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Wirtschaft

Schuldengipfel

Venezuela bietet Gläubigern nur Schokolade

Venezuela droht die Staatspleite. Doch ein Treffen mit Geldgebern war nach 30 Minuten vorbei. Dafür gab es bunte Geschenktüten.

Getty Images
Dienstag, 14.11.2017   08:09 Uhr

Das vom Staatsbankrott bedrohte Venezuela hat Gespräche der Regierung mit Gläubigern ohne Ergebnis zu Ende gehen lassen. Gerade einmal eine halbe Stunde dauerte das - Teilnehmern zufolge wirre - Treffen am Montag. "Es gab kein Angebot, keine Konditionen, keine Strategie, nichts", sagte einer der etwa hundert Geldgeber. Stattdessen wurden bunte Geschenktüten mit Schokolade und Kaffee aus Venezuela angeboten.

Die etwa hundert Investoren des Schuldengipfels in Venezuelas Hauptstadt Caracas, bei dem über eine Umschuldung im Volumen von 60 Milliarden Dollar verhandelt werden sollte, wurden über einen roten Teppich zum Verhandlungsort geführt. Im Inneren hing ein Poster des verstorbenen Präsidenten Hugo Chávez.

Zahlreiche Investoren hatten ihre Teilnahme bereits im Vorfeld abgesagt, weil ihnen nach eigenen Angaben nicht klar war, was Präsident Nicolas Maduro mit dem Treffen erreichen wollte.

Präsident Maduro schiebt Schuldendienst auf

Maduro hatte angesichts der katastrophalen Wirtschaftslage angekündigt, Schulden seines Landes nicht wie vereinbart zurückzuzahlen. Stattdessen soll zunächst die Lage der Bevölkerung in dem einst wohlhabenden und ölreichen Land verbessert werden, in dem viele Menschen mittlerweile im Müll nach Nahrungsmitteln suchen.

REUTERS

Venezuelas Präsident Nicolas Maduro

In Venezuela tobt seit Monaten ein erbitterter Machtkampf zwischen der linksnationalistischen Regierung und der Mitte-rechts-Opposition. Kritiker im In- und Ausland werfen der Regierung vor, die Demokratie in dem wirtschaftlich schwer gebeutelten Ölstaat abzuschaffen und eine Diktatur zu errichten. Mindestens 125 Menschen wurden bei den politischen Unruhen seit Anfang April getötet.

Am Montag verhängten die EU-Staaten Sanktionen gegen die venezolanische Regierung. Die EU-Außenminister beschlossen ein Verbot der Lieferung von Waffen und von Material, das für die "innere Unterdrückung" verwendet werden kann. Sie verzichteten jedoch darauf, schon jetzt Personen auf die Sanktionsliste zu setzen, um Maduro Zeit zur Beruhigung zu geben.

Venezuela muss Schulden in Milliardenhöhe begleichen - sonst droht dem Land der Staatsbankrott. Etwa 70 Prozent der Anteilseigner venezolanischer Anleihen stammen Caracas zufolge aus den USA oder Kanada. Auch China und Russland halten größere Anteile.

Die Ratingagenturen Fitch, S&P und Moody's stuften Venezuelas Kreditwürdigkeit bereits auf eine Stufe über der Zahlungsunfähigkeit herab. Venezuela ist mit geschätzten 155 Milliarden Dollar (133 Milliarden Euro) bei ausländischen Gläubigern verschuldet, obwohl es über die größten Erdölreserven der Welt verfügt. Die Devisenreserven sind auf weniger als zehn Milliarden Dollar zusammengeschmolzen.

Die Furcht der Gläubiger

Venezuelas Vizepräsident Tareck El Aissami und Wirtschaftsminister Simon Zerpa nahmen an dem Treffen am Montag teil. Sie sprachen mit einigen Geldgebern, andere Gläubiger blieben allerdings aus Furcht vor Strafen dem Treffen fern. Geldgebern mit Sitz in den USA ist es verboten, Vereinbarungen mit El Aissami oder Zerpa abzuschließen. Beide stehen auf der US-Sanktionsliste, die ihnen Korruption und Drogenhandel vorwirft.

Die Konferenz wurde von El Aissami geleitet. Er verlas eine Erklärung, in der er die Zahlungsschwierigkeiten seines Landes auf die US-Sanktionen zurückführte. Der venezolanische Vizepräsident sagte Teilnehmern zufolge, dass die Deutsche Bank bald einige Finanzdienstleistungen für Venezuela einstellen könnte. Die Bank wollte sich dazu nicht äußern.

Nach dem ergebnislosen Treffen der Gläubiger wurde auch kein neuer Termin für eine Zusammenkunft benannt. Es seien aber weitere Treffen angekündigt worden. Ein am Montag in New York tagender Gläubigerausschuss vertagte sich. Die venezolanische Regierung bezeichnete die Konferenz im staatlichen Fernsehsender VTV als "Erfolg".

kig/Reuters/dpa

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