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23.12.2012
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Warteschleife

Ringlein, Ringlein, du musst wandern

Von Tom König
dapd

Lkw des Paketdienstes UPS in Berlin: "Nee, ich habe kein Wechselgeld."

Bücherlieferung von Amazon verschwunden? Zalando-Schuhpaket überfällig? Das ist ärgerlich, aber verkraftbar. Doch was tun, wenn man etwas so Wertvolles wie einen Ehering verschicken will? Die Antwort: Man lässt es am besten bleiben.

Meine Frau hat ihren Ehering verloren. Tagelang haben wir die Wohnung auf den Kopf gestellt, aber er ist und bleibt verschwunden. Unsere Ringe waren einzigartig, mit eingravierten mongolischen Schriftzeichen, ein Hamburger Goldschmied hat sie angefertigt.

Ihn rufe ich an, damit er ein Duplikat erstellt.

"Dazu brauche ich aber den verblieben Ring", sagt er. "Foto reicht nicht."

"Ich wohne jetzt aber in München", antworte ich.

"Wenn du ihn nicht vorbeibringen kannst", sagt der Goldschmied seufzend, "dann muss es wohl per Post gehen."

Er klingt unglücklich, als er das sagt. Tja, damit wären wir schon zu zweit. Wer häufig Pakete bekommt, weiß, dass auf dem Weg von A nach B eine Menge schief gehen kann: Sendungen verschwinden spurlos, werden wildfremden Kioskbesitzern zugestellt oder kommen zerlöchert an.

Der UPS-Mann hat kein Kleingeld

Normalerweise ist mir das egal. Schwund ist schließlich überall. Aber wenn der verbleibende Ring flöten ginge, wäre das eine Katastrophe. Denn zu den geschätzten 1500 Euro Materialwert kommen der kaum zu bemessende ideelle Wert - und der Umstand, dass eine Rekonstruktion des ersten Ringes bei Verlust des zweiten unmöglich wäre.

"Bloß nicht mit der Post", sagt der Goldschmied. "UPS ist ganz gut."

Als ich auf der Webseite von UPS versuche, eine Sendung in Auftrag zu geben, kommen mir erste Zweifel an dieser Aussage. Das Nutzer-Interface scheint seit dem Zusammenbruch des Neuen Markts nicht mehr modernisiert worden zu sein. Und die nächste Dependance befindet laut Online-Filialfinder angeblich in Kempten.

Nach circa 20 Minuten gelingt es mir, ein üppig versichertes Overnight-Kurierpaket für knapp 60 Euro zu ordern, das sogar abgeholt wird.

Ich warte den ganzen Tag. Gegen 17 Uhr rufe ich bei UPS an.

"Der Kurier hat vermerkt, Sie seien nicht da gewesen."

Gar nicht wahr. Ich bitte die Service-Dame, noch einmal jemanden vorbeizuschicken.

"Okay. Um was für eine Lieferung ging es denn genau, Herr König? Hier im System steht nichts mehr."

Ich merke, wie mir fröstelt. Den genauen Pakettarif weiß ich leider nicht mehr. Ich kann den Auftrag auch nirgendwo nachschauen, weil das UPS-Onlinesystem mir keine Bestätigungsmail geschickt hat. Also alles neu.

Eine Stunde später kommt ein UPS-Mann. Ich halte ihm Paket und Kreditkarte hin.

"Nee, Karte geht nicht."

"Ich hatte aber ausdrücklich mit Kartenzahlung geordert."

"Sorry, nur Bargeld."

Ich hole zwei Fuffziger und halte sie ihm hin.

"Nee, sie müssen mir das auf den Cent abgezählt geben. Ich habe kein Wechselgeld."

Kann ich nicht, und inzwischen will ich auch nicht mehr. Denn mir drängt sich der Eindruck auf, dass diese UPS-Typen vollauf damit ausgelastet sind, ihre Hosen hochzuhalten. Ob dieser Eindruck stimmt, werde ich nie erfahren, denn das Unternehmen reagierte nicht auf Bitte um Stellungnahme. Aber soviel ist sicher: Nie im Leben werde ich denen meinen kostbaren Ring aushändigen.

Die Post kann zumindest Paketannahme

Am nächsten Tag versuche ich es bei der örtlichen Postfiliale. Auch hier kann man versicherte Expresssendungen aufgeben, die nur gegen Unterschrift zugestellt werden. Dauert aber. "Das hat noch nie jemand bestellt", sagt die Schalterdame entschuldigend. Aber 15 Minuten und etwa 20 Euro später ist die Sache erledigt.

