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Wirtschaft

Isoliertes Emirat

Katar trotzt Blockade - und beziffert Reserven auf 340 Milliarden Dollar

Vier arabische Staaten hatten den Druck auf das blockierte Katar erhöht. Das Golf-Emirat weist die Vorwürfe zurück - und verweist auf eigene Stärke.

DPA

Skyline von Doha

Montag, 10.07.2017   08:43 Uhr

Im Konflikt mit vier arabischen Rivalen kann sich Katar nach Angaben der Notenbank auf Reserven in Höhe von 340 Milliarden Dollar stützen. "Wir haben genug Geld, um jede Art von Schock zu verkraften", sagte der Gouverneur der Zentralbank des Landes, Scheich Abdullah Saud Al-Thani, in einem Interview des US-Senders CNBC.

Allein die Notenbank habe Reserven von mehr als 40 Milliarden Dollar plus Gold. Der Staatsfonds QIA, der an zahlreichen internationalen Unternehmen Beteiligungen hält, verfüge über Mittel von 300 Milliarden Dollar, die er liquidieren könne, sagte Al-Thani in dem Interview.

Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain hatten zuletzt mit weiteren Sanktionen gegen das Golf-Emirat gedroht, das statistisch zu den reichsten Ländern der Welt zählt. Der populäre TV-Nachrichtensender Al Jazeera müsse eingestellt und die Verbindungen zum Iran zurückgefahren werden, lauteten einige der Forderungen.

Katar wies die neuen Drohungen seiner arabischen Kontrahenten zurück. Die "falschen Behauptungen" seien der Versuch, Katar anzuschwärzen, hieß es aus dem Außenministerium in Doha, wie die staatliche Nachrichtenagentur QNA meldete. Der Vorwurf, das Emirat finanziere Terrorismus, sei unbegründet. Katar beteilige sich aktiv am Kampf gegen Terror. Dabei gilt es als offenes Geheimnis, dass im Syrienkrieg Geld aus Katar an die radikalsten Gegner der Regierung von Präsident Baschar al-Assad fließt. Gleichzeitig ist auch Saudi-Arabien als Förderer des islamistischen Terrorismus bekannt.

Die vier Regionalmächte haben seit 5. Juni ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Emirat gekappt. Es besteht eine Verkehrs- und Handelsblockade gegen den gasreichen Wüstenstaat. Katars Kontrahenten werfen dem Emirat Terror-Unterstützung und enge Kontakte zum schiitischen Iran vor - dem Erzfeind des sunnitischen Königreichs Saudi-Arabien.

