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08.11.2012
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Atlas der Privat-Pleiten

Wo Deutsche in der Schuldenfalle sitzen

SPIEGEL ONLINE

Die Löhne steigen, die Arbeitslosigkeit ist gering. Dennoch hat die Zahl der Menschen zugenommen, die ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr begleichen konnten. Inzwischen betrifft dies 6,6 Millionen Erwachsene - vor allem Frauen landen immer häufiger in der Schuldenfalle.

Neuss - Einer von zehn Erwachsenen in Deutschland ist überschuldet. Die Zahl der Menschen, die ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen können, ist im Vergleich zum Jahr 2011 um rund 190.000 auf bundesweit 6,6 Millionen gestiegen, wie aus dem "Schuldneratlas 2012" hervorgeht, den die Wirtschaftsauskunftei Creditreform an diesem Donnerstag veröffentlicht hat. Das entspricht einem Anteil von 9,7 Prozent der Erwachsenen in Deutschland.

Der Anstieg der privaten Überschuldung überrascht, denn die ökonomischen Rahmenbedingungen waren in den vergangenen Monaten in Deutschland ausgesprochen gut. Die Konjunktur blieb stabil, die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor sehr niedrig, zudem steht vielen Verbrauchern durch eine Reihe kräftiger Lohnerhöhungen im Zuge der Tarifrunden in diversen Branchen grundsätzlich mehr Geld zur Verfügung.

Aufgrund der guten wirtschaftlichen Bedingungen haben daher die klassischen ökonomischen Auslöser als Hauptursache für Überschuldung an Bedeutung verloren: Arbeitslosigkeit ist zwar immer noch für mehr als ein Viertel der Überschuldungen verantwortlich, dieser Wert liegt jedoch um 15 Prozent unter dem von 2011. Gescheiterte Selbständigkeit als Hauptursache nahm sogar um ein Fünftel ab, 7,4 Prozent der Fälle sind darauf zurückzuführen.

Stark angestiegen sind hingegen die Fälle von Überschuldung, die ihre Hauptursache in privaten Schicksalsschlägen wie Trennung und Scheidung oder Krankheit haben. Am höchsten war jedoch mit 31 Prozent die Zunahme der Überschuldungen, für die unangemessene Konsumausgaben verantwortlich sind. Die Angst vor Inflation und das niedrige Zinsniveau für Sparkonten verleitet Creditreform zufolge derzeit viele Verbraucher dazu, sich aufgeschobene Konsumwünsche zu erfüllen. Doch könne dies am Ende vor allem einkommensschwache Haushalte überfordern, heißt es in der Untersuchung.

Immer mehr Ältere überschuldet

Zwar stieg der Anteil überschuldeter Personen in allen Bundesländern - dennoch bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern. Die niedrigsten Schuldnerquoten weisen weiterhin Bayern und Baden-Württemberg auf, die höchsten Überschuldungsraten gibt es in Bremen, Berlin und Sachsen-Anhalt.

Von Überschuldung sprechen Experten, wenn ein Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm weder Vermögen noch andere Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Im langjährigen Trend rufen vor allem zwei Bevölkerungsgruppen Besorgnis hervor: Frauen und Ältere. War die Überschuldung lange Zeit eine Domäne des männlichen Geschlechts, so holen die Frauen mittlerweile auf. Von 2004 bis 2012 stieg die Zahl der überschuldeten Frauen von 2,1 auf 2,4 Millionen, während gleichzeitig die Zahl der betroffenen Männer von 4,5 auf 4,2 Millionen sank. Hier spiegelten sich der Untersuchung zufolge die veränderten Lebensformen und Rollenbilder wider. Insbesondere als Alleinerziehende oder gleichberechtigte Einkommensbezieherinnen müssten Frauen immer häufiger für auflaufende Schulden geradestehen.

Bedenklich stimmt die Verfasser der Studie die starke Zunahme der Überschuldung bei Älteren. Sowohl in der Altersgruppe von 50 bis 59 Jahren als auch in der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen sei die Überschuldung zuletzt überproportional angestiegen. Dagegen ging die Schuldnerquote der jüngsten Verbrauchergruppe, der 18- bis 20-Jährigen, leicht zurück.

Wo gibt es die meisten Schuldner in Deutschland? Wie viele Junge, wie viele Alte sind betroffen? Welche Gründe gibt es für Überschuldung? Eine Übersicht in Grafiken.

