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Wirtschaft

Brexit-Besuch in London

Deutsche Wirtschaft schlägt bei May Alarm

Wirtschaftsvertreter aus Deutschland sind nach London gereist - im Gespräch mit Theresa May wollen sie das Schlimmste verhindern. Viele Firmen bereiten Notfallpläne zum Brexit vor.

Getty Images

Wirtschaftsdelegation am britischen Regierungssitz in der Londoner Downing Street

Montag, 13.11.2017   15:46 Uhr

Europäische Wirtschaftsverbände haben bei einem Treffen mit der britischen Premierministerin Theresa May eindringlich vor den Folgen eines ungeregelten EU-Austritts gewarnt. An dem Gespräch am Montag in London nahmen auch Vertreter des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) teil. Die Verhandlungen zwischen London und Brüssel verlaufen zäh. Großbritannien verlässt Ende März 2019 die EU.

"Ein Ende ohne Deal wäre für die Wirtschaft fatal", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer, Ulrich Hoppe. Besonders betroffen "wären zum Beispiel die deutsche Chemie- und Autoindustrie wie alle anderen Exporteure Richtung Großbritannien". Übergangsregeln nach dem EU-Ausstieg seien besonders wichtig. Hoppe bezeichnete das Treffen als "Flucht nach vorn".

Nach Angaben des britischen Wirtschaftsverbandes CBI (Confederation of British Industry) haben zahlreiche Firmen bereits Notfallpläne für den Fall des ungeregelten Austritts parat. An der Veranstaltung in London nahmen 15 Organisationen - etwa aus Frankreich, Irland und Schweden - und auch der britische Brexit-Minister David Davis teil.

Großbritannien will aus der EU, dem EU-Binnenmarkt und aus der Zollunion austreten. May hatte in einer Rede in Florenz auch eine Übergangsphase von etwa zwei Jahren ins Gespräch gebracht.

Angesichts der schleppenden Verhandlungen hatte Brüssel der britischen Regierung am vergangenen Freitag eine Frist von etwa zwei Wochen für Zugeständnisse gesetzt. Wenn es bis dahin keine Grundsatzeinigung gebe, werde man im Dezember nicht wie geplant mit den Gesprächen über die künftigen Beziehungen starten können. Für ein Austrittsabkommen würde die Zeit dann sehr knapp werden. Ohne Einigung scheidet Großbritannien ungeregelt aus der EU aus.

In den Brexit-Verhandlungen will Großbritannien vorerst keine "Zahl oder Formel" zu seinen Restschulden bei der EU nennen. Das sagte Brexit-Minister David Davis angesichts entsprechender Forderungen aus Brüssel. Die britischen Steuerzahler wollten nicht, "dass ich einfach daherkomme und Milliarden von Pfund weggebe". Man werde sich "Zeit nehmen, um die richtige Antwort zu finden".

apr/beb/dpa

insgesamt 166 Beiträge
helmut.alt 13.11.2017
1. Wenn der Rat der Weisen
von einer Überhitzung der deutschen Wirtschaft faselt, dann würde ein teilweises Wegbrechen des britischen Marktes für die deutschen Exporteure nicht so schlimm ausfallen. Also alles halb so wild.
von einer Überhitzung der deutschen Wirtschaft faselt, dann würde ein teilweises Wegbrechen des britischen Marktes für die deutschen Exporteure nicht so schlimm ausfallen. Also alles halb so wild.
m.m.s. 13.11.2017
2. Die Wirtschaft übernimmt
Theresa May wird zur Randfigur, so wie die EU-leaders, da die Wirtschaft die wirtschaftlichen Verhandlungen übernimmt. Ist genau richtig.
Theresa May wird zur Randfigur, so wie die EU-leaders, da die Wirtschaft die wirtschaftlichen Verhandlungen übernimmt. Ist genau richtig.
Juvavum 13.11.2017
3. Darauf haben die Briten die ganze Zeit gesetzt
... dass die europäische Industrie aufheult, und bei den eigenen Regierungen interveniert, um den Briten die Konditionen zu ermöglichen die sie anstreben: Teilnahme am Binnenmarkt ohne jegliche Kosten, und mit der Möglichkeit, [...]
... dass die europäische Industrie aufheult, und bei den eigenen Regierungen interveniert, um den Briten die Konditionen zu ermöglichen die sie anstreben: Teilnahme am Binnenmarkt ohne jegliche Kosten, und mit der Möglichkeit, jede Regel auch aufzuweichen, und ohne sich der gemeinsamen Gerichtsbarkeit zu unterwerfen. Es wäre der Tod der EU. Die deutschen Industrievertreter, die vor Monaten noch groß getönt haben, sie stünden 100% hinter Brüssel, zeigen sich hier als die prinzipienlosen Wendehälse, als die sie die Briten wohl zu Recht immer eingestuft haben.
ErichReichardt 13.11.2017
4. Oh was ist denn jetzt passiert!
Wenn ich an die Berichterstattung der Medien vor dem Brexit denke sind es doch die Briten die alles verlieren. In den schlimmsten Szenarios wurde ein Brexit beschrieben. Jetzt kommt die Wahrheit ans Licht! Deutschland wird dafür [...]
Wenn ich an die Berichterstattung der Medien vor dem Brexit denke sind es doch die Briten die alles verlieren. In den schlimmsten Szenarios wurde ein Brexit beschrieben. Jetzt kommt die Wahrheit ans Licht! Deutschland wird dafür buessen und zahlen. Und alle die der Presse weiterhin Glauben schenken egal um was es geht, wünsche ich kräftige Steuererhöhungen und viel Schweiß.
weblurch 13.11.2017
5. Autoindustrie
Achso, die arme Autoindustrie würde unter einem ungeregelten Brexit leiden. Im März 2019 ist mitnichten der Brexit für das Leid verantwortlich, sondern sie selbst und vom Staat gestützten festhalten an alten [...]
Achso, die arme Autoindustrie würde unter einem ungeregelten Brexit leiden. Im März 2019 ist mitnichten der Brexit für das Leid verantwortlich, sondern sie selbst und vom Staat gestützten festhalten an alten Verbrennungsmotoren.
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