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Wirtschaft

Technologietransfer

Trump stoppt Verkauf von Chip-Spezialisten an chinesische Investoren

US-Präsident Donald Trump hat Verhandlungen über den Verkauf eines US-Herstellers von Halbleitern an einen chinesischen Investmentfonds verboten. Begründung: Gefahr für die nationale Sicherheit.

REUTERS

Logo von Lattice Semiconductor

Donnerstag, 14.09.2017   12:21 Uhr

Die Skepsis gegenüber chinesischen Investoren ist nicht neu in den USA, besonders wenn es sich um Hightech handelt, die auch für militärische Zwecke eingesetzt werden kann. Die im Bundesstaat Oregon ansässige Firma Lattice Semiconductors gehört in diese Kategorie. Und darf deshalb nicht an eine US-Beteiligungsgesellschaft mit Verbindungen nach China verkauft werden.US-Präsident Donald Trump stoppte die geplante Übernahme jetzt auf Empfehlung der US-Behörde für Auslandsinvestitionen (CFIUS). US-Finanzminister Steven Mnuchin begründete den Schritt damit, dass die milliardenschwere Transaktion ein Risiko für die nationale Sicherheit der USA darstelle. Die Bedenken könnten nicht ausgeräumt werden. Der Präsident habe gehandelt.

Der geplante Kauf des US-Chipherstellers durch die amerikanische Beteiligungsgesellschaft wäre indirekt von der chinesischen Regierung mitfinanziert worden. Der Käufer Canyon Bridge Capital Partners steht außerdem über mehrere Ecken in Verbindung mit dem Weltraum-Programm der Volksrepublik. Lattice Semiconductor sollte für 1,3 Milliarden Dollar von Canyon Bridge geschluckt werden. Das Unternehmen produziert spezielle Halbleiter, die Abnehmer für ihre Zwecke selbst programmieren können. Lattice liefert nicht an die US-Armee, aber die beiden wichtigsten Konkurrenten Xilinx und Intel fertigen Chips, die in Militärtechnologie eingesetzt werden.

Lattice Semiconductor und Canyon Bridge sagten ihre Fusionspläne direkt nach Trumps Verbot ab. Die USA gehen derzeit strenger gegen Auslandsunternehmen vor. Einwände erhob die CFIUS beispielsweise gegen den Verkauf von Geschäftsbereichen des US-Elektronikunternehmens Inseego an den chinesischen Smartphone-Hersteller TCL. Das härtere Vorgehen der Behörde trifft vor allem China. Die Beziehungen zwischen den USA und der Volksrepublik sind zunehmend Spannungen ausgesetzt. Auch die Eigentümer des deutschen Chipanlagenbauers Aixtron mussten wegen US-Sicherheitsbedenken den geplanten Verkauf an die chinesische Fujian Grand Chip Investment (FGC) abblasen.

mik/Reuters

insgesamt 9 Beiträge
isi-dor 14.09.2017
1.
Trump greift damit direkt in die freie kapitalistische Marktwirtschaft ein und vernichtet wahrscheinlich Arbeitsplätze, denn die Firma ist auf Investoren dringend angewiesen, um die Aktionäre zu bedienen. Von Protektionismus [...]
Trump greift damit direkt in die freie kapitalistische Marktwirtschaft ein und vernichtet wahrscheinlich Arbeitsplätze, denn die Firma ist auf Investoren dringend angewiesen, um die Aktionäre zu bedienen. Von Protektionismus zum Wirtschaftskommunismus ist es nur ein kleiner Schritt. Trump geht ihn.
frenchie3 14.09.2017
2. Auch wenn Donnie nur auf Empfehlung handelte
war es doch ein Zeichen von Intelligenz darauf gehört zu haben. Die Chinesen brauchen keinen Weltkrieg um die Welt zu erobern, die Hälfte haben sie bereits eingekauft.
war es doch ein Zeichen von Intelligenz darauf gehört zu haben. Die Chinesen brauchen keinen Weltkrieg um die Welt zu erobern, die Hälfte haben sie bereits eingekauft.
MattKirby 14.09.2017
3. @isi-dor#1
Gegen den Staatskapitalismus chinesischer Art sind solche Mittel durchaus legitim, da sich diese den Regeln der freien Marktwirtschaft eben nicht unterwerfen. Das chinesische Investitionshandeln ist allein auf Vormachtstellung in [...]
Gegen den Staatskapitalismus chinesischer Art sind solche Mittel durchaus legitim, da sich diese den Regeln der freien Marktwirtschaft eben nicht unterwerfen. Das chinesische Investitionshandeln ist allein auf Vormachtstellung in Schlüsselbranchen ausgerichtet. Davon könnte sich das lahme Europa eine dicke Scheibe abschneiden. Und zu den Arbeitsplätzen; die sind nach abgreifen der Technologie eh weg.
tuxrunner 14.09.2017
4. Recht hat er
Lenin wird der Satz zugeschrieben: "Die Kapitalisten werden uns noch den Strick verkaufen, mit dem wir sie aufknüpfen." Wenn dieser Satz zutreffen sollte, dann ganz sicher auf Ihren Kommentar. Als wenn die [...]
Zitat von isi-dorTrump greift damit direkt in die freie kapitalistische Marktwirtschaft ein und vernichtet wahrscheinlich Arbeitsplätze, denn die Firma ist auf Investoren dringend angewiesen, um die Aktionäre zu bedienen. Von Protektionismus zum Wirtschaftskommunismus ist es nur ein kleiner Schritt. Trump geht ihn.
Lenin wird der Satz zugeschrieben: "Die Kapitalisten werden uns noch den Strick verkaufen, mit dem wir sie aufknüpfen." Wenn dieser Satz zutreffen sollte, dann ganz sicher auf Ihren Kommentar. Als wenn die Bedienung von Aktionären wichtiger wäre als die nationale Sicherheit, der sonst alles geopfert wird! Meine Güte - wenn diese Firma so wichtig ist, kann man sie zur Not auch verstaatlichen und die Aktionäre abfinden. Trump ist mir keineswegs symphatisch, aber wo er Recht hat, hat er Recht.
Ossifriese 14.09.2017
5. Intelligenz
Warum soll man dann noch militärisch nutzbare Technik schützen? Wenn die Chinesen einfach nur das tun, was alle anderen Globalplayer auch machen, so ist langfristig eine Aussperrung chinesischer Investitionen vom US-Markt [...]
Zitat von frenchie3war es doch ein Zeichen von Intelligenz darauf gehört zu haben. Die Chinesen brauchen keinen Weltkrieg um die Welt zu erobern, die Hälfte haben sie bereits eingekauft.
Warum soll man dann noch militärisch nutzbare Technik schützen? Wenn die Chinesen einfach nur das tun, was alle anderen Globalplayer auch machen, so ist langfristig eine Aussperrung chinesischer Investitionen vom US-Markt einfach nur dämlich.

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Baa3 BBB- BBB-
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Ba2 BB BB
Ba3 BB- BB-
B1 B+ B+ Hochspekulative Anlage
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B3 B- B-
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Caa2 CCC CCC
Caa3 CCC- CCC-
Ca CC CC
Ca C C
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