apr/Reuters/dpa

insgesamt 15 Beiträge
Bernhard.R 10.07.2017
1. Geld kann man nicht essen
Die Bankreserven werden den Katarern nix nutzen, wenn die Versorgung kollabiert. Der Zwergstaat wird dem Riesen Saudiarabien auch kaum Widerstand leisten können. Von internationalen Protesten gegen die Blockade ist nichts zu [...]
Die Bankreserven werden den Katarern nix nutzen, wenn die Versorgung kollabiert. Der Zwergstaat wird dem Riesen Saudiarabien auch kaum Widerstand leisten können. Von internationalen Protesten gegen die Blockade ist nichts zu spüren. Eine brenzlige Situation, die sich nach dem Ablauf des Ultimatums hoffentlich nicht noch zuspitzt.
Bueckstueck 10.07.2017
2.
Die Versorgung wird aber nicht kollabieren, man fliegt Waren halt ein statt auf herkömmlichen Wegen zu importieren. Katar ist ja auch kein grosses Land...
Zitat von Bernhard.RDie Bankreserven werden den Katarern nix nutzen, wenn die Versorgung kollabiert. Der Zwergstaat wird dem Riesen Saudiarabien auch kaum Widerstand leisten können. Von internationalen Protesten gegen die Blockade ist nichts zu spüren. Eine brenzlige Situation, die sich nach dem Ablauf des Ultimatums hoffentlich nicht noch zuspitzt.
Die Versorgung wird aber nicht kollabieren, man fliegt Waren halt ein statt auf herkömmlichen Wegen zu importieren. Katar ist ja auch kein grosses Land...
iman.kant 10.07.2017
3. Man sollte in dem Artikel
noch erwähnen dass diesen 300 Mrd Reserven nur 2,7 Mio Einwohner gegenüberstehen. Es wird zwar teuer für die Katarer - aber ohne Einmarsch der anderen Staaten - kann sich das sehr schnell in die Länge ziehen. Die Wirtschaft [...]
noch erwähnen dass diesen 300 Mrd Reserven nur 2,7 Mio Einwohner gegenüberstehen. Es wird zwar teuer für die Katarer - aber ohne Einmarsch der anderen Staaten - kann sich das sehr schnell in die Länge ziehen. Die Wirtschaft wird sich an die Sanktionen anpassen wie es in vielen anderen Ländern gesehen haben. Auf der anderen Seite wird Iran alles unternehmen um die Katarer zu stärken.
Ardashir 10.07.2017
4. Ein weiteres Eigentor made by Saudi Arabia
Die Katar-Blockade stellt ein weiteres Eigentor in der saudischen Politik dar. SA hat außenpolitisch in den letzten Jahren Rückschläge hinnehmen müssen: Die von SA finanziell unterstützten sunnitischen Terrororganisationen [...]
Die Katar-Blockade stellt ein weiteres Eigentor in der saudischen Politik dar. SA hat außenpolitisch in den letzten Jahren Rückschläge hinnehmen müssen: Die von SA finanziell unterstützten sunnitischen Terrororganisationen sind im Irak und in Syrien in die Defensive gedrängt worden. Im Jemen schafft es die saudische Hightech-Armee nicht, den Huthis eine entscheidende Niederlage zuzufügen. Auch wirtschaftlich ist SA auf dem absteigendem Ast. Katar dagegen hat eine gewaltige Finanzreserve, mit Al Jazeera einen Nachrichtensender, der nicht der gleichgeschalteten Presse SA`s angehört und auch kritisch hinterfragt, wie sehr SA eigentlich an 9/11 beteiligt war. Das mögen mit Gründe sein, warum SA nun Katar zu unterwerfen versucht. Aber klug war dieser Schachzug sicher nicht: Katar wendet sich nun noch enger an den Iran und die Türkei, welche die Blockade der Golfstaaten effektiv umgehen. Man hat also sozusagen einen Bündnispartner ins andere politische Lager getrieben. Und Al Jazeera berichtet seither noch kritischer bezüglich SA und deren Rolle bei der Finanzierung radikal-sunnitischer Terrororganisationen. Das nenne ich wahrlich ein politisches Eigentor der Saudis...
Outdated 10.07.2017
5. Alte Weisheit aus dem Mittelalter
Burgen am Meer sind schwer zu belagern. So lange es keine Seeblockade gibt, kann sich Katar leicht vom Weltmarkt versorgen. Das bedeutet aber nicht das, das hier einfach im Sand verlaufen wird. Jetzt wo sie so weit [...]
Zitat von Bernhard.RDie Bankreserven werden den Katarern nix nutzen, wenn die Versorgung kollabiert. Der Zwergstaat wird dem Riesen Saudiarabien auch kaum Widerstand leisten können. Von internationalen Protesten gegen die Blockade ist nichts zu spüren. Eine brenzlige Situation, die sich nach dem Ablauf des Ultimatums hoffentlich nicht noch zuspitzt.
Burgen am Meer sind schwer zu belagern. So lange es keine Seeblockade gibt, kann sich Katar leicht vom Weltmarkt versorgen. Das bedeutet aber nicht das, das hier einfach im Sand verlaufen wird. Jetzt wo sie so weit gegangen sind, werden die Saudis keine Wahl haben als mit einem deutlich sichtbaren Sieg vom Feld zu gehen.

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