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Wirtschaft

Zweifelhafte Praktiken

Wie deutsche Konzerne Malta als Geldparkhaus nutzen

Ableger von Sixt und BASF teilen sich eine Klingel, Lufthansa hat 18 Tochterfirmen: EU-Mitglied Malta ist eine Oase für europäische Konzerne. Der SPIEGEL und das Recherchenetzwerk EIC enthüllen zweifelhafte Praktiken.

AP

Valetta, Malta (Archiv)

Freitag, 19.05.2017   18:09 Uhr

Malta, ein Fels im Mittelmeer mit 300 Sonnentagen im Jahr. Vor mehr als 500 Jahren brachen Piraten von hier zu ihren Kaperfahrten gen Osten auf. Die fette Beute, die sie beim Überfall auf Handelsschiffe machten, brachte der Insel damals einen gewissen Wohlstand. Heute gehen die Malteser immer noch auf Beutezug. Mit traumhaft niedrigen Steuersätzen ködern sie Unternehmen aus ganz Europa. Den anderen EU-Mitgliedstaaten gehen so Steuereinnahmen in Milliardenhöhe verloren.

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Auch deutsche Konzerne nutzen in großem Stil Tochterfirmen auf Malta, um ihre Steuern hierzulande zu drücken. Das geht aus Tausenden Dokumenten hervor, die der SPIEGEL gemeinsam mit seinen Partnern vom Recherchenetzwerk European Investigativ Collaborations (EIC) ausgewertet hat.

Dem EIC waren in den vergangenen Monaten zwei Datensätze, die sogenannten MaltaFiles, zugespielt worden. Die Papiere erlauben einen tiefen Einblick in das maltesische System von Firmengründungen und legen die Inhaber dortiger Firmen offen. Demnach sind oder waren Dax-Konzerne wie BMW, BASF, die Deutsche Bank, Puma, Merck und Großunternehmen wie Bosch, K+S oder Rheinmetall mit Tochterfirmen auf der Insel vertreten. Allein die Lufthansa unterhält auf Malta 18 Tochterfirmen. Neben Flugzeugwartung und Flugzeug-Leasing sitzt dort auch die Pensionskasse der Airline.

Auf Malta anfallende Gewinne müssen ausländische Unternehmen im besten Fall nur mit knapp sechs Prozent versteuern. Allerdings nur, wenn die Unternehmen auf der Insel auch wirklich Geschäfte machen. SPIEGEL-Recherchen lassen jedoch Zweifel aufkommen, ob tatsächlich alle Malta-Töchter deutscher Konzerne dort auch operativ tätig sind.

So teilen sich beispielsweise die Malta-Ableger von Autovermieter Sixt, Chemieriese BASF und Geflügelbaron Erich Wesjohann nicht nur eine Büroetage, sondern auch eine einzige Klingel. Ebenso der Rohstoffkonzern K+S und die Automobilsparte von Rheinmetall. Viele der Firmen sind im örtlichen Telefonbuch nicht eingetragen. Von einigen Malta-Ablegern war vor Ort zeitweise kein Personal zu erreichen. Gegenüber dem SPIEGEL erklärten alle Unternehmen, ihre Geschäfte auf Malta seien legal, die maltesischen Töchter dem deutschen Fiskus bekannt.

Malta hat während seiner noch bis Ende Juni andauernden EU-Ratspräsidentschaft bislang alle Steuerprivilegien der Insel gegen Angriffe aus dem EU-Parlament und anderen Mitgliedstaaten erfolgreich verteidigt. Erst in der vergangenen Woche hatte der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter Borjans angekündigt, maltesische Steuersünder härter zu bekämpfen. Er hatte die Mittelmeerinsel dabei als "Panama Europas" bezeichnet.

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insgesamt 136 Beiträge
grommeck 19.05.2017
1. Das sind keine zweifelhaften Praktiken, sondern ...
von unserer Regierung, ihren Ministern, der Kanzlerin und den Behörden geduldete und eingerichtete Steuervermeidungsmodelle. Es reicht ja, wenn der blöde AN und der noch blödere Rentner zahlt.
von unserer Regierung, ihren Ministern, der Kanzlerin und den Behörden geduldete und eingerichtete Steuervermeidungsmodelle. Es reicht ja, wenn der blöde AN und der noch blödere Rentner zahlt.
slaritbartfass 19.05.2017
2. Na und ?
Die Leute auf Malta müssen auch von ewas leben.
Die Leute auf Malta müssen auch von ewas leben.
Garak 19.05.2017
3. Und? Wird sich dadurch irgendetwas ändern?
Ich denke wir alle kennen die Antwort! Solange die Lobbyisten die Gesetze schreiben dürfen sind solche Praktiken zwar moralisch anrüchig aber leider auch legal! Es wird so bleiben wie immer die kleinen hängt man die großen [...]
Ich denke wir alle kennen die Antwort! Solange die Lobbyisten die Gesetze schreiben dürfen sind solche Praktiken zwar moralisch anrüchig aber leider auch legal! Es wird so bleiben wie immer die kleinen hängt man die großen lässt man laufen, wie vor kurzem auch bei VW und Dieselgate schön zu sehen war wo der Konzern quasi freigesprochen wurde und die Kunden mit Diesel mit den drohenden Innenstadtverboten für ihre Autos rechnen müssen Den Preis zahlen immer die Kleinen!
sfk15021958 19.05.2017
4. So behandeln uns...
...unsere "Freunde" aus der EU und Schäuble sowie die unfähigen EU-Bürokraten lassen sich das gefallen! Die nächste Wahl folgt ja bald!
...unsere "Freunde" aus der EU und Schäuble sowie die unfähigen EU-Bürokraten lassen sich das gefallen! Die nächste Wahl folgt ja bald!
echoanswer 19.05.2017
5. Ach ja ...
was war eigentlich mit Panama? Nichts, die Politik und die Justiz in D haben ganz schnell dafür gesorgt, dass das Thema aus den Medien verschwindet und unter den Teppich gekehrt wird. Strafverfolgung? Nicht in D.
was war eigentlich mit Panama? Nichts, die Politik und die Justiz in D haben ganz schnell dafür gesorgt, dass das Thema aus den Medien verschwindet und unter den Teppich gekehrt wird. Strafverfolgung? Nicht in D.

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