Am Tag darauf ruft mich der Goldschmied an. "Ist angekommen. Hast du das als normales Päckchen geschickt?

"Nein, per Superduper-Kurier, wieso?", frage ich.

"Lag einfach so im Flur rum. Glück gehabt."

Als der neue Ring sechs Wochen später fertig ist, teilt mir der Goldschmied mit, er schicke ein Paket los, natürlich wieder per Express-Handzustellung. Nun ist das Kuvert doppelt soviel wert wie auf dem Hinweg.

Kommt aber kein Kurier. Als ich am Mittag aus dem Haus gehe, finde ich den Umschlag mit meinen Eheringen im Flur. Irgendwie ist der DHL-Mann offenbar ins Haus gelangt, aber zum Klingeln hat es dann doch nicht gereicht. Immerhin, die Post regiert auf eine Anfrage: "Der Fehler liegt ganz offensichtlich bei dem Kurier", der hätte die Sendung gegen Unterschrift zustellen und gegebenenfalls eine Benachrichtigungskarte in den Briefkasten stecken müssen.

Wir leben in seltsamen Zeiten, denke ich mir, als ich meinen Ring anstecke. Wir können eine Mail in Sekundenbruchteilen um den ganzen Planeten jagen, in einer Stunde von Hamburg nach München fliegen und im Dezember erntefrische Mangos essen. Aber ein Paket sicher von A nach B zu befördern, das ist anscheinend ein Ding der Unmöglichkeit. Einerseits.

Andererseits lehrt uns diese Episode an das Gute im Menschen allgemein und im Nachbarn im Besonderen zu glauben. Denn trotz reichlich Gelegenheit hat immerhin niemand meine Ringe gestohlen. Für diese vorweihnachtliche Erkenntnis gebühren Post und UPS uneingeschränkter Dank.

