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Wirtschaft

Steuerrückzahlung

Sie haben noch nie eine Steuererklärung gemacht? Nur Mut!

Immer mehr Menschen müssen eine Steuererklärung abgeben, vor allem Rentner. Kleiner Trost: Es ist nicht so schwer, die Steuerschuld kleinzurechnen. Die meisten Menschen bekommen sogar Geld zurück.

DPA
Ein Kolumne von
Samstag, 09.02.2019   10:27 Uhr

Der größte Saal in der Volkshochschule Brandenburg ist fast komplett gefüllt. Mein Thema: Steuern sparen für Rentner. Ein großes Thema, denn immer mehr Rentner müssen eine Steuererklärung abgeben. Fast fünf Millionen sind es nach offiziellen Zahlen in diesem Jahr.

Nur so viel wie nötig - diesen Wunsch hegen wohl Steuerzahler aller Altersklassen, das wird auch bei den Publikumsfragen an diesem Abend deutlich. Da hilft nur eine gute Steuererklärung. Gut heißt: Sie stellen sicher, dass Sie einerseits dem Staat, also unserem Gemeinwesen, das geben, was ihm zusteht, dass Sie aber andererseits nicht zu viel zahlen.

Das dürfte meist ganz gut klappen: 87 Prozent der Steuerzahler bekommen mit ihrer Erklärung Geld zurück, das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Im Schnitt 974 Euro. Falls Sie also bislang Ihre Steuer nicht erklären, dann fangen Sie besser damit an.

Neuerungen für die 2018er-Steuer

Von diesem Jahr an haben Steuerzahler, die eine Steuererklärung für 2018 abgeben müssen, etwas mehr Zeit - bis zum 31. Juli. Gleichzeitig drohen aber schneller Strafen, wenn die Fristen versäumt wird.

Wer schon Steuern abgeführt hat, hat ohnehin ein Interesse, zu viel gezahlte Beträge so schnell wie möglich zurückzubekommen. Eigentlich ist das leicht verdientes Geld. Inzwischen müssen Sie nicht einmal mehr Belege beim Finanzamt einreichen. Seit der Steuererklärung 2017 genügt es im Wesentlichen, die Belege für Rückfragen aufzubewahren.

Die Steuererklärung selbst wird am besten elektronisch verschickt. Entweder mit einem der guten Steuerberatungsprogramme. Für einfache Fälle reicht ein Programm, das es bereits ab 15 Euro zu kaufen gibt - und auch diese Ausgabe können Sie im Folgejahr von der Steuer absetzen. Wer sich gut auskennt, für den genügt auch die kostenlose Elster-Steuersoftware der Finanzverwaltung.

Die Möglichkeiten, die Steuerlast zu mindern oder gar das Steuerzahlen ganz zu vermeiden, sind vielfältig. Hier nur eine Auswahl der einfachen Möglichkeiten, Steuern zu sparen.

Werbungskosten

Der wichtigste Posten, den man vom Einkommen abziehen kann, sind die Werbungskosten. Für Rentner gibt es pauschal 102 Euro. Für Arbeitnehmer ist eine Werbungskostenpauschale von 1000 Euro vorgesehen. Die erreichen die meisten Arbeitnehmer schnell, schon bei 15 Kilometern Entfernung vom Arbeitsplatz und 220 Arbeitstagen liegt die Pendlerpauschale, die Arbeitnehmer für den Weg zur Arbeit von der Steuer absetzen können, höher als 1000 Euro. 30 Cent pro Kilometer des Arbeitswegs zählen, egal mit welchem Verkehrsmittel man unterwegs ist. Es kann sogar das vom Arbeitgeber bezuschusste Nahverkehrsticket sein.

Hinzu kommen Kosten für Arbeitskleidung, für selbst bezahlte Fortbildungen, für berufliche Webinare oder Bücher und für die technische Ausstattung, die man auch zum Arbeiten braucht, etwa Rechner, Büromöbel oder Smartphones. 2018 können Arbeitnehmer erstmals auch beruflich genutzteComputer, Handys oder Möbel bis zu einem Bruttopreis von 952 Euro auf einen Schlag vom zu versteuernden Einkommen absetzen.

Beiträge

Abgesetzt werden können Mitgliedsbeiträge für Berufsverbände, für Gewerkschaften aber auch Spenden an Parteien. Sogar bezahlte Kirchensteuer können Sie zur Steuersenkung einsetzen.

Vorsorge und Gesundheit

Ebenso können alle Arbeitnehmer auch ihre Vorsorgeaufwendungen absetzen. Dazu zählen neben der Kranken- und Pflegeversicherung vor allem die Ausgaben für die Altersvorsorge.

Vor allem Rentner, aber nicht nur sie, können ihre hohen, selbst gezahlten Gesundheitskosten dafür nutzen, etwas weniger Steuern zu zahlen. Das Stichwort heißt "außergewöhnliche Belastungen". Und es ist einfacher geworden, mit den Kosten für Zähne, Brillen, Ärzte und Apotheker ein Niveau zu erreichen, in dem jeder zusätzliche Euro die Steuerlast senkt. Beim Durchschnittsrentner sind schon mehr als 600 Euro solcher Kosten im Jahr eine außergewöhnliche Belastung.

Haushalt

Hinzu kommen die großen Positionen rund um den Haushalt. Der Katalog der haushaltsnahen Dienstleistungen und Handwerkerleistungen, die man bei der Steuer angeben und zum Mindern der Steuern einsetzen kann, umfasst inzwischen etwa 90 Positionen. Immer wichtig: Der Dienstleister muss die Arbeit vor Ort erbringen, anschließend eine Rechnung schreiben und der Steuerzahler muss das Geld überwiesen haben. Deswegen kann auch jeder Mieter einen Teil seiner Mietnebenkosten geltend machen, etwa die Kosten für den Hauswart, die Putzkolonne, die Heizungswartung oder den Winterdienst.

