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Wirtschaft

Frankreich

Sozialisten verkaufen Parteigebäude in Paris

Bei den Parlamentswahlen im Juni schnitten Frankreichs Sozialisten schlecht ab, auch finanziell sieht es nicht gut aus: Nun haben sie beschlossen, ihr historisches Parteigebäude in Paris zu verkaufen.

AFP

PS-Parteizentrale in Paris

Mittwoch, 20.09.2017   00:54 Uhr

Seit Monaten wurde in Paris darüber spekuliert, nun gibt es die Bestätigung: Die nach den Wahlen merklich geschwächten französischen Sozialisten verkaufen ihr historisches Parteigebäude im schicken 7. Stadtbezirk der Hauptstadt. Dazu habe es eine Grundsatzentscheidung gegeben, bestätigte der Schatzmeister der Parti Socialiste (PS), Jean-François Debat.

Die PS hatte bei den Parlamentswahlen im Juni zahlreiche Sitze eingebüßt und muss nun mit erheblich weniger Geld auskommen. Medienberichten zufolge bedeuteten die Stimmverluste für PS Einbußen von rund hundert Millionen Euro in fünf Jahren. Das entspreche drei Viertel der Einnahmen der Partei, sagte Debat. Der größte Teil des Parteibudgets solle der politischen Arbeit dienen und nicht dem Unterhalt des Gebäudes an der Rue Solférino.

"Natürlich hängen wir alle am Sitz der Sozialistischen Partei", sagte Debat. Aber nach den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im Frühjahr sei den Genossen hinreichend eingetrichtert worden, dass "dies nicht nur eine Niederlage ist, sondern das Ende einer Epoche, einer Ära". Es müsse eingesehen werden, dass die "Neubegründung" der Partei auch anderswo bewerkstelligt werden könne als in dem traditionsreichen Gebäude.

Nach Angaben von "Le Monde" logiert die PS seit 1980 in der Rue Solférino auf rund 3000 Quadratmetern. In der Partei würden Spekulationen nicht dementiert, wonach das Bürohaus zwischen 40 und 70 Millionen Euro wert sein könnte, heißt es in dem Zeitungsbericht.

aar/dpa/AFP

insgesamt 2 Beiträge
mbb209 20.09.2017
1. Zahlreiche Sitze eingebüßt ist gut.
Schönfärberei ? Eine Partei, die 250 ihrer bisherigen 280 Sitzen verloren hat, wurde vom Wähler schlicht und ergreifend ausradiert und geht nun eben in Liquidation. 100 Mio weniger über fünf Jahre ? Da sieht man mal, dass der [...]
Schönfärberei ? Eine Partei, die 250 ihrer bisherigen 280 Sitzen verloren hat, wurde vom Wähler schlicht und ergreifend ausradiert und geht nun eben in Liquidation. 100 Mio weniger über fünf Jahre ? Da sieht man mal, dass der Selbstbedienungsladen namens Parteiendemokratie ein universales Problem ist.
allessuper 20.09.2017
2. Franzosen scheinen eh wieder mal schneller zu reagieren als
wir. Viele haben wohl schon verstanden, dass die Parteien als solche überholt sind und Schnee von gestern. Diesen Sitz zu verkaufen oder verkaufen zu müssen ist symbolisch ein echter Schritt, weil er genau das bekräftigt. [...]
wir. Viele haben wohl schon verstanden, dass die Parteien als solche überholt sind und Schnee von gestern. Diesen Sitz zu verkaufen oder verkaufen zu müssen ist symbolisch ein echter Schritt, weil er genau das bekräftigt. Erfreulicherweise gibt es aber zahlreiche Post-Parteien-Bewegungen, die sehr lebendig sind und an einer Welt von morgen arbeiten. Das hat Herr Macron, der ganz stramm die Wünsche seiner Geldgeber umsetzt, wohl noch nicht begriffen.

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