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insgesamt 98 Beiträge
1. Dhl
spon-1170177231835 23.12.2012
Bis einschließlich 2011 war, bis auf wenige Ausnahmen, alles i.O. mit DHL Zustellungen. Seit Anfang 2012 kommt es immer wieder zu Verlusten. Es fing damit an, das Pakete ohne Einwilligung hinter dem Haus abgestellt wurden. Es [...]
Bis einschließlich 2011 war, bis auf wenige Ausnahmen, alles i.O. mit DHL Zustellungen. Seit Anfang 2012 kommt es immer wieder zu Verlusten. Es fing damit an, das Pakete ohne Einwilligung hinter dem Haus abgestellt wurden. Es erfolgte nicht mal eine Benachrichtigung im Briefkasten. Habe dem widersprochen und das klappt jetzt. Eine Sendung verschwand schon auf dem Weg zur Paketbasis. Dann wurde ein Paket laut Sendungsverfolgung an anwesende Person Dennis übergeben. Ich kenne keinen Dennis. Paket ist bis heute verschwunden. Es kommt auch gern zu Problemen, wenn ein Paket nicht in der Packstation deponiert werden kann. Regelmäßig hat man anschließend bei der Post Probleme das Paket zu finden. Das letzte Paket ist seltsamerweise auf dem Weg von der Packstation zur Post (50 m) verschwunden. Das Risiko eines Paketverlustes hat sich in 2012 laut meinen persönlichen Erfahrungen verzehnfacht. Bin mal gespannt wann DHL auf Grund der hohen Verluste die Preise anhebt.
2. Leider eher Regel als Ausnahme
isengart66 23.12.2012
Die Tatsache, dass Pakete (nicht: Päckchen) einfach irgendwo abgelegt werden, dass Zusteller einfach nicht klingeln, sondern nur eine Benachrichtigungskarte hinterlassen, Sendungen geöffnet werden oder ganz verschwinden [...]
Die Tatsache, dass Pakete (nicht: Päckchen) einfach irgendwo abgelegt werden, dass Zusteller einfach nicht klingeln, sondern nur eine Benachrichtigungskarte hinterlassen, Sendungen geöffnet werden oder ganz verschwinden (einschließlich gefälschter Unterschrift), habe ich bei DHL und Post in den letzten Jahren zu oft und regelmäßig regelmäßig erlebt. Aussagen wie "Fehler werden halt überall gemacht" oder "wenn man die Gesamtmenge der transportierten Sendungen berücksichtigt..." greifen für mich nicht mehr, vielmehr scheint es hier wirklich gravierende Fehler im System zu geben. Alleine schon die Tatsache, dass die jenigen Mitarbeiter, bei denen sich solche Fehler häufen (und durch die durchgängige elektronische Erfassung von Sendungen sollte dies feststellbar sein), hierfür offenbar nicht zur Rechenschaft gezogen werden, finde ich bedenklich. Und dennoch: Bei konkurrierenden Low-Cost-Logistikern wie Hermes & Co. ist die Fehlerquote kaum geringer und vor allem auch die Servicequalität noch deutlich niedriger. Erschreckend!
3.
larousso 23.12.2012
ich weis ja nicht wie man so ein Artikel verfassen kann ,das ist so lächerlich . UPS ist natürlich in der Lage eine Kredit Karte zu nehmen ,die wird auf den so genannten Frachtbrief eingetragen .des weiteren wenn man ein Auftrag [...]
ich weis ja nicht wie man so ein Artikel verfassen kann ,das ist so lächerlich . UPS ist natürlich in der Lage eine Kredit Karte zu nehmen ,die wird auf den so genannten Frachtbrief eingetragen .des weiteren wenn man ein Auftrag erteilt bekommt man eine Auftrags Nummer .wechselgeld haben die Fahrer auch immer bei sind sie zu verpflichtet . man sollte seine recherechen doch besser machen aber nicht so ein mangelhaften Bericht erstellen .der nicht der Wahrheit entspricht .ausserdem gibt es auch Pakete bei UPS die nur mit Unterschrift angenommen werden. ich bitte doch das man in Zukunft besser arbeitet ,aber nicht sowas.
4. So weit sind wir schon:
SpieFo 23.12.2012
Ein Verlust einer Lieferung ist "verkraftbar". Man bedankt sich, daß "...immerhin nichts gestohlen wurde". Ein weiterer Beleg des Werteverfalls in unserer Gesellschaft. Die Temperatur des Topfes, in [...]
Zitat von sysopBücherlieferung von Amazon verschwunden? Zalando-Schuhpaket überfällig? Das ist ärgerlich, aber verkraftbar. Doch was tun, wenn man etwas so Wertvolles wie einen Ehering verschicken will? Die Antwort: Man lässt es am besten bleiben. Kurierdienste: Probleme beim Paket versenden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/kurierdienste-probleme-beim-paket-versenden-a-872978.html)
Ein Verlust einer Lieferung ist "verkraftbar". Man bedankt sich, daß "...immerhin nichts gestohlen wurde". Ein weiterer Beleg des Werteverfalls in unserer Gesellschaft. Die Temperatur des Topfes, in dem der Frosch schwimmt, ist soeben um ein weiteres Grad erhöht worden.
5. Glück gehabt - wirklich Glück !
Jonny_C 23.12.2012
Niemals (!) wirklich NIE würde ich noch etwas wertvolles, oder ein Original mit der Post, DHL, UPS, Hermes oder einem anderen "Dienstleister" verschicken. Die Wahrscheinlichkeit das Sachen nicht ankommen steigt von [...]
Zitat von sysopBücherlieferung von Amazon verschwunden? Zalando-Schuhpaket überfällig? Das ist ärgerlich, aber verkraftbar. Doch was tun, wenn man etwas so Wertvolles wie einen Ehering verschicken will? Die Antwort: Man lässt es am besten bleiben. Kurierdienste: Probleme beim Paket versenden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/kurierdienste-probleme-beim-paket-versenden-a-872978.html)
Niemals (!) wirklich NIE würde ich noch etwas wertvolles, oder ein Original mit der Post, DHL, UPS, Hermes oder einem anderen "Dienstleister" verschicken. Die Wahrscheinlichkeit das Sachen nicht ankommen steigt von Jahr zu Jahr. Vielleicht wegen der Hungerlöhne der Paketdienstmitarbeiter, vielleicht wegen der allgemeinen Missachtung von Eigentum, ich weiss es nicht ? Aber was bei mir in den letzten 3 Jahren "alles nicht" angekommen ist, einfach unglaublich, ob als Einschreiben, mit Rückantwort, oder als Wertpaket. Wir rekrutieren jetzt (auch für wichtige Ersatzteile) ein paar Kleinstunternehmen, die persönlich die Sachen abholen und/oder abliefern deutschlandweit, auch für das umliegende Ausland. Nach Übersee wird nichts mehr geliefert. Wir kennen die Fahrer persönlich ! Kostet ein "schweine Geld", ist aber zu 99,9% sicher.

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