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Wirtschaft

Mehr als 80 Cent

Bundesregierung will Post noch stärkere Portoerhöhung ermöglichen

Die Deutsche Post will das Briefporto von derzeit 70 auf mehr als 80 Cent erhöhen - und bekommt Hilfe aus dem Wirtschaftsministerium. "Völlig unangemessen", kritisieren Verbraucherverbände.

DPA

Briefmarken für Standardbriefe (Symbolbild)

Montag, 11.02.2019   16:15 Uhr

Briefe zu verschicken wird vermutlich ab diesem Sommer noch teurer als ursprünglich erwartet: Das Bundeswirtschaftsministerium will eine Verordnung ändern, auf deren Basis die Deutsche Post Chart zeigen das Briefporto deutlich stärker anheben könnte. Eine entsprechende Gesetzesänderung sei auf den Weg gebracht worden, sagte ein Ministeriumssprecher und bestätigte damit einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ").

Laut Insidern aus der Branche könnte das Porto aufgrund der neuen Verordnung von aktuell 70 Cent auf 85 bis 90 Cent steigen. Das Wirtschaftsministerium rechnet allerdings nicht damit, dass die Post diese Preisspanne voll ausreizt. "Wir gehen nicht davon aus, dass das Porto für einen Standardbrief sich in diesem Jahr auf 90 Cent erhöhen wird", sagte der Sprecher. Bei der bislang letzten Preiserhöhung Anfang 2016 war das Porto um acht Cent auf 70 Cent gestiegen.

Durch die neue Verordnung wird das Porto allerdings auch später als ursprünglich geplant erhöht - statt im April voraussichtlich erst im Juli. Denn zuerst muss die Bundesnetzagentur über einen neuen Preisrahmen entscheiden, nachdem die Verordnung in Kraft getreten sein wird. Danach beantragt die Post unter anderem das Porto für den Standardbrief, was wiederum erneut die Netzagentur noch freigeben soll.

Post wird höhere Marge zugestanden

Die Bundesnetzagentur, die dem Wirtschaftsministerium untersteht, muss Portoerhöhungen deshalb zustimmen, weil die Post hier eine marktbeherrschende Stellung einnimmt. Für die Ermittlung eines angemessenen Preises zieht die Agentur einen Vergleich zu anderen europäischen Postgesellschaften heran - an deren Profitabilität orientiert sich dann auch die Umsatzrendite, die die Deutsche Post im Briefgeschäft einfahren darf.

Auf dieser Grundlage hatte die Netzagentur der Post Mitte Januar einen eher geringen Erhöhungsspielraum von 4,8 Prozent für alle regulierten Produkte zusammen zugestanden. Damit hätte der Standardbrief wohl maximal auf 80 Cent steigen können und die anderen Briefsorten hätten etwa gleich teuer bleiben müssen. Der Post war das zu wenig. Mit Rücksicht auf schwindende Briefmengen, steigende Kosten und die Verpflichtung, Briefe flächendeckend jeden Werktag in ganz Deutschland zustellen zu müssen, gesteht nun das Wirtschaftsministerium der Post eine höhere Umsatzrendite zu.

Künftig sollen laut der neuen Verordnung nicht mehr alle anderen europäischen Postunternehmen bei der Bestimmung des Gewinnsatzes berücksichtigt werden - sondern nur noch solche, "die in struktureller Hinsicht mit dem regulierten Unternehmen vergleichbar sind", erklärte das Ministerium.

Verbraucherverbände halten Erhöhung für "völlig unangemessen"

Damit soll verhindert werden, dass auch reine Staatsunternehmen für den Vergleich herangezogen werden, die gar keine Gewinne erzielen sollen oder sich nicht am Kapitalmarkt finanzieren und somit auch keine entsprechenden Risiken tragen müssen. Denn die Einbeziehung solcher Unternehmen in den Vergleichsmaßstab zur Bestimmung der Gewinnmarge führe zu "Verzerrungen", argumentiert das Ministerium. Der Entwurf der Verordnung wird nun unter den Ressorts der Bundesregierung abgestimmt.

Verbraucherverbände üben Kritik an der geplanten Portoerhöhung. Klaus Gettwart vom Deutschen Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation sagte, diese sei "völlig unangemessen", zumal die Qualität der Briefzustellung abnehme und es mehr Beschwerden gebe.

