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Wirtschaft

Niedrigzinsen

Lebensversicherungen geraten in Existenznot

Deutschlands Lebensversicherer geraten in Bedrängnis: Den Kunden müssen sie zum Teil hohe Garantiezinsen zahlen, doch ihr eigenes Geld können sie derzeit nur mit Mini-Rendite anlegen. Laut "Handelsblatt" hält das Finanzministerium jeden fünften Anbieter für gefährdet.

DPA

Euro-Münzen: Niedrige Zinsen für Staatsanleihen bedrohen Lebensversicherer

Donnerstag, 08.11.2012   11:18 Uhr

Düsseldorf - Lebensversicherer investieren in der Regel in möglichst sichere Anlagen, zum Beispiel in Staatsanleihen von Ländern mit hoher Kreditwürdigkeit. Weil deren Zinsen aber seit langem extrem niedrig liegen, könnten einige Konzerne in existenzbedrohende Schwierigkeiten geraten. In einem Papier des Bundesfinanzministeriums werde die Schieflage von Instituten nicht ausgeschlossen, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf das Protokoll einer Sitzung von Parlamentariern und Ministerialen.

Die "Bild"-Zeitung berichtet, dass immer mehr Lebensversicherer ihren Garantiezins nicht mehr in voller Höhe zahlen könnten. Erste Gesellschaften böten ihren Versicherten neue Policen mit schlechteren Konditionen zum Tausch an, wie der Bund der Versicherten bestätigt habe. Um des Problems Herr zu werden, erwögen Finanzministerium und die Finanzaufsicht BaFin, die Versicherer durch eine weitere Absenkung oder zeitweise Aussetzung des Garantiezinses zu entlasten, schreibt das "Handelsblatt" unter Berufung auf Regierungskreise.

Vor allem für "das schwächste Fünftel" der Anbieter bestehe bei einer dauerhaft niedrigen Verzinsung von Staatsanleihen ein erhebliches Risiko, zitiert das "Handelsblatt" aus dem Protokoll, das auf ein Treffen von Mitgliedern des Finanzausschusses des Bundestags mit dem Parlamentarischen Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk Ende Oktober zurückgehe. "Für diese Unternehmen reichen die vorhandenen Kapitalanlagen in dem zugrunde gelegten Szenario ab 2018 nicht mehr aus, um neben den versicherungstechnischen Rücklagen auch die Eigenmittelanforderungen zu decken."

Die Rendite der Kapitalanlage sinke schneller als die durchschnittliche Zinsverpflichtung gegenüber dem Kunden. Der Garantiezins, der für die gesamte Laufzeit des Vertrags gilt, liegt derzeit bei 1,75 Prozent, bei älteren Verträgen, die vor dem Jahr 2000 abgeschlossen wurden, bei vier Prozent.

Sichere Staatspapiere, in die die Versicherer investieren müssen, bringen jedoch mittlerweile deutlich weniger Rendite. Um sich zu entlasten, böten Versicherer jetzt Kunden, die eine Police mit hoher Garantieverzinsung oder langer Versicherungslaufzeit hätten, neue Produkte zum Umtausch an.

nck/Reuters

insgesamt 213 Beiträge
halfuzzy 08.11.2012
1. Was..
haben die Versicherer mit dem ganzen Geld gemacht, als der Garantieversicherungszins deutlich niederer war, als der am Markt zu erzielende?
haben die Versicherer mit dem ganzen Geld gemacht, als der Garantieversicherungszins deutlich niederer war, als der am Markt zu erzielende?
unkenrufer 08.11.2012
2. Bürger sind keine Banken
"...um des Problems Herr zu werden, erwögen Finanzministerium und die Finanzaufsicht BaFin, die Versicherer durch eine weitere Absenkung oder zeitweise Aussetzung des Garantiezinses zu entlasten...". Die Bürger [...]
"...um des Problems Herr zu werden, erwögen Finanzministerium und die Finanzaufsicht BaFin, die Versicherer durch eine weitere Absenkung oder zeitweise Aussetzung des Garantiezinses zu entlasten...". Die Bürger Deutschlands sind halt keine Banken für die Rettungsschirme aufgespannt werden!
bayern2004 08.11.2012
3. Lv
Die Versicherungen soll mal die stillen Reserven locker machen, hier liegt das Geld, was den Anlegern vorher abgenommen wurde.
Die Versicherungen soll mal die stillen Reserven locker machen, hier liegt das Geld, was den Anlegern vorher abgenommen wurde.
nicolo1782 08.11.2012
4. Eine Option
wäre natürlich, dass die Eigner der Versicherungen, also die Aktionäre, mal eine zeitlang auf Dividende verzichten, Schließlich haben sie sich auch in guten Zeiten am Vermögen der Versicherten bereichert. Aber so etwas ist [...]
wäre natürlich, dass die Eigner der Versicherungen, also die Aktionäre, mal eine zeitlang auf Dividende verzichten, Schließlich haben sie sich auch in guten Zeiten am Vermögen der Versicherten bereichert. Aber so etwas ist natürlich in Zeiten von shareholdervalue undenkbar. Na egal, wir haben schon die Banken gerettet, dann retten wir die Versicherungen halt auch noch.
rossdamisch 08.11.2012
5. Och nee aber auch,
Das tut mir ja leid. Nach den Banken nun auch noch die Versicherungen, Da wird sich doch bestimmt unsere Bundes-Mutti etwas einfallen lassen. Kann man doch garnicht mit ansehen. Dann fallen ja womöglich noch die [...]
Das tut mir ja leid. Nach den Banken nun auch noch die Versicherungen, Da wird sich doch bestimmt unsere Bundes-Mutti etwas einfallen lassen. Kann man doch garnicht mit ansehen. Dann fallen ja womöglich noch die Incentiv-Reisen und Events der Versicherungen weg, dann haben die dort tätigen Angestellten ja garkein Vergnügen mehr.

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