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Dienstag, 13.02.2018   10:06 Uhr

Young-Money-Blog

Kneipe, Netflix, Yogaleggings - warum jeder ein Haushaltsbuch führen sollte

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Am Ende eines jeden Monats fragen sich viele von meinen Freunden, wo denn wieder das ganze Geld hin ist. Vor allem bei Studenten und Berufseinsteigern ist das Geld oft knapp, selten bleibt etwas übrig für größere Anschaffungen oder eine Urlaubsreise - von der Altersvorsorge ganz abgesehen.

Ich erzähle dann in solchen Gesprächen immer wieder, dass ich ein Haushaltsbuch führe, weil es mir hilft, meine Ausgaben im Griff zu behalten. Meine Gesprächspartner gucken mich ungläubig an. Ein Haushaltsbuch? Das sei doch was für Spießer und Pfennigfuchser.

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Die Börse fasziniert Henning Jauernig, 27 Jahre alt, seit der Kindheit. Die erste eigene Aktie kaufte er, als er 20 war, ein paar Jahre später folgten die ersten Fonds-Anteile. Seine Finanzen regelt er seitdem selbst. Immer wieder löchern ihn seine Freunde mit Finanzfragen: Wie kann ich mein Geld richtig anlegen? Welche Versicherungen brauche ich? Und wie mache ich meine Steuer? Über Antworten auf all diese Fragen schreibt er im Young-Money-Blog.

Doch dieses Klischee wird dem Haushaltsbuch nicht gerecht. Es geht nicht darum, ständig jeden Cent umzudrehen, sondern darum, einfach mal einen Überblick zu bekommen und zu erkennen, was die größten Posten sind. Wer einmal seine Zahlen kennt, kann hinterher selbst überlegen, ob er lieber mehr Geld fürs Essen ausgibt, für teure Technik oder für den Urlaub. Und woran er am liebsten spart, um Geld für später zurückzulegen. Einmal die Finanzen analysiert, kann man mit diesem Wissen entspannter im Alltag mit seinem Geld umgehen.

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Und gerade für Menschen, die sich ständig darüber wundern zu wenig Geld zu haben, kann ein Haushaltsbuch sehr wichtig sein. Es entlarvt überflüssige Ausgaben und kann dabei helfen, Sparpotenziale zu entdecken. Gegebenenfalls bleibt so am Ende des Monats mehr übrig. Das zu erkennen, tut jedem gut. Selbst relativ einkommensstarke Berufseinsteiger haben wegen steigender Mieten und höherer Lebenshaltungskosten das Gefühl, mit ihrem Geld nicht hinzukommen.

Die 29-jährige Berufseinsteigerin Antonia E. hat für den Young-Money-Blog einen Monat lang Buch über ihre Ein- und Ausgaben geführt. "Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich das gemacht habe und ich war wirklich erschrocken, wie viel Geld ich für unnötige Dinge ausgebe", sagt sie. Nun überlege sie, gewisse Ausgaben zu überdenken.

Privat

Berufseinsteigerin Antonia E.

Generell kommt Antonia aber sehr gut mit ihrem Geld aus. Sie verdient rund 2300 Euro netto im Monat, deutlich mehr als viele andere in ihrem Alter. Doch egal, ob man 5000 Euro verdient oder 800 - ein Haushaltsbuch zu führen, ist für jeden sinnvoll.

Antonia hat die Realschule abgeschlossen, zunächst eine Ausbildung zur Drogistin gemacht, bevor sie an einer Fachhochschule Sozialversicherung studierte. Inzwischen arbeitet sie als Sachbearbeiterin bei einer Berufsgenossenschaft und ist verbeamtet. Ihren Job hat sie auf Jahre sicher, pro Woche arbeitet sie genau 41 Stunden.

150 Euro pro Monat für neue Kleidung

"Ich bin finanziell mit meiner Situation sehr zufrieden", sagt Antonia. Sie habe einen relativ hohen Lebensstandard. In ihrer Freizeit geht sie gerne mit ihren Freunden in Restaurants oder Bars, für rund 150 Euro im Monat kauft sie neue Kleidungstücke, auch für ihr Hobby Yoga gibt sie gerne Geld aus. "Diesen Luxus gönne ich mir, solange ich noch keine familiären Verpflichtungen habe", sagt sie.

