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Wirtschaft

Künftiges US-Kabinett

Trumps Klub der Milliardäre

Donald Trumps Regierungsmannschaft nimmt Gestalt an und sie sieht ganz anders aus, als im Wahlkampf versprochen. Es ist eine exklusive Gruppe aus Milliardären und Millionären, die bisher meist für den eigenen Gewinn arbeiteten.

Getty Images

Donald Trump

Von , New York
Donnerstag, 01.12.2016   12:30 Uhr

Knoblauchterrine mit gedünsteten Froschschenkeln. Muscheln mit karamellisiertem Blumenkohl. Sirloin-Steak mit Zitronenglasur. Und zum Dessert eine Spezialität des Starkochs Jean-Georges Vongerichten, geschmolzene Schokoladentorte.

Katzbuckeln à la carte für 200 Dollar pro Person. So viel kostete das Dinner in Vongerichtens Nobelrestaurant, bei dem der designierte US-Präsident Donald Trump einen seiner Kabinettsaspiranten zu Kreuze kriechen ließ: Mitt Romney, gescheiterter Präsidentschaftskandidat von 2012 und bisher ein Erzfeind Trumps. Doch teure Delikatessen können einem wohl die bittersten Widersprüche versüßen.

Willkommen in der Regierung Trump: Nichts ist zu teuer, niemand zu reich. Trumps Mannschaft wächst täglich - zu einem exklusiven Klub der Milliardäre und Millionäre. Von wegen volksnah: Das "güldene Kabinett" ("Politico") gleicht mehr und mehr einer Society-Party auf Manhattans Upper East Side - ohne jeden Bezug zu den Wutbürgern, deren Wohl Trump doch eigenen Angaben zufolge am Herzen liegt.

Als Wahlkämpfer wetterte Trump gegen die "globale Machtstruktur". Nun holt er die Protagonisten dieser Machtstruktur in seine Regierung - Banker, Hedgefonds-Manager, Investoren.

Der Handelsminister, der Finanzminister, die Bildungsministerin, der Chefstratege, etliche Vize-Anwärter sowie Mitt Romney, der noch buhlt: Schon jetzt bewegt Trumps Krösus-Kabinett ein Vermögen von mindestens 35 Milliarden Dollar - 700.000-mal so viel, wie ein US-Durchschnittshaushalt im Jahr verdient.

Trump, so sieht es aus, ist das politische Vehikel, das die "One Percent" gefunden haben, um ihre Agenda zu verewigen. Von den geplanten Steuererleichterungen werden zum Beispiel vor allem die Reichsten profitieren. Diese Woche stieg die Aktie von Goldman Sachs Chart zeigen auf den höchsten Wert in sieben Jahren - das Geldhaus allein entsendet vier ehemalige Manager in die Trump-Regierung.

Betsy DeVos, designierte Bildungsministerin

AFP

Betsy DeVos ist die Schwiegertochter von Rich DeVos: Er ist Mitbegründer von Amway, einem Direktvertrieb-Marketingkonzern mit einem Jahresumsatz von fast zehn Milliarden Dollar. Der Werdegang des alten DeVos beschreibt die typische amerikanische Erfolgsstory: Er begann mit einem Drive-in-Restaurant, später verkaufte er als Hausierer Putzmittel. Sein Sohn Rich Jr. wurde ebenfalls Unternehmer, dessen Gattin Betsy kam ihrerseits aus einer wohlhabenden Familie. Das Magazin "Forbes" schätzt das aktuelle Vermögen des DeVos-Clans auf mehr als sechs Milliarden Dollar.

Wilbur Ross, designierter Handelsminister

AP

Wilbur Ross, ein alter Nachbar Trumps im Millionärsdomizil Palm Beach, machte sein Geld mit den Pleiten anderer. So lernte der frühere Investmentbanker auch Trump kennen: Er beriet ihn bei seinen Firmen-Insolvenzen. Später wechselte Ross in die lukrativere private Unternehmensbeteiligungsbranche. Die Börsenaufsicht SEC brummte ihm kürzlich wegen schludriger Buchhaltung 2,3 Millionen Dollar Strafe auf. "Forbes" schätzt sein Vermögen auf fast drei Milliarden Dollar. Seine Kunstsammlung enthält 41 Bilder des Surrealisten René Magritte.

