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Wirtschaft

Kohleausstieg

Umweltbundesamt reicht wohl Stilllegung von zehn Kraftwerken

Die Jamaika-Koalitionäre in spe streiten über das Aus für Kohlekraftwerke. Die Grünen wollen für den Klimaschutz 20 Meiler stilllegen. Das Umweltbundesamt gibt sich offenbar mit weniger zufrieden.

DPA

Kohlekraftwerk Mehrum in Niedersachsen

Dienstag, 14.11.2017   18:38 Uhr

Das Umweltbundesamt (UBA) hat sich in den Streit um den Kohleausstieg unter den künftigen Jamaika-Partnern CDU, CSU, FDP und Grünen eingeschaltet. Die Behörde, die zum bislang noch SPD-geführten Umweltministerium gehört, schlägt vor, "kurzfristig" mindestens Kapazitäten in Höhe von fünf Gigawatt "der ältesten und ineffizientesten Braunkohlekraftwerke" stillzulegen, heißt es in einem Thesenpapier der Behörde. Zusätzlich müsse die Stromproduktion von Kohlekraftwerken gedrosselt werden, die älter als 20 Jahre sind. Außerdem müssten die erneuerbaren Energien stärker ausgebaut werden.

Die Reduktion des Kohlestroms gilt in den Jamaika-Sondierungen als eines der schwierigsten Themen. Um die Klimaschutzziele noch zu erreichen, hatten die Grünen gefordert, 20 Kohlemeiler abzuschalten. Grünen-Chefin Simone Peter lehnte das Angebot von Union und FDP zur Abschaltung von bis zu zehn größeren Kraftwerken ab.

Hintergrund des Streits um die Kohle ist, dass sich alle Verhandler zu den Klimaschutzzielen 2050, 2030 und 2020 bekennen. Die Abschaltung alter Kohlemeiler soll dafür etwa die Hälfte bringen. Den anderen Teil sollen Verkehr, Industrie und Gebäude liefern.

Die vom UBA nun vorgeschlagene Abschaltung von fünf Gigawatt würde Experten zufolge bedeuten, etwa zehn Kraftwerksblöcke abzuschalten. Da die Leistungen unterschiedlich sind, kommt es für die genaue Zahl allerdings darauf an, welche Blöcke betroffen wären. (Lesen Sie hier: Warum die CDU beim Kohleausstieg bremst.)

CDU-Ministerpräsident Tillich appelliert an Merkel

Der Vorschlag sieht vor, dass Braun- und Steinkohlekraftwerke, die älter als 20 Jahre sind, nur noch ein Strombudget von maximal 4000 sogenannten Volllaststunden pro Anlage pro Jahr produzieren dürfen. Kraftwerke laufen oft nicht auf Höchstleistung. Ein Budget von 4000 Volllaststunden bedeutet, dass ein Kraftwerk so viel Strom produzieren darf, wie in 4000 Stunden bei voller Auslastung möglich wäre. Das hat laut UBA "keine nennenswerten Auswirkungen auf die Zahl der dort Beschäftigten".

"Beide Maßnahmen sind die kostengünstigsten und am schnellsten umsetzbaren, um bis 2020 noch eine nennenswerte Reduktion des Treibhausgasausstoßes in der Energiewirtschaft zu erzielen", schreiben die Experten. Die Maßnahmen könnten bis 2020 etwa 50 bis 65 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Emissionen einsparen und den Rückstand Deutschlands auf das selbst gesetzte Ziel größtenteils aufholen, dann 40 Prozent weniger Treibhaushase als 1990 auszustoßen.

Sachsens scheidender CDU-Ministerpräsident Stanislaw Tillich wandte sich in der Debatte nun auch in einem Brief an Kanzlerin und Parteifreundin Angela Merkel. Er sei besorgt um die Braunkohleindustrie in seinem Land. "Unsere Stabilität in der Energieversorgung wird fahrlässig riskiert, wenn Gutachten wie das der Agora Energiewende suggerieren, die Versorgungssicherheit könnte auch ohne Braunkohleverstromung in jedem Fall gewährleistet werden", heißt es in dem Schreiben. "Diese Aussagen beruhen auf nicht haltbaren Annahmen."

Die Denkfabrik Agora hatte errechnet, die Abschaltung von 20 Braunkohlekraftwerken würde die Stromversorgung Deutschlands nicht gefährden. Es müssten lediglich Stromexporte reduziert werden, hatte die "Bild"-Zeitung berichtet. Agora war vom Grünen-Staatssekretär Rainer Baake mitgegründet worden, als dieser während der schwarz-gelben Regierungsjahre pausieren musste.

apr/dpa

insgesamt 99 Beiträge
dr.könig 14.11.2017
1. Emissionsfreie Kraftwerke an Saar und Ruhr.
Die RAG hat Machbarkeitsstudien für z.B. Schachtanlage Prosper Haniel und Nordschacht Saar erstellt, um Pumpspeicherkraftwerke zu bauen. Keine Emissionen, Netzanschlüsse vorhanden, Infrastrukturen da, d.h.keine Anwohnerklagen. [...]
Die RAG hat Machbarkeitsstudien für z.B. Schachtanlage Prosper Haniel und Nordschacht Saar erstellt, um Pumpspeicherkraftwerke zu bauen. Keine Emissionen, Netzanschlüsse vorhanden, Infrastrukturen da, d.h.keine Anwohnerklagen. Was fehlt ist grünes Licht aus Berlin. Das ist die Zukunft. Packen wir es an.
karl-felix 14.11.2017
2. Nun ja
auf dem Weg zu einem EE-Anteil von mindestens 80% in 2050 ein wichtiger und richtiger Schritt. Jetzt die Stilllegung analog dem Atomausstieg pro Kraftwerk fest datieren . In meinen Augen ist es nicht mehr zu vertreten , dass [...]
auf dem Weg zu einem EE-Anteil von mindestens 80% in 2050 ein wichtiger und richtiger Schritt. Jetzt die Stilllegung analog dem Atomausstieg pro Kraftwerk fest datieren . In meinen Augen ist es nicht mehr zu vertreten , dass auch nur noch ein einziger Bürger seine