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Wirtschaft

Fipronil-Eier

Niederländische Reinigungsfirma täuschte deutsche Bauern

Wieso fiel der Einsatz des Anti-Läuse-Mittels Fipronil in Hühnerställen nicht auf? Auch, weil eine niederländische Reinigungsfirma deutsche Landwirte mit einem dreisten Trick täuschte.

REUTERS

Eier im Labortest

Freitag, 11.08.2017   18:05 Uhr

Wie ein Wundermittel pries die niederländische Reinigungsfirma Chickfriend ihre Desinfektionslösung Dega-16 bei den Bauern an, deren Hühnerställe sie reinigen wollte. Die Chance sei groß, "dass Sie danach für bis zu 50 Wochen keine rote Vogelmilbe mehr finden", hieß es auf der Homepage des Unternehmens. Viele niederländische Landwirte fanden das attraktiv, aber auch auf mindestens fünf deutschen Höfen kamen die Stallreiniger zum Einsatz.

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Jetzt steht das Unternehmen im Zentrum des Skandals um Millionen verseuchte Hühnereier, denn tatsächlich enthielt die Lösung nicht nur harmlose Öle, sondern auch das Mittel Fipronil. Fibronil darf gegen Flöhe, Läuse und Milben bei Hunden und Katzen eingesetzt werden, bei Nutztieren ist es hingegen verboten. Kannten die Landwirte die tatsächlichen Inhaltsstoffe des Wundermittels? (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Vieles spricht dafür, dass Chickfriend die deutschen Landwirte auch mit falschen Dokumenten täuschte. Wie der SPIEGEL in seiner neuesten Ausgabe berichtet, erhielten Kunden des Unternehmens ein offiziell aussehendes "Produktsicherheitsblatt", in dem die Desinfektionslösung Dega-16 als völlig harmloses Mittel ausgegeben wurde. Dass die Lösung das Kontaktgift Fipronil enthielt, wurde in dem vierseitigen Papier verschwiegen.

Offenbar ist Dega-16 auch nie von einer Behörde zugelassen worden. Als "Hersteller/Lieferant" nennt das Sicherheitsblatt ein Unternehmen in der belgischen Ortschaft Weelde. Unter der angegebenen Adresse firmiert der Chemikalienhändler Patrick R., 46, der als eine der zentralen Figuren des Fipronil-Skandals gilt. Sein Anwalt wollte sich gegenüber dem SPIEGEL nicht zu den Vorwürfen äußern.

mp/mif/srö

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