Steven Mnuchin, designierter Finanzminister

AP

Steven Mnuchin entstammt der Goldman-Sachs-Riege. Nach erfolgreichen Jahren an der Wall Street machte er sich mit dem Hedgefonds Dune Capital selbstständig. Er finanzierte und produzierte Hollywood-Megahits wie "Avatar" und kaufte auf dem Höhepunkt der Finanzkrise die insolvente Subprime-Bank IndyMac. Die umbenannte OneWest Bank verkaufte er schließlich ans Finanzkonglomerat CIT. Er und seine Partner sollen dabei mehr als fünf Milliarden Dollar verdient haben. (Ein ausführliches Porträt finden Sie hier.)

Todd Ricketts, designierter Vizehandelsminister

AFP

Todd Ricketts gehört zu einer der reichsten Familien Amerikas. Sein Vater Joe gründete die Online-Brokerfirma TD Ameritrade, Bruder Thomas leitet die Investmentbank Incapital, der andere Bruder Peter ist der Gouverneur von Nebraska. Gemeinsam besitzen die Ricketts das Baseballteam der Chicago Cubs - und ein Gesamtvermögen von rund einer Milliarde Dollar. Im Vorwahlkampf stand die Familie Trump feindlich gegenüber. Nach einem drohenden Tweet des Kandidaten ("Sie sollten vorsichtig sein, sie haben viel zu verbergen!") liefen sie auf Trumps Seite über.

Im Dunstkreis und im Wartestand

Peter Thiel, Berater, Silicon-Valley-Pionier: 2,7 Milliarden Dollar. Mitt Romney, Gründer der Beteiligungsgesellschaft Bain Capital: mehr als 250 Millionen Dollar. Jared Kushner, Schwiegersohn, Immobilienunternehmer, Verleger: 200 Millionen Dollar. Anthony Scaramucci, Berater, Investmentbanker: 80 Millionen Dollar. Steve Bannon, Chefstratege, Medienunternehmer: zehn Millionen Dollar.

insgesamt 251 Beiträge
hansgustor 01.12.2016
1. Gründer vs Erben
Gegen Leute die sich ihr Geld selbst erarbeitet haben, kann man wenig sagen. Die haben gezeigt, dass sie was können. Ein Automatismus dass es bei den Erben auch so ist, gibt es aber nicht. Eher im Gegenteil, weil diese nie [...]
Gegen Leute die sich ihr Geld selbst erarbeitet haben, kann man wenig sagen. Die haben gezeigt, dass sie was können. Ein Automatismus dass es bei den Erben auch so ist, gibt es aber nicht. Eher im Gegenteil, weil diese nie richtig geschufftet haben. So wie Trump selbst nur das Geld anderer verbrennt.
nixkapital 01.12.2016
2. Hm...
...Plutokratie in Reinkultur. Ob sich Trumps Wähler nicht langsam die Augen reiben?
...Plutokratie in Reinkultur. Ob sich Trumps Wähler nicht langsam die Augen reiben?
zufälligfan 01.12.2016
3. Mir wird übel
Aber vielleicht glauben Trumps Wähler ja immer noch, dass Leute, die sich selber reich gemacht haben, auch sie reicher machen werden.
Aber vielleicht glauben Trumps Wähler ja immer noch, dass Leute, die sich selber reich gemacht haben, auch sie reicher machen werden.
bschmid66 01.12.2016
4. Trump-Wähler?
Was sagen eigentlich die all die Trump-Wähler dazu, die jetzt verhöhnt werden?
Was sagen eigentlich die all die Trump-Wähler dazu, die jetzt verhöhnt werden?
Sammi ElPadre 01.12.2016
5.
Man könnte jetzt einerseits sagen, Trump sammelt sich einfach eine Riege von Millionären und Milliardären in der Regierung. Man könnte aber andererseits auch sagen, Trump holt Personen, die bewiesen haben, das Sie ein [...]
Man könnte jetzt einerseits sagen, Trump sammelt sich einfach eine Riege von Millionären und Milliardären in der Regierung. Man könnte aber andererseits auch sagen, Trump holt Personen, die bewiesen haben, das Sie ein Geschäft erfolgreich führen können und die nicht das geringste Interesse daran haben, an Ihrem Stuhl zu kleben...
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