Insgesamt können Steuerzahler Arbeits- und Fahrtkosten bis zu 20.000 Euro im Jahr für verschiedenste Dienstleistungen in die Steuererklärung reinschreiben und dann 20 Prozent davon von ihrer sonst entstehenden Steuerschuld abziehen - also bis 4000 Euro. Um den bunten Strauß der Möglichkeiten nachvollziehbar zu machen hier nur einige Beispiele:

Ähnlich funktionieren die Handwerkerkosten. Auch hier können Sie den Arbeitslohn und die Anfahrt geltend machen. Egal ob der Fliesenleger das neue Bad gestaltet, der Malermeister Wohnzimmer und Flur neu malert, der Elektriker eine Alarmanlage installiert, der Schornsteinfeger tätig wird, der Klempner das Abflussrohr reinigt oder eine Legionellenprüfung vornimmt.

Der Kreativität sind wenig Grenzen gesetzt. Höchstsumme für die Arbeits- und Fahrtkosten in einem Jahr sind 6000 Euro. Damit sind bis zu 1200 Euro Steuerrückerstattung möglich. Für die Zuordnung, was zu den haushaltsnahen Dienstleistungen und was zu den Handwerkerkosten gehört, hat das Bundesfinanzministerium ein Schreiben veröffentlicht. Übrigens: Gärtnerleistungen können bei den haushaltsnahen Dienstleistungen abgerechnet werden.

Zum Autor

Wenn Sie weitere Ideen haben, welche Handwerkerleistungen Sie noch absetzen können, dann haben Sie keine Scheu. In der Volkshochschule in Brandenburg fragte mich ein Zuhörer, ob er denn sein Auto auch zu Hause reparieren lassen könne, auf der eigenen Hebebühne. Und Lohn- und Fahrtkosten für den angereisten Mechaniker dann geltend machen könnte? Mein Rat: Unbedingt probieren, vielleicht klappt es ja.

Das gilt überhaupt für die Steuererklärung. Probieren Sie's, es ist nicht schwer. Und denjenigen, die als Rentner erstmals eine Steuererklärung anfertigen müssen: Es winkt die Genugtuung, doch nicht zahlen zu müssen. Und den Weg zu kennen, auf dem dies auch in den kommenden Jahren selbst bei steigenden Renten gelingen könnte.

insgesamt 50 Beiträge
laermgegner 09.02.2019
1. Lächerlich
Ein Renter soll mit 88 Jahren erstmals eine Steuererklärung abgeben - wie bei mir im Haus. Für eine Pflegestufe reicht es bei der Frau nicht, aber die Steuererklärung kann sie es locker mit dem PC alleine machen ? - wenn es [...]
Ein Renter soll mit 88 Jahren erstmals eine Steuererklärung abgeben - wie bei mir im Haus. Für eine Pflegestufe reicht es bei der Frau nicht, aber die Steuererklärung kann sie es locker mit dem PC alleine machen ? - wenn es nicht einmal aktuelle Elterprogramme gibt. - Wie kann sich ein Mensch da allein zurechtfinden ?- Es gibt zu viel Träumer in diesem Land- die den Sinn für das einfachen Lebens einfach ausblenden. Und dann noch von Rentenerhöhung prallen !.
finanzamt 09.02.2019
2. Absetzung von Nebenkosten
Ja, es ist ganz einfach die Nebenkosten als Mieter anzurechnenr. Vor Allem, da man bis Juli des Folgejahres ja die Steuererklärung abgegeben haben muss, andererseits die Nebenkostenabrechnungen vom Vermieter erst am Ende des [...]
Ja, es ist ganz einfach die Nebenkosten als Mieter anzurechnenr. Vor Allem, da man bis Juli des Folgejahres ja die Steuererklärung abgegeben haben muss, andererseits die Nebenkostenabrechnungen vom Vermieter erst am Ende des Folgejahres kommen.
ideologiefree 09.02.2019
3. Doppelmoral
Hier wird offen dazu aufgerufen, Steuern zu minimieren oder idealerweise ganz zu vermeiden. Wieso ist fuer Rentner akzeptabel was bei Millionaeren ein Zeichen verkommener Moral ist?? So macht man sich nur unglaubwuerdig.
Hier wird offen dazu aufgerufen, Steuern zu minimieren oder idealerweise ganz zu vermeiden. Wieso ist fuer Rentner akzeptabel was bei Millionaeren ein Zeichen verkommener Moral ist?? So macht man sich nur unglaubwuerdig.
Europa! 09.02.2019
4. Ach ja!
Dass jetzt Hunderttausende alte Menschen zur "Steuererklärung" gezwungen werden, ist eine Schikane, die man sich gern erspart hätte. Denn die angebliche "Entlastung" der Jüngeren ist ja vollkommen [...]
Dass jetzt Hunderttausende alte Menschen zur "Steuererklärung" gezwungen werden, ist eine Schikane, die man sich gern erspart hätte. Denn die angebliche "Entlastung" der Jüngeren ist ja vollkommen ausgeblieben. Im Gegenteil: Da grabscht sich der Staat immer mehr. Merke: Es gibt gute Gründe, die FDP zu wählen.
marcus.deubel 09.02.2019
5. Keine Doppelmoral
@ideologiefee: Herr Tenhagen ruft ja nicht zur Steuerhinterziehung auf. Sondern zum Steuersparen mit legalen Mitteln.
@ideologiefee: Herr Tenhagen ruft ja nicht zur Steuerhinterziehung auf. Sondern zum Steuersparen mit legalen Mitteln.

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