fdi/dapd

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insgesamt 160 Beiträge
1.
misterbighh 08.11.2012
Die Löhne steigen? Ja ne, ist klar, ne? Die Leute gehen in die Überschuldung, weil viele keine Rücklagen bilden können, weil die Gehälter ein Witz sind. Wenn dann etwas unvorhergesehenes passiert, kann das jeden in den [...]
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDie Löhne steigen, die Arbeitslosigkeit ist gering. Dennoch hat die Zahl der Menschen zugenommen, die ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr begleichen konnten. Inzwischen betrifft dies 6,6 Millionen Erwachsene - vor allem Frauen landen immer häufiger in der Schuldenfalle. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/schuldneratlas-zeigt-wieder-anstieg-der-ueberschuldeten-in-deutschland-a-866036.html
Die Löhne steigen? Ja ne, ist klar, ne? Die Leute gehen in die Überschuldung, weil viele keine Rücklagen bilden können, weil die Gehälter ein Witz sind. Wenn dann etwas unvorhergesehenes passiert, kann das jeden in den Abgrund reißen.
2. Ursachen.
montaxx 08.11.2012
Die Tatsache,dass immer mehr Menschen in der Schuldenfalle landen,hat sicher viele Ursachen.Eine der vielen Gründe liegt m.E. auch darin,dass seit der Einführung des Privatfernsehens (von CDU/FDP seinerzeit forciert wegen des [...]
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDie Löhne steigen, die Arbeitslosigkeit ist gering. Dennoch hat die Zahl der Menschen zugenommen, die ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr begleichen konnten. Inzwischen betrifft dies 6,6 Millionen Erwachsene - vor allem Frauen landen immer häufiger in der Schuldenfalle. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/schuldneratlas-zeigt-wieder-anstieg-der-ueberschuldeten-in-deutschland-a-866036.html
Die Tatsache,dass immer mehr Menschen in der Schuldenfalle landen,hat sicher viele Ursachen.Eine der vielen Gründe liegt m.E. auch darin,dass seit der Einführung des Privatfernsehens (von CDU/FDP seinerzeit forciert wegen des angeblichen "Linkskurses" der Öffentlich-Rechtlichen;die SPD hängte sich später allerdings daran,um ja nicht medialen Einfluss zu verlieren) gerade die eher einkommensschwachen Gesellschaftsschichten,die dieses Fernsehen bevorzugt sehen,durchgängig mit Werbespots bombardiert werden.Sich dauerhaft gegen diese Flut von Heilsversprechen via Werbespot zu stemmen,fällt vielen Menschen augenscheinlich schwer.
3. Massenarbeitslosigkeit und Dumpinglöhne
xehris 08.11.2012
Wo bitte steigen die Löhne? Wo ist die Arbeitslosigkeit gering? Oder sind ca 10 Millionen Menschen ohne Job oder in Unterbeschäftigung als geringe Arbeitslosigkeit zu veranschlagen? Ist der Arbeitsmarkt o. k., wenn immer mehr [...]
Wo bitte steigen die Löhne? Wo ist die Arbeitslosigkeit gering? Oder sind ca 10 Millionen Menschen ohne Job oder in Unterbeschäftigung als geringe Arbeitslosigkeit zu veranschlagen? Ist der Arbeitsmarkt o. k., wenn immer mehr Normalsarbeitsverhältnisse in MInijobs aufgeteilt werden, weil es in Deutschland einfach viel zu viele Arbeitssuchende gibt und die Arbeitgeber deshalb ihre Bedingungen durchsetzen können?! Immer mehr Ältere landen in Hartz-IV, weil für sie kaum noch Jobchancen bestehen. Ist unter diesen Umständen eine Zunahme der Überschuldung verwunderlich?
4. Schuldenschnitt
ekel-alfred 08.11.2012
KRÄFTIGE Lohnerhöhungen in DIVERSEN Branchen. Da ist ja schon der Haken! Wie viele Arbeitnehmer arbeiten denn in den diversen Branchen mit dem großen Schluck aus der Pulle? Im Schnitt haben sicher die meisten immer [...]
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDie Löhne steigen, die Arbeitslosigkeit ist gering. Dennoch hat die Zahl der Menschen zugenommen, die ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr begleichen konnten. Inzwischen betrifft dies 6,6 Millionen Erwachsene - vor allem Frauen landen immer häufiger in der Schuldenfalle. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/schuldneratlas-zeigt-wieder-anstieg-der-ueberschuldeten-in-deutschland-a-866036.html
KRÄFTIGE Lohnerhöhungen in DIVERSEN Branchen. Da ist ja schon der Haken! Wie viele Arbeitnehmer arbeiten denn in den diversen Branchen mit dem großen Schluck aus der Pulle? Im Schnitt haben sicher die meisten immer weniger in der Börse, vor allem vor dem Hintergrund immer steigender Lebenshaltungskosten (Strom, Gas, Wasser und auch der Sprit) Da bleibt nicht mehr viel um zu sparen oder sich den einen oder anderen Luxus zu gönnen. Das wird dann auf Pump finanziert und führt zu diesen Schuldenfallen.
5.
paulroberts 08.11.2012
"Die Löhne steigen," Das war jetzt Spass, oder? Und dass die "sinkenden" Arbeitslosenzahlen ein Verdienst des Herausrechnens ist, sollte inzwischen auch bekannt sein.
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEDie Löhne steigen, die Arbeitslosigkeit ist gering. Dennoch hat die Zahl der Menschen zugenommen, die ihre Zahlungsverpflichtungen nicht mehr begleichen konnten. Inzwischen betrifft dies 6,6 Millionen Erwachsene - vor allem Frauen landen immer häufiger in der Schuldenfalle. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/schuldneratlas-zeigt-wieder-anstieg-der-ueberschuldeten-in-deutschland-a-866036.html
"Die Löhne steigen," Das war jetzt Spass, oder? Und dass die "sinkenden" Arbeitslosenzahlen ein Verdienst des Herausrechnens ist, sollte inzwischen auch bekannt sein.

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