Lade Daten...
29.01.2013
Schrift:
-
+

Online-Auktionshaus

Ebay-Verkäufer haften für Produktangaben

DPA

Ebay: BGH verschärft Haftung von Verkäufern

So leicht können sich Ebay-Verkäufer nicht aus der Affäre ziehen: Wer etwas beim Internet-Auktionshaus verkauft, muss für Eigenschaften haften, die er der Ware zuschreibt. Das hat der BGH entschieden. In dem Fall ging es um ein "schönes Wanderboot", das sich als nicht seetüchtig herausstellte.

Karlsruhe - Wer etwas bei Ebay verkauft, ist durch den Zusatz "keine Gewährleistung" nicht von jeglicher Haftung befreit. Das geht aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) hervor. Wenn demnach eine Verkaufsanzeige einen Artikel als gebrauchsfähig beschreibt, gilt diese Eigenschaft als zugesichert.

In dem Fall ging es um ein Motorboot, das in Berlin für 2500 Euro über Ebay den Besitzer wechselte. Das Holzboot war jedoch von einem Pilz befallen und nicht mehr seetüchtig, was ein vom Käufer in Auftrag gegebenes Gutachten eindeutig belegte. Die Reparaturkosten wurden mit 15.000 Euro veranschlagt.

Zwar berief sich der Verkäufer darauf, Gewährleistungsansprüche ausgeschlossen zu haben. Doch blieb er damit vor Gericht ohne Erfolg. Denn in der Anzeige wurde das Motorboot als "schönes Wanderboot" für "längere Entdeckungstouren" angepriesen.

Sowohl das zunächst zuständige Landgericht Berlin als auch der BGH sahen in der Beschreibung die Zusicherung, dass das Boot seetauglich sei. Der Voreigentümer haftet nun für die Beseitigung des Pilzbefalls.

Verkäufer muss Schaden begutachten können

Allerdings hatten die Käufer nach Ansicht des BGH einen Formfehler gemacht. Sie verlangten sofort die Rückabwicklung des Kaufvertrags, ohne dem Verkäufer Gelegenheit zu geben, das Boot selbst vor Ort zu besichtigen. Vor Ort bedeutet in der Regel, dass die Besichtigung am Wohnort des Verkäufers stattfinden muss.

Diese Gelegenheit musste dem Verkäufer eingeräumt werden. Sollte die Beseitigung des Pilzbefalls unmöglich oder unverhältnismäßig teuer sein, könnte der Verkäufer die Mängelbeseitigung ablehnen. Dann müsste er allerdings das Boot zurücknehmen und den Kaufpreis erstatten.

Der Fall wurde vom BGH an das Landgericht Berlin zurückverwiesen. Es soll unter anderem entscheiden, ob der Mangel an dem Boot vollständig behoben werden kann.

cte/dapd

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
1. Verstehe ich nicht...
bigkahoona 29.01.2013
Das Boot wurde doch eindeutig als "schönes Wanderboot" beschrieben. Der Pilzbefall dürfte doch kaum dabei stören, wenn man es auf dem Buckel durch, beispielsweise, die Alpen trägt... ;-)
Das Boot wurde doch eindeutig als "schönes Wanderboot" beschrieben. Der Pilzbefall dürfte doch kaum dabei stören, wenn man es auf dem Buckel durch, beispielsweise, die Alpen trägt... ;-)
2. Käufer werden einseitig bevorzugt
Fangio 29.01.2013
Wer als Privatperson verkauft denn noch bei eBay? Doch wohl nur Leute die den Schuss nicht gehört haben. Dazu kommen inzwischen nahezu 15% Gebühren: Einstellen, Zusatzoptionen, Verkaufsprovision, Paypal. Ausweichen auf [...]
Zitat von sysopDPASo leicht können sich Ebay-Verkäufer nicht aus der Affäre ziehen: Wer etwas beim Internet-Auktionshaus verkauft, muss für Eigenschaften haften, die er der Ware zuschreibt. Das hat der BGH entschieden. In dem Fall ging es um ein "schönes Wanderboot", das sich als nicht seetauglich herausstellte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/bgh-ebay-verkaeufer-haften-fuer-produkteigenschaften-a-880316.html
Wer als Privatperson verkauft denn noch bei eBay? Doch wohl nur Leute die den Schuss nicht gehört haben. Dazu kommen inzwischen nahezu 15% Gebühren: Einstellen, Zusatzoptionen, Verkaufsprovision, Paypal. Ausweichen auf andere Plattformen ist ja kein Problem. Die fetten Jahre in Dreilinden sind bald vorbei.
3.
Snoozel 29.01.2013
Und wo erreicht man sonst eine so große Käufergruppe? Amazon? Das sind die Gebühren doppelt so hoch. eBay Kleinanzeigen? Sind recht unbekannt, eingestellte Artikel finden kaum einen Käufer. Und die meisten trauen diesem [...]
Zitat von FangioWer als Privatperson verkauft denn noch bei eBay? Doch wohl nur Leute die den Schuss nicht gehört haben. Dazu kommen inzwischen nahezu 15% Gebühren: Einstellen, Zusatzoptionen, Verkaufsprovision, Paypal. Ausweichen auf andere Plattformen ist ja kein Problem. Die fetten Jahre in Dreilinden sind bald vorbei.
Und wo erreicht man sonst eine so große Käufergruppe? Amazon? Das sind die Gebühren doppelt so hoch. eBay Kleinanzeigen? Sind recht unbekannt, eingestellte Artikel finden kaum einen Käufer. Und die meisten trauen diesem System nicht weil es keinerlei Sicherheiten gibt.
4. Betrüger haben freie Fahrt bei EBAY
mischpot 29.01.2013
so oft Ware gekauft die nicht mit den Angaben übereingestimmt hat. Dann reklamiert, EBAY hat sich immer rausgehalten, nach dem Kim Schmitz Motto, wir stellen ja nur die Plattform zu verfügung. Scheißladen.
so oft Ware gekauft die nicht mit den Angaben übereingestimmt hat. Dann reklamiert, EBAY hat sich immer rausgehalten, nach dem Kim Schmitz Motto, wir stellen ja nur die Plattform zu verfügung. Scheißladen.
5. ein powerseller: na endlich!
peterpullin 29.01.2013
langsam kommen auch unsere verschlafenen richter wieder auf kurs! was im internet abgeht ist haarsträubend. wenn, z.b. , die konkurenz mal wieder bei den brillanten um ein paar zehntel karat falsch misst - oder defekte stücke [...]
langsam kommen auch unsere verschlafenen richter wieder auf kurs! was im internet abgeht ist haarsträubend. wenn, z.b. , die konkurenz mal wieder bei den brillanten um ein paar zehntel karat falsch misst - oder defekte stücke als neuwertig angeboten werden: bisher ist das für käufer immer ganz, ganz schwer da sauber rauszukommen. mit diesem urteil wird manches leichter: gibt es vergleichbare stücke mit korrekten angaben ist der betrug leicht nachzuweisen und der verkäufer sthet gerade. sind es einzelstücke ist die beweislast nun wieder sauber verteilt. denn bisher liegt die last beim käufer. also ein segen für ehrliche anbieter im internet. egal ob privat oder gewerblich. und bitte nicht mit dem unsinnigen ebay/paypal system verwechseln. der käufer hat dort immer recht, recht hin oder her. ob die entscheidungen von paypal/ebay dann vor gericht standhalten würden sei dahingestellt.

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter RSS
alles zum Thema Ebay
RSS
Rubriken

© SPIEGEL ONLINE 2014 Alle Rechte vorbehalten