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Wirtschaft

Wechseln und Sparen

So stoßen Sie Ihre schlechten Versicherungen ab

Haben Sie die richtigen Versicherungen? Bis Ende September ist noch Zeit, überflüssige Policen zu kündigen oder in günstigere Tarife zu wechseln. Das spart Nerven - und Geld. So geht's.

DPA

Wohnhäuser in Berlin

Eine Kolumne von
Samstag, 23.09.2017   12:54 Uhr

Bis kommenden Samstag können Sie wählen, wer Sie im nächsten Jahr versichert. Denn am 30. September endet für Millionen von Versicherungsverträgen die Kündigungsfrist. Wenn Sie die Kündigung einer ungeeigneten Police jetzt verschlafen, sind Sie ein weiteres Jahr an zu teure oder minderwertige Verträge gekettet.

Dieser gemeinsame Kündigungstermin für viele Verträge am 30. September hat auch Vorteile. Zum Beispiel den, dass Sie sich nicht so viele Termine merken müssen. Hausrat- und Haftpflichtversicherung, Gebäudeversicherung, und Rechtsschutz laufen oft gemeinsam vom 1. Januar bis 31. Dezember. Und in jedem einzelnen Fall beträgt die Kündigungsfrist der Standardverträge drei Monate. Die große Ausnahme sind die Kfz-Versicherungen, die haben nur einen Monat Kündigungsfrist, hier fällt also Ende November der Hammer.

Kündigungen sind natürlich kein Selbstzweck. Wenn Sie schon in den vergangenen Jahren gute und preiswerte Verträge abgeschlossen haben, können Sie sich das bisschen Hektik bis zum Monatsende sparen. Haben Sie nicht? Oder wissen Sie nicht? Dann aber los. Besonders einfach fallen Entscheidungen bei Versicherungen, die sicher überflüssig sind. Brillen- und Handyversicherungen, Technik- und Sterbegeldversicherungen. Oder die doppelte Auslandsreisekrankenversicherung, die man jeweils in Hektik vor dem Abflug in die Ferien abgeschlossen hat.

Und auch so manche Unfallversicherung, weil sie nur einen kleinen Ausschnitt der schlimmen Risiken abdecken, wie ich in meiner Kolumne in der vergangenen Woche schrieb.

Dann gibt es noch die Verträge, die Sie unbedingt brauchen. Eine Haftpflichtversicherung, eine Gebäudeversicherung für Ihr Haus oder Ihre Wohnung, die Risikolebensversicherung für die Absicherung der Familie und öfter sicher auch die Hausratversicherung für die vielen im Laufe von Jahrzehnten gesammelten und oft teuren Möbelstücke.

Wichtig ist: Wenn Sie kündigen, muss die Kündigung am Samstag da sein. Damit Sie nicht über Fristwahrung streiten müssen, schauen Sie also in den Vertrag, ob Schriftform (Brief, Fax) oder Textform (Mail reicht) erforderlich ist. Der Brief sollte per Einschreiben eingehen.

Haftpflicht, Rente, Zahnersatz

Vor allem die Haftpflichtversicherung sollten Sie sich gründlich vornehmen. Die meisten Anbieter haben bei neuen Angeboten die Versicherungssummen erhöht und die Bedingungen in den vergangenen Jahren modernisiert, oft zum Vorteil neuer Kunden. Ein Wechsel kann sich lohnen, zumal auch gute neue Verträge nicht teuer sind. Für 70 Euro können Singles schon einen guten Vertrag abschließen. Und selbst ein Premiumvertrag für Familien ist in jedem Fall für 130 Euro zu haben.

Bei der Hausratpolice geht es im Vergleich dazu oft um die Kosten. Teure Verträge kosten leicht das Doppelte wie preiswerte. In Köln, einem besonders teuren Pflaster für die Hausratversicherung, kann die viel zu teure Police auch schon mal 600 Euro kosten, anderswo kommt man mit gut 100 Euro aus. Außerdem sollten Sie prüfen, ob der Versicherungsumfang noch stimmt. Die banalste Frage ist dabei, ob Sie irgendwann umgezogen sind und jetzt in einer größeren Wohnung leben. Haben Sie womöglich teure Möbel, Kunst oder Schmuck angeschafft? Stimmt Ihre Wertermittlungstabelle noch?

Und wo haben Sie die Liste eigentlich abgelegt. In der Cloud? Ist das neue teure Fahrrad mitversichert? Vielleicht hat der Keller wegen eines Starkregens unter Wasser gestanden und Sie denken über eine Elementarschadenversicherung nach. Vergleichen lohnt.

Zum Autor

Tenhagen hat zuvor als Chefredakteur 15 Jahre lang die Zeitschrift "Finanztest" geführt. Nach seinem Studium der Politik und Volkswirtschaft begann er seine journalistische Karriere bei der "Tageszeitung". Dort ist er heute ehrenamtlicher Aufsichtsrat der Genossenschaft. Bei SPIEGEL ONLINE schreibt Tenhagen wöchentlich über den richtigen Umgang mit dem eigenen Geld.

Das gilt auch für die Wohngebäudeversicherung. Für die 20 Millionen Verträge in der Sparte müssen Haus- und Wohnungsbesitzer Jahr für Jahr viel Geld ausgeben, und die Preisunterschiede sind gewaltig. Fast sieben Milliarden Euro an Prämien wurden hier 2016 gezahlt. Andererseits ist die Wohngebäudeversicherung unverzichtbar. Falls das Haus vom Sturm abgedeckt wird oder einem Brand zum Opfer fällt, kann das für Eigentümer ohne Police den Ruin bedeuten. Und falls noch ein Kredit für das Haus abbezahlt werden muss, verlangt auch die Bank einen solchen Schutz.

Ein bisschen Aufwand kostet auch der Wechsel der Rechtsschutzversicherung. Dort kommt es immer wieder vor, dass den Versicherern bestimmte Streitigkeiten zu teuer werden und in neueren Verträgen dann plötzlich vom Schutz ausgeschlossen werden. In den vergangenen Jahren waren das Streitigkeiten um Kapitalanlagen oder um die fehlerhaften Widerrufsbelehrungen bei Lebensversicherungen. Meine Kollegin bei "Finanztip" sagt dann immer: Schau in den Paragrafen 3 der Versicherungsbedingungen. Dort steht, was der Versicherer ausgeschlossen hat.

Wenn Sie jetzt alles zusammenrechnen, werden Sie schnell 100 bis 300 Euro pro Jahr gespart haben - und können sich wahrscheinlich über mehr Versicherungsschutz freuen.

insgesamt 5 Beiträge
dr_jonathan_hager 23.09.2017
1. Berufsunfähigkeitsversicherung
Warum sollte man denn lieber eine Hausratversicherung als eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben?
Warum sollte man denn lieber eine Hausratversicherung als eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben?
bettina_krause 23.09.2017
2. Eingang der Kündigung
Die Kündigung sollte besser nicht erst am nächsten Samstag beim Versicherer eingehen. Samstage sind zwar Werktage, aber dann ist niemand in den Büros tätig, der einen Eingangsstempel draufdrücken kann, sondern erst am [...]
Die Kündigung sollte besser nicht erst am nächsten Samstag beim Versicherer eingehen. Samstage sind zwar Werktage, aber dann ist niemand in den Büros tätig, der einen Eingangsstempel draufdrücken kann, sondern erst am folgenden Montag oder Dienstag. Wie will man also das EINGANGSDATUM - und nur dieses ist relevant - nachweisen? Auf der sicheren Seite ist man zumeist mit einem original unterschriebenen Brief als Scan-pdf-Anhang. Beweist zuverlässig das Eingangsdatum und spart zudem Kosten und Wege.
Flari 23.09.2017
3.
Seit wann ist ein Unternehmen verpflichtet, eine Kündigung per Mail (mit oder ohne Anhang) anzuerkennen, wenn es deren AGB widerspricht?
Zitat von bettina_krauseDie Kündigung sollte besser nicht erst am nächsten Samstag beim Versicherer eingehen. Samstage sind zwar Werktage, aber dann ist niemand in den Büros tätig, der einen Eingangsstempel draufdrücken kann, sondern erst am folgenden Montag oder Dienstag. Wie will man also das EINGANGSDATUM - und nur dieses ist relevant - nachweisen? Auf der sicheren Seite ist man zumeist mit einem original unterschriebenen Brief als Scan-pdf-Anhang. Beweist zuverlässig das Eingangsdatum und spart zudem Kosten und Wege.
Seit wann ist ein Unternehmen verpflichtet, eine Kündigung per Mail (mit oder ohne Anhang) anzuerkennen, wenn es deren AGB widerspricht?
bettina_krause 23.09.2017
4. Seitdem
die Bundesregierung dies im letzten Jahr beschlossen hat. Bundesrecht bricht AGBs.
Zitat von FlariSeit wann ist ein Unternehmen verpflichtet, eine Kündigung per Mail (mit oder ohne Anhang) anzuerkennen, wenn es deren AGB widerspricht?
die Bundesregierung dies im letzten Jahr beschlossen hat. Bundesrecht bricht AGBs.
Flari 23.09.2017
5. Sie müssen schon auf die Feinheiten achten...
Zitate: "*Ab dem 1. Oktober 2016 abgeschlossene Verträge* mit Mobilfunkanbietern, Stromversorgern und vielen anderen Unternehmen können Sie nun unter anderem per E-Mail kündigen.. ... Die neue Rechtslage gilt für [...]
Zitat von bettina_krausedie Bundesregierung dies im letzten Jahr beschlossen hat. Bundesrecht bricht AGBs.
Zitate: "*Ab dem 1. Oktober 2016 abgeschlossene Verträge* mit Mobilfunkanbietern, Stromversorgern und vielen anderen Unternehmen können Sie nun unter anderem per E-Mail kündigen.. ... Die neue Rechtslage gilt für *nach dem 30. September 2016 neu abgeschlossene* Verträge. ...Sie müssen bei einer Kündigung *im Streitfall beweisen können*, dass sie zugegangen ist. ... Für E-Mails können Sie bei mancher Software zwar eine Empfangs- oder Lesebestätigung anfordern. Ob Ihr Gegenüber sie allerdings abschickt oder eine solche Bestätigung vor Gericht überhaupt hilft, ist unklar." https://www.verbraucherzentrale.de/vertrag-per-e-mail-kuendigen

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