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23.05.2012
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Twitter und Facebook entscheiden über Kinoerfolge

Ausgedruckte Tweets auf der re:publica: Entscheidung über Top oder Flop
Getty Images

Ausgedruckte Tweets auf der re:publica: Entscheidung über Top oder Flop

Kassenfüller oder Flop? Über den wirtschaftlichen Erfolg von Kinofilmen entscheiden maßgeblich Äußerungen auf Facebook oder dem Kurznachrichtendienst Twitter - aus dem Kinosessel, am Premierenabend. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Studie, über die das "Handelsblatt" berichtet.

London - Früher hieß es Mundpropaganda, heute müsste es vermutlich Smartphonepropaganda heißen: Die persönliche Empfehlung in privaten Blogs, sozialen Netzwerken oder per Twitter zählt an der Kinokasse offenbar mehr als klassisches Marketing. Das schreiben jedenfalls drei Wissenschaftler in einer Studie, über die das "Handelsblatt" berichtet und die im Internet nachzulesen ist.

Gerade die Kinobranche dürfte über die Erkenntnisse nicht glücklich sein. Früher entschied häufig das erste Wochenende nach dem Filmstart über den Kassenerfolg: Je mehr Zuschauer kamen - aufgrund von Werbung, Vorschauen und Rezensionen - desto mehr folgten in der Regel in den kommenden Wochen. Die Mundpropaganda war immer etwas langsamer. "Heute ist das anders", sagte der Münsteraner BWL-Professor Thorsten Hennig-Thurau dem "Handelsblatt". "Über Twitter und Facebook können Menschen ihre Meinung zu einem neuen Film schnell austauschen."

Direkt aus dem Kinosessel können die Zuschauer ihre Einschätzung jetzt an ihre Freunde und Follower schicken - mit durchschlagendem Erfolg. Der Studie zufolge beeinflussen die Tweets das Verhalten anderer Kinobesucher stark. Gemeinsam mit Caroline Wiertz von der Londoner Cass Business School und Fabian Feldhaus von der Uni Münster wertete Hennig-Thurau für die Untersuchung mehr als vier Millionen Tweets zu mehr als hundert Filmen aus.

Eindeutiger Effekt am ersten Tag

Die drei Wissenschaftler konzentrierten sich dabei auf das Startwochenende neuer Kinofilme in den USA: Sie untersuchten wie viele Nachrichten in den ersten 24 Stunden versendet wurden, welche Tendenz und welchen Effekt sie hatten. Gradmesser war der Anstieg oder Rückgang der Besucherzahlen am Tag nach den ersten Vorstellungen.

Das Ergebnis war eindeutig: Je positiver die Kinozuschauer den Film bei Twitter bewerteten, desto mehr Menschen kamen in den folgenden Tagen in die Kinos. Der Studie zufolge gilt dieser Effekt unabhängig von anderen Faktoren, die den Erfolg eines Films beeinflussen, wie Schauspieler, Regisseur, Budget und Marketingkampagnen.

Tweets könnten Filmbranche ins Wanken bringen

Laut "Handelsblatt" war der Film "How to train your Dragon" ein Beispiel für dieses Phänomen: Als der Film an einem Freitag anlief, war der Erfolg mit Ticketerlösen von zwölf Millionen Dollar eher lau. Nachdem aber Nutzer den Film bei Twitter euphorisch gelobt hatten, stiegen die Einnahmen an den Kinokassen am folgenden Samstag und Sonntag auf zusammen 31 Millionen Dollar.

Umgekehrt sah es dem Bericht zufolge bei "Nightmare on Elmstreet" aus, der am ersten Tag 15 Millionen Dollar einspielte, von den Besuchern aber negativ beurteilt wurde. "Daraufhin sind die Ticketerlöse regelrecht abgestürzt", so Hennig-Thurau im "Handelsblatt". An den folgenden zwei Tagen spielte er nur noch 17 Millionen Dollar ein.

Auch wenn in den USA und Großbritannien Twitter deutlich mehr genutzt wird, als in Deutschland, dürfte der Effekt nach Einschätzung von Hennig-Thurau hierzulande ähnlich groß sein - vielleicht eher über Facebook. In jedem Fall aber halten die Autoren der Studie den Einfluss von Diensten wie Facebook oder Twitter für so stark und wichtig, dass sie das klassische Geschäftsmodell von Filmproduktionsfirmen ins Wanken bringen könnten.

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
1.
lalito 23.05.2012
Aus dem Kinosessel . . .soso. . . gut, bei Empfang mag das wohl sein.
Zitat von sysopKassenfüller oder Flop? Über den wirtschaftlichen Erfolg von Kinofilmen entscheiden maßgeblich Äußerungen auf Facebook oder dem Kurznachrichtendienst Twitter - aus dem Kinosessel, am Premierenabend. Das jedenfalls ist das Ergebnis einer Studie, über die das "Handelsblatt" berichtet. Twitter und Facebook entschieden über Erfolg von Kinofilmen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,834702,00.html)
Aus dem Kinosessel . . .soso. . . gut, bei Empfang mag das wohl sein.
2. Oh Schreck ...
MrStoneStupid 23.05.2012
... das dürfte zu massiver Manipulation und Korruption führen (gekaufte Kommentare). Hoffentlich gefährdet das nicht die Meinungsfreiheit (Schadensersatzklage gegen negative Kommentare). Mögliche Lösung in der Zukunft: objektive [...]
... das dürfte zu massiver Manipulation und Korruption führen (gekaufte Kommentare). Hoffentlich gefährdet das nicht die Meinungsfreiheit (Schadensersatzklage gegen negative Kommentare). Mögliche Lösung in der Zukunft: objektive Bewertungen durch Supercomputer, die so gut sind, dass sie von allen beachtet werden, wodurch Einzelkommentare an Gewicht verlieren. (imho)
3.
tembridis 23.05.2012
Statt sich mit der Qualität der eigenen Produkte auseinanderzusetzen kommt von der Verwertungsindustrie wahrscheinlich nur die Bitte man möge diese Dienste wegen Geschäftsgefährdung abstellen.
Statt sich mit der Qualität der eigenen Produkte auseinanderzusetzen kommt von der Verwertungsindustrie wahrscheinlich nur die Bitte man möge diese Dienste wegen Geschäftsgefährdung abstellen.
4. Intressant
Nazzzgul 30.05.2012
Das Geschäftsmodell beruht also nicht darauf, nen guten Film zu produzieren sondern durch Werbung möglichst viele Leute dazu zu bringen auch für Mist zu bezahlen. Und das die Besucherzahlen (und Twitterkommentare) womöglich ebenso [...]
Das Geschäftsmodell beruht also nicht darauf, nen guten Film zu produzieren sondern durch Werbung möglichst viele Leute dazu zu bringen auch für Mist zu bezahlen. Und das die Besucherzahlen (und Twitterkommentare) womöglich ebenso wie die Besucherzahlen einfach mit Qualität zu tun haben, also beides Folgen mit einer Ursache sind, wird kategorisch ausgeschlossen. @ MrStoneStupid: Du willst einen Computer bauen der meinen Filmgeschmack trifft? Ich wünsche dir viel Erfolg.

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