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Wirtschaft

Immobilienkrise

Warum so viele Griechen ihre Elternhäuser verlieren

In Griechenland verfallen die Immobilienpreise, gleichzeitig müssen immer mehr Menschen ihr Eigenheim aufgeben, das sie geerbt haben. Ein Beamter sagt: "Ich höre tragische Geschichten, jeden Tag."

Getty Images/Westend61

Häuser auf Rhodos

Von , Thessaloniki
Montag, 25.09.2017   11:09 Uhr

Bezirksgericht Thessaloniki, neun Uhr morgens. Eine lange Schlange hat sich vor einem Büro gebildet. "Wer ist hier, um ein Erbe auszuschlagen?", fragt ein Mitarbeiter. Die Antwort: Ein kollektives "Wir".

Eine Frau in Schwarz ist sichtlich bewegt. Ihr Mann ist vor Kurzem gestorben. Neben einem "mit Tränen und Blut" bezahlten Haus habe er ihr auch Schulden hinterlassen. Hohe Schulden. Ungetilgte Kredite bei der Bank, unbeglichene Steuerforderungen, ungezahlte Sozialbeiträge. "Also können wir unser Haus nicht behalten", sagt die Witwe, "wir müssen es aufgeben." Ihr Sohn nimmt sie am Arm. "Komm, bringen wir es hinter uns. Es ist nicht das Ende der Welt."

Generationen von Griechen sind mit einer großen Hoffnung aufgewachsen: Hausbesitzer zu werden. Eltern erfüllte es mit Stolz, ihren Kindern ein Eigenheim zu vererben. Es gab ihnen das Gefühl, ihre Pflicht erfüllt zu haben und ihrem Nachwuchs eine sichere Grundlage für die unsichere Zukunft zu geben. Auch deshalb besitzen die allermeisten Griechen eine eigene Immobilie: 74 Prozent der Haushalte leben im Eigenheim.

Doch seitdem im Jahr 2009 die Krise das Land traf, ziehen jedes Jahr Zehntausende Griechen vor Gericht, um ihr einstmals so hochgeschätztes Erbe auszuschlagen. Sie lehnen Wohnungen ab, Ferienhäuser, die in Zeiten billiger Kredite erworben wurden oder das Stück Land in ihren Heimatdörfern, das seit Generationen in Familienbesitz war. In ganz Griechenland wurde 2016 mehr als 54.000-mal auf Erbschaften verzichtet. Dieses Jahr könnte sich diese Zahl Experten zufolge sogar verdreifachen.

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insgesamt 6 Beiträge
dananada 25.09.2017
1. mir kommen die Tränen,
... wenn ich lese, dass die Kindergeneration ein Erbe ausschlägt um es steuersparend den Enkeln zu überlassen. Leider fehlen dem Artikel aussagekräftige Zahlen und Zusammenhänge. Auch die nette Giannakos-Vignette reißt diesen [...]
... wenn ich lese, dass die Kindergeneration ein Erbe ausschlägt um es steuersparend den Enkeln zu überlassen. Leider fehlen dem Artikel aussagekräftige Zahlen und Zusammenhänge. Auch die nette Giannakos-Vignette reißt diesen substanzarmen Sozialkitsch nicht mehr raus.
CommonSense2006 25.09.2017
2. Warum?
Warum ist es nicht sinvoll, die Häuser in einem kriselndem Immobilienmarkt zu versteigern? Wenn der Sataat sie besitzt, aber nichts damit tut, dann verkommen sie einfach nur, wenn er sie versteigert, dann können auch ärmere [...]
Warum ist es nicht sinvoll, die Häuser in einem kriselndem Immobilienmarkt zu versteigern? Wenn der Sataat sie besitzt, aber nichts damit tut, dann verkommen sie einfach nur, wenn er sie versteigert, dann können auch ärmere Leute mti geringem Einkommen sich selbst in der Krise ein günstiges Eigenheim anschaffen. Hohe Immobilienpreise sind kein Selbstzweck, sondern bilden nur eine prosperierende Wirtschaft udn hohe Nachfrage ab. Die ist aber in Wirklichkeit nicht vorhanden, also macht es auch keinen Sinn, durch Nict-Verkaufen versuchen zu wollen, die Preise hoch zu halten.
keksguru 25.09.2017
3.
es geht nur zu vermeiden daß die Kindergeneration erbt und es dann der Enkelgeneration weitervererben möchte und dabei dann logischerweise zweimal gezahlt werden muß, wenn auch über eine Generation hinweg verteilt... bei [...]
Zitat von dananada... wenn ich lese, dass die Kindergeneration ein Erbe ausschlägt um es steuersparend den Enkeln zu überlassen. Leider fehlen dem Artikel aussagekräftige Zahlen und Zusammenhänge. Auch die nette Giannakos-Vignette reißt diesen substanzarmen Sozialkitsch nicht mehr raus.
es geht nur zu vermeiden daß die Kindergeneration erbt und es dann der Enkelgeneration weitervererben möchte und dabei dann logischerweise zweimal gezahlt werden muß, wenn auch über eine Generation hinweg verteilt... bei uns in Deutschland gibts Sockelbeträger unterhalb deren man gar nichts bezahlt, aber die Steuerschuld hat nichts mit einer etwaigen Hypothek zu tun. Wär vermutlich aber sinnvoll das aneinander zu koppeln, denn ich finde daß auch der Staat sich nicht die Rosinen rauspicken darf. Sprich Erbschaftssteuer auf den Hauswert einstreichen, aber die Hypothek, die ggf. 100% des Hauswertes beträgt die reicht man gerne an die Erben weiter...
HerrPeterlein 25.09.2017
4. Die Griechen lassen die Häuser verfallen
Wenn du in Griechenland ein Haus kaufen willst, mach es am ersten Tag wenn es zum Verkauf steht, egal wie hoch der Preis ist. In Griechenland wird ab dem Zeitpunkt des Verkaufs wirklich gar nichts mehr an den Häusern gemacht, in [...]
Wenn du in Griechenland ein Haus kaufen willst, mach es am ersten Tag wenn es zum Verkauf steht, egal wie hoch der Preis ist. In Griechenland wird ab dem Zeitpunkt des Verkaufs wirklich gar nichts mehr an den Häusern gemacht, in den besten touristischen Lagen verfallen die. Bei Preisen die selbst jemand aus München erschrecken.
supergrobi123 25.09.2017
5. Schöne Definition!
Laut Text werden da also Häuser querfinanziert durch hinterzogene Steuern und nicht abgeführte Sozialabgaben (für die der deutsche Steuerzahler gern mal geradestehen muss) sowie nicht getilgte Bankkredite. Der Grieche nennt [...]
Laut Text werden da also Häuser querfinanziert durch hinterzogene Steuern und nicht abgeführte Sozialabgaben (für die der deutsche Steuerzahler gern mal geradestehen muss) sowie nicht getilgte Bankkredite. Der Grieche nennt diese Finanzierungsform dann fantasievoll "bezahlt mit Blut und Tränen". Wessen Blut? Wessen Tränen? Nicht so wichtig. Aber wenn das Haus dann zur Schuldentilgung verwertet werden soll, wird das als Fiesität angesehen? Aha.

 

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