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Wirtschaft

Palmöl-Quiz

Was wissen Sie über das billige Fett?

Es steckt in Schokolade, Seife und Biosprit: An Palmöl führt kaum ein Weg vorbei. Warum ist es so beliebt? Und gibt es Alternativen? Testen Sie Ihr Wissen!

AP

Palmölplantage in Guatemala

Von Isabella Reichert
Samstag, 06.01.2018   15:32 Uhr
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Der weltweite Verbrauch von Palmöl hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als vervierfacht, allein Deutschland braucht pro Jahr 1,82 Millionen Tonnen für Nahrungsmittel, Kosmetika und die Energieerzeugung.

Seinen Siegeszug verdankt das Palmöl vor allem dem niedrigen Preis. Die Ölpalme liefert durch ihre ertragreichen Früchte rund fünfmal mehr Ausbeute als Raps, Sonnenblumen oder Soja. Zudem hat Palmöl Eigenschaften, die in manchen Produkten vorteilhaft wirken: Es ist bei Raumtemperatur fest und oxidiert nicht. Schokolade etwa wird durch Palmöl besser haltbar und erhält eine cremige Konsistenz.

Zudem ist die Fettsäurezusammensetzung von Palmöl besonders vorteilhaft für die industrielle Verwendung in Reinigungsmitteln, Kosmetika und Chemieprodukten. Andere Pflanzenöle müssten dafür erst aufbereitet werden, was teuer ist und viel Energie verbraucht.

Doch das billige Fett hat Nebenwirkungen: Der Anbau hinterlässt verheerende Umweltschäden. Allein in Südostasien wurden in den vergangenen 20 Jahren rund vier Millionen Hektar Regenwald für neue Plantagen zerstört. Bedrohte Tierarten wie der Orang Utan oder der Elefant sterben dabei oder verlieren anschließend ihren Lebensraum. Zudem setzt der freigelegte Tropenboden große Mengen CO2 frei.

Gibt es Lösungen? In vielen Produkten könnte das Palmöl durch heimische Öle ersetzte werden. Deren Anbau würde zwar auch neue Flächen in Anspruch nehmen - dabei jedoch weniger Natur zerstören, als es im Regenwald der Fall ist. Zudem ließe sich insbesondere Raps in bestehende Anbauzyklen integrieren.

Wird Deutschland also zum Rapsfeld?

Vorerst bleiben solche Rechnungen jedoch hypothetisch - denn Palmöl ist unschlagbar günstig. Zudem kann es aufgrund seiner besonders guten Hitzebeständigkeit nur in der Hälfte der Anwendungen überhaupt ersetzt werden.

Möglich wäre eine Substitution durch andere Öle beispielsweise in Margarine - für die mit 185.000 mit am meisten Palmöl verbraucht wird. Hier wird vor allem aus Kostengründen an Raps-, Sonnenblumen- oder Olivenöl gespart. Ebenso ist in Brot, Backwaren, Chips und Eiscreme die Umstellung auf heimische Fette technisch möglich.

Das meiste Palmöl fließt in Deutschland allerdings sowieso nicht in Lebensmittel, sondern wird für die Anreicherung von Diesel verwendet. "Rund 50 Prozent des derzeitigen Palmölverbrauchs in Deutschland ließen sich einsparen, wenn wir auf Palmöl als Biokraftkraftstoff verzichten und Lebensmittel bewusster konsumieren würden", sagt WWF dazu.

insgesamt 19 Beiträge
betonklotz 06.01.2018
1. Wird da absichtlich was falsch gemacht?
Bio-Sprit ist so eine dieser Sachen, bei denen mich dieser Verdacht beschleicht. Die Bilanz ist eindeutig: Über die Hälfte der durch Photosynthese gewonnenen Energie stecken die Pflanzen in die Produktion von Zellulose. Wer also [...]
Bio-Sprit ist so eine dieser Sachen, bei denen mich dieser Verdacht beschleicht. Die Bilanz ist eindeutig: Über die Hälfte der durch Photosynthese gewonnenen Energie stecken die Pflanzen in die Produktion von Zellulose. Wer also diese Quelle anzapfen will, muss genau da ansetzen. In Skandinavien wird soviel ich weiss in diese Richtung geforscht. Palmöl hat als "Bio" sprit auf jeden Fall keine Zukunft.
fogelschtraus 06.01.2018
2. Toxikologie?
Toxikologen sind sich vor allem darüber einig, dass Palmöl für den menschlichen Körper äußerst schädlich ist. Über Grenzwerte wollen die Gelehrten gar nicht erst verhandeln. Das und die Info, wo ansonsten sehr viel Palmöl [...]
Toxikologen sind sich vor allem darüber einig, dass Palmöl für den menschlichen Körper äußerst schädlich ist. Über Grenzwerte wollen die Gelehrten gar nicht erst verhandeln. Das und die Info, wo ansonsten sehr viel Palmöl abfällt, ist am Spiegel wohl versehentlich vorbeigegangen, gell.
joG 06.01.2018
3. Palmöl ist ein sehr gutes Produkt...
...wenn man es nicht durch die Kosten nachhaltigen Anbaus überteuert. Dann istves nicht kinkurrenzfähig und die Jobs lohnen nicht. Da braucht es andere Industrien.
...wenn man es nicht durch die Kosten nachhaltigen Anbaus überteuert. Dann istves nicht kinkurrenzfähig und die Jobs lohnen nicht. Da braucht es andere Industrien.
GoaSkin 06.01.2018
4. ja, ja, den Verbraucher verantwortlich machen
Es ist wirklich nicht so, wie es immer wieder behauptet wird, dass der Verbraucher die Konsummittel-Industrie dazu nötigt, immer billiger zu produzieren und dafür Umweltzerstörung und Ausbeutung in Kauf nimmt. Die [...]
Es ist wirklich nicht so, wie es immer wieder behauptet wird, dass der Verbraucher die Konsummittel-Industrie dazu nötigt, immer billiger zu produzieren und dafür Umweltzerstörung und Ausbeutung in Kauf nimmt. Die Lebensmittel-Hersteller bieten eher aus vollkommen eigenem Antrieb Lebensmittel zu Billig-Preisen an, nach denen im Grunde genommen überhaupt niemand gefragt hat. Der Verbraucher kauft vor allem deshalb billig, weil es nur billig zu kaufen gibt und zugleich sich nicht bei jedem Produkt vor dem Kauf die Verpackung durchlesen möchte und dabei mit Hilfe des Smartphones erst einmal eine Wissenschaft daraus machen. Und wer denkt schon darüber nach, dass unökologisches Palmöl bei Produkten verwendet werden könnte, in denen Palmöl im Grunde genommen überhaupt nichts verloren hat? Dass für Alles außer billig kein Markt da sei, ist hingegen Ausrede und Hirngespinst der Lebensmittel-Industrie zugleich. Wo natürlich noch nicht einmal ein Angebot ist, kann auch garkein Markt sein.
Fuscipes 06.01.2018
5.
Das Märchen vom Ökodiesel bekommt schon die nächste Delle, wobei man nicht so viel Palmöl beimischen müßte. Da wäre wieder die Gesetzgebung gefragt.
Das Märchen vom Ökodiesel bekommt schon die nächste Delle, wobei man nicht so viel Palmöl beimischen müßte. Da wäre wieder die Gesetzgebung gefragt.

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