare Wohnung zu finden - schon mal deshalb, weil sich wieder mehr (vor allem alte) Leute trauen würden, ein paar Zimmer unterzuvermieten. Früher war das üblich, heute machen das nur noch wenige. aj
timwev 20.05.2017
2. Wirkt wie konstruiert
Der Anstieg der Mieten wird von zwanzig Prozent in drei Jahren auf fünfzehn abgeschwächt. Insofern handelt es sich nicht um eine Bremse, sondern um eine beschleunigungsbegrenzung. So ist es konstruiert und so wirkt es auch. Wer [...]
Der Anstieg der Mieten wird von zwanzig Prozent in drei Jahren auf fünfzehn abgeschwächt. Insofern handelt es sich nicht um eine Bremse, sondern um eine beschleunigungsbegrenzung. So ist es konstruiert und so wirkt es auch. Wer mehr will, muss einfach die Mieterhöhungen im Bestand per Gesetz weiter drosseln, zeitlich strecken oder ganz aussetzten.
karl-felix 20.05.2017
3. Also
Bei uns sind die Mieten im Vergleich zu den Verkaufspreisen weit zurückgeblieben . Während man um die Jahrtausendwende bei uns Eigentumswohnungen noch zum 15-18 fachen Jahreskaltmiete kaufen konnte ist jetzt 17 Jahre später [...]
Bei uns sind die Mieten im Vergleich zu den Verkaufspreisen weit zurückgeblieben . Während man um die Jahrtausendwende bei uns Eigentumswohnungen noch zum 15-18 fachen Jahreskaltmiete kaufen konnte ist jetzt 17 Jahre später unter 25 Jahreskaltmieten gar nichts mehr zu machen . Das mag auf dem Dorf noch anders sein , aber ich vermute dass auch dort die Mieten stark gefallen sind. Zehntausende von völlig intakten Mietwohnungen werden da einfach weggesprengt/abgerissen um den Mietmarkt einigermassen zu stabilisieren . Bei solch niedrigen Mieten wie in Berlin kann die Mietpreisbremse auch gar nicht funktionieren . Dann baut halt keiner mehr. Bei uns sind die Neubauten im letzten Jahr leicht zurückgegangen , im ersten Quartal jetzt deutlich. Die Mieten sind offenbar zu niedrig . In der Fläche sind die Autokosten höher als die Miete.
Die Happy 20.05.2017
4.
Und das ist genau die "Mietpreisbremse", die die dufte und hippe FDP abschaffen möchte. Anstatt sie so aus zu gestalten, dass sie wirklich was bringt, will die FDP direkt ganz weg damit und so noch schlechtere [...]
Und das ist genau die "Mietpreisbremse", die die dufte und hippe FDP abschaffen möchte. Anstatt sie so aus zu gestalten, dass sie wirklich was bringt, will die FDP direkt ganz weg damit und so noch schlechtere Verhältnisse. Ob das die jungen hippen Wähler, die in NRW angesichts des feschen pink, gelben Lindner Null Inhalt Bilder Wahlkampfs FDP gewählt haben, auch bedacht haben, wenn sie demnächst in Städten überhaupt keine bezahlbaren Studentenwohnungen mehr bekommen?!
tizian 20.05.2017
5.
Die Verringerung der Umlagemöglichkeit der Modernisierungskosten steht im Koalitionsvertrag. Aber die Union wehrt sich dagegen... @1 Der Markt war z.B. in Berlin seit Anfang des Jahrtausends extrem liberal. Die ganzen [...]
Die Verringerung der Umlagemöglichkeit der Modernisierungskosten steht im Koalitionsvertrag. Aber die Union wehrt sich dagegen... @1 Der Markt war z.B. in Berlin seit Anfang des Jahrtausends extrem liberal. Die ganzen Regulierungen gab es erst wegen der Folgen dieses liberalen Marktes.
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!

Verwandte Artikel

Mehr im Internet

Verwandte Themen

Artikel

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
TOP