Die 29-Jährige legt jeden Monat 300 Euro zurück. Das Geld geht auf ein Tagesgeldkonto. Von dort aus zahlt sie es alle paar Monate in einen Aktienfonds ein. Künftig will Antonia einen Sparplan abschließen, damit das Geld automatisch in den Fonds fließt.

Antonia kann sich ihren Lebensstandard auch deshalb leisten, weil sie nur 250 Euro Miete inklusive Nebenkosten zahlt. Mit ihrem Freund teilt sie sich eine schicke 90-Quadratmeter-Wohnung im beliebten Kölner Studentenviertel Ehrenfeld. Die Wohnung sei ein Glücksgriff gewesen, sagt sie. Die Miete sei aber auch deshalb so niedrig, weil sie die Wohnung vor ihrem Einzug vollständig renovieren mussten, gemeinsam investierten sie viel Geld und Arbeitszeit. Hinzu kommt, dass sie die Wohnung mit einem Holzofen heizen. "Das relativiert den monatlichen Mietpreis, aber dafür haben wir viel Platz und haben mehr Geld für andere Dinge", sagt Antonia.

SPIEGEL ONLINE

Das Führen eines Haushaltsbuchs habe ihr gezeigt, dass sie mit deutlich weniger Geld auskommen würde und mehr für ihr Alter zurücklegen könnte, sagt Antonia. "Mir ist aufgefallen, dass ich viel zu viel Geld für Essen ausgebe, wenn ich unterwegs bin." Gerade die kleinen, unregelmäßigen Posten hätten sich zu erstaunlich hohen Beträgen summiert. Außerdem geht sie alle paar Tage im Supermarkt einkaufen. Günstiger wäre es, den Lebensmitteleinkauf für mehrere Tage im voraus zu planen, statt für beinahe jede Mahlzeit einkaufen zu gehen. "Es vergeht fast kein Tag im Monat, ohne Geld auszugeben - das finde ich schon krass", sagt sie.

Während Antonia ihr Haushaltsbuch führte, sammelte sie alle Kassenzettel und übertrug die Zahlenkolonnen auf ihren PC. Auf Dauer wäre ihr das viel zu nervig, sagt sie.

In der Tat gibt es unzählige Apps, die einem die Arbeit abnehmen. Beim Einkauf können Ausgaben direkt per Smartphone verbucht, vertaggt und gespeichert werden. Die Auswertung erfolgt dann automatisch in hübschen Torten-Grafiken. Und einige Banken übertragen Buchungen vom Onlinebanking-Konto inzwischen direkt in ein digitales Haushaltsbuch, sofern das der Kunde will. Spaß macht das den meisten Leuten dann immer noch nicht, aber zumindest muss man dann nicht mehr mit Zettel und Stift herumhantieren.

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insgesamt 149 Beiträge
Tante_Frieda 13.02.2018
1. Wann
Wann wird etwas Vernünftiges wie das Führen eines Haushaltsbuchs endlich fester Teil des Lehrplans an den Schulen?Tausende von später Überschuldeten könnten sich viel Ärger und Leid ersparen.
Wann wird etwas Vernünftiges wie das Führen eines Haushaltsbuchs endlich fester Teil des Lehrplans an den Schulen?Tausende von später Überschuldeten könnten sich viel Ärger und Leid ersparen.
runningstar 13.02.2018
2. Das geht noch besser
Für ein Haushaltsbuch empfehle ich eine Exceltabelle (oder überhaupt eine Tabellenkalkulation). Es geht in der Tat nicht darum, jeden Pfenning drei mal umzudrehen. Aber eine Übersicht über die Finanzen und die Einnahmen und [...]
Für ein Haushaltsbuch empfehle ich eine Exceltabelle (oder überhaupt eine Tabellenkalkulation). Es geht in der Tat nicht darum, jeden Pfenning drei mal umzudrehen. Aber eine Übersicht über die Finanzen und die Einnahmen und Ausgaben zu haben, ist sehr nützlich und verhindert tatsächlich auf lange Sicht wirklich unnütze Ausgaben. Ich führe schon seit den Neunzigern ein Haushaltsbuch. Kann also wirklich relativ genau sagen, was ich über die Jahre gesehen monatlich für z.B. Klamotten ausgebe oder fürs Auto. Der Aufwand dafür ist sehr gering. Alle paar Tage mal die Bons eingeben. Bei kleinen Sachen reicht es, zu schätzen. Wichtig ist, dass man genügend Sparten hat. Z.B. habe ich solche Sparten wie Haushalt, Auto, Versicherungen, Geburtstage, Klamotten, Lebensmittel, usw.. Wenn jetzt beispielsweise die Versicherungskosten stark ansteigt, ohne dass eine neue hinzugekommen ist, kann man da mal genauer hinter schauen und mit der Versicherung reden. In den meisten Fällen bekommt man dann sogar beim gleichen Anbieter für die gleiche Versicherung wieder ein deutlich günstigeres Angebot. Das schöne ist, man braucht da gar nicht erst in einen Akten wühlen, sondern hat alles auf einem Blick.
Sujatiya 13.02.2018
3. Brutto-Netto Verhältnis?
Abgesehen davon, dass Haushaltsbuch führen eine sinnvolle Sache ist (mache ich auch), frage ich mich, wie die Dame bei einem Bruttoverdienst von 2700 Euro auf 2300 Netto kommt. Bei mir gehen rund 900 Euro an Steuer (Klasse I), [...]
Abgesehen davon, dass Haushaltsbuch führen eine sinnvolle Sache ist (mache ich auch), frage ich mich, wie die Dame bei einem Bruttoverdienst von 2700 Euro auf 2300 Netto kommt. Bei mir gehen rund 900 Euro an Steuer (Klasse I), Sozialabgaben und GKV weg von einem nur wenig niedrigeren Brutto-Gehalt. Verheiratet scheint sie ja nicht zu sein, dürfte also auch in Steuerklasse I sein. D.h. da gehen allein rund 500 Euro Einkommenssteuer weg, zzgl. KV, Pflegeversicherung und Soli. Die KV, die im Haushaltbuch aufgelistet ist, dürfte eine (recht teure) Zusatzversicherung sein, denn so günstig ist niemand krankenversichert, gerade nicht in der GKV und für die private KV verdient sie zu wenig. Mit 2300 Netto muss Sie also deutlich mehr als 2700 Brutto verdienen. Realistische Zahlen machen den Artikel auch glaubhafter.
g5z2z542gv 13.02.2018
4. Beamte haben es immer besser
Die Frau hat ein relativ schmales Brutto-Einkommen für eine Akademikerin. Allerdings hat sie das Glück, verbeamtet zu sein, daher kaum Steuern und Sozialbeiträge zahlen zu müssen. Und für ihre Monatsmiete muss sie nur einen [...]
Die Frau hat ein relativ schmales Brutto-Einkommen für eine Akademikerin. Allerdings hat sie das Glück, verbeamtet zu sein, daher kaum Steuern und Sozialbeiträge zahlen zu müssen. Und für ihre Monatsmiete muss sie nur einen Schnäppchenpreis bezahlen. Ohne diese zwei gewichtigen Faktoren, würde sie gar nicht mehr über die Runden kommen. Insgesamt ist das leider keine repräsentative Situation für einen gewöhnlichen Deutschten Angestellten.
dasfred 13.02.2018
5. Ich brauche kein Haushaltsbuch
Ich mache mir vorher Gedanken, was ich brauche, wie viel ich dafür benötige und das kommt auf den Einkaufszettel. Unterwegs essen ist so eine moderne Unsitte. Bei diesem Fallbeispiel mußte ich an meine sparsame Tante denken, [...]
Ich mache mir vorher Gedanken, was ich brauche, wie viel ich dafür benötige und das kommt auf den Einkaufszettel. Unterwegs essen ist so eine moderne Unsitte. Bei diesem Fallbeispiel mußte ich an meine sparsame Tante denken, wie sie mit einem Stift den größten Teil der Positionen zusammengestrichen und anschließend einen Vortrag über sparsame Haushaltsführung gehalten hätte. Geld ausgeben ist keine Kunst. Sparen kann man aber lernen und wie man beim Kochen nach viel Erfahrung das meiste nach Gefühl macht, kann man auch sparen ohne lange nachzudenken. Einfach alles stehen lassen, dass nicht benötigt wird, und besondere Dinge erst kaufen, wenn man eine Bedenkzeit eingelegt hat. Zwei große Hindernisse gibt es dabei zu überwinden. Plastikgeld und Internet Shopping. Beiden ist nichts für Anfänger. Am besten mit abgezähltem Geld einkaufen. Was man nicht in der Tasche hat kann man nicht ausgeben und ein großer Rest am Monatsende ist mehr wert, als die xte Klamotte, die im Schrank auf ihren einmaligen Einsatz wartet.
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