08.03.2012
Lebensmittel
Foodwatch kritisiert Etikettenschwindel bei Light-Produkten
Berlin - Die Verbraucherorganisation Foodwatch knöpft sich den Discounter Netto vor: Die Edeka-Tochter verkaufte gestrecktes Hackfleisch mithilfe irreführender Werbeaussagen zu überhöhten Preisen. Unter der Eigenmarke Viva Vital biete die Kette "eine Pampe aus Wasser, Weizeneiweiß und Mehl" mit dem Hinweis "30 Prozent weniger Fett" an, teilte Foodwatch mit.
Tatsächlich bestehe die "Zubereitung aus Hackfleisch" aus 30 Prozent weniger Fleisch. Der Anteil werde durch gefärbtes, schnittfest gemachtes Wasser ersetzt. Zudem sei das Produkt mehr als 30 Prozent teurer als reines Hackfleisch bei Netto.
Der Discounter kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Es handele sich bei dem Produkt "um eine Fleischzubereitung und kein reines Hackfleisch", teilte das Unternehmen mit. Die Zubereitung sei für Kunden entwickelt worden, die sich ausgewogener ernähren wollten. Das Produkt biete einen geringeren Fett- und Cholesterinanteil.
Foodwatch kritisiert jedoch, bei dem Produkt werde ein Fleischanteil durch "texturiertes Weizenprotein" mit "fleischähnlicher Konsistenz" ersetzt. Rote-Beete-Saft und Paprika-Extrakt geben dem Produkt demnach eine "fleischähnliche Farbe".
Die Verbraucherorganisation wertet dies als Griff in die Trickkiste. "Nie war so wenig Fleisch im Hack, nie war schnittfestes Wasser so teuer", sagte Oliver Huizinga von Foodwatch. Es gehe offenbar "nicht um ein gesünderes Produkt, sondern ganz allein um mehr Brutto für Netto".
Auch andere Light-Produkte entpuppen sich laut den Verbraucherschützern als Etikettenschwindel. So bestehe das Nestlé-Produkt "Thomy légère leichter als Mayonnaise" zum Großteil aus Wasser - und nicht wie echte Mayonnaise hauptsächlich aus Öl und Eigelb. Nestlé weist die Vorwürfe zurück. Es handle sich um eine Salatcreme, die zwar den Geschmack und die Würzung einer Mayonnaise habe, dabei aber stark fettreduziert sei.
Unilever strecke die Halbfettmargarine "Lätta & luftig" mit Luft. Das Ergebnis: 320 Gramm der Margarine kosten so viel wie 500 Gramm normale Lätta. Unilever weist die Vorwürfe zurück und verweist darauf, dass es um zwei unterschiedliche Produkte handle, "mit unterschiedlichen Herstellungsarten".
cte/AFP