Im Vergleich ist das Porto in Deutschland eher günstig. Kostet ein Standardbrief hierzulande 70 Cent, sind es laut Post im europäischen Mittel 94 Cent. Negativ-Spitzenreiter ist Dänemark mit umgerechnet 3,88 Euro, am billigsten ist es auf Malta mit 26 Cent. Auch in den Flächenstaaten Frankreich (1,02 Euro) und Italien (2,80 Euro) kostet ein Standardbrief mehr als in Deutschland.

kko/AFP/Reuters

insgesamt 54 Beiträge
Pfaffenwinkel 11.02.2019
1. Alle Jahre wieder
eine neue Portoerhöhung. Jetzt schaffe ich mir Brieftauben an.
eine neue Portoerhöhung. Jetzt schaffe ich mir Brieftauben an.
krautrockfreak 11.02.2019
2. Gerne das Porto erhöhen, wenn dann das Personal was davon abkriegt!
Und vielleicht finden dann auch wieder mehr gut gebildete Menschen den Job attraktiv bei der Post. Zur Zeit sieht es da nämlich nicht gut aus....
Und vielleicht finden dann auch wieder mehr gut gebildete Menschen den Job attraktiv bei der Post. Zur Zeit sieht es da nämlich nicht gut aus....
Michael Kn 11.02.2019
3. Die Preise werden ehe bald erheblich steigen müssen
Schließlich müssen immer mehr Kommunen von Firmen Rechnungen von Firmen auf elektronsiche Wege annehmen. Sicherlich werden die Firmen dann auch vermehrt diesen Trend folgen. Dann fällt schon ein erheblicher Portoblock (Versand [...]
Schließlich müssen immer mehr Kommunen von Firmen Rechnungen von Firmen auf elektronsiche Wege annehmen. Sicherlich werden die Firmen dann auch vermehrt diesen Trend folgen. Dann fällt schon ein erheblicher Portoblock (Versand von Rechnungen) weg. Werden dann noch die Bürger wieder angehalten DE-Mail zu nutzen, erfolgt die Zustellungen von Bescheiden etc. ebenfalls über diesen Weg. Der Briefversand im "gewerblichen" bzw. "gewerblich zu privaten" Umfeld wird senken. Die Kosten sind auf weniger Briefsendungen umzulegen. Wo keine Versandzentren und Logistik zur Kostensenkung abgebaut werden kann, bleibt nur die Umlage der Kosten auf nun weniger Briefsendungen. Das mag nun noch nicht morgen der Fall sein, in der Perspektive 5-10 Jahre wird es sich deutlich verschieben. Und wenn wir ehrlich sind, können wir auch dieses Papier und die Transportemissionen getrost einsparen. Müssen nur noch Firmen die Kündigung ihrer Kunden auch per signierte E-Mail akzeptieren. Aber da wird wohl auch erst weiterer Regulierungszwang ausgelöst werden müssen.
hajueberlin 11.02.2019
4. Aha
Das Porto soll also umgerechnet zukünftig 1,56 DM oder sogar 1,76 DM kosten. Ob die Löhne wohl auch so gestiegen sind? Oder nur die Bezahlungen für die Vorstände? Beschiss wo man hinguckt. Und alle lassen sich alles gefallen. [...]
Das Porto soll also umgerechnet zukünftig 1,56 DM oder sogar 1,76 DM kosten. Ob die Löhne wohl auch so gestiegen sind? Oder nur die Bezahlungen für die Vorstände? Beschiss wo man hinguckt. Und alle lassen sich alles gefallen. Na ja. Fast alle. Dieses Land hat meiner Meinung nach keine Zukunft.
toll_er 11.02.2019
5. Strategie
Die Strategie ist doch klar. Portoerhöhung, weil immer mehr Menschen auf Briefe verzichten, und wenn das noch teurer wird, schreibt oder schickt nur noch Oma und Opa Briefe, das lohnt sich dann noch weniger , und die Briefpost [...]
Die Strategie ist doch klar. Portoerhöhung, weil immer mehr Menschen auf Briefe verzichten, und wenn das noch teurer wird, schreibt oder schickt nur noch Oma und Opa Briefe, das lohnt sich dann noch weniger , und die Briefpost wird eingestampft.

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Der Konzern
Die Deutsche Post ist mit einem Umsatz von 55,5 Milliarden Euro und mehr als 424.000 Mitarbeitern einer der größten Konzerne der Republik. Das Unternehmen wurde in den neunziger Jahren privatisiert und ging 2000 an die Börse.
Die Geschäftsfelder
Der langjährige Post-Chef Klaus Zumwinkel baute die Deutsche Post durch zahlreiche Zukäufe zum größten Logistik- und Postunternehmen der Welt aus. Zu den wichtigsten Konzernbereichen gehören außer dem deutschen Briefnetz das Express-Geschäft (unter anderem Paket- und Kuriersendungen) und das globale Logistikgeschäft per Schiene, Straße, Luft und See.
Der Chef
Frank Appel ist seit 2008 Vorstandschef der Deutschen Post und damit Nachfolger des in Folge einer Steueraffäre zurückgetretenen Klaus Zumwinkel. Nach dem Studium arbeitete Appel mehrere Jahre bei der Unternehmensberatung McKinsey, bevor er 2000 in den Bonner Post-Tower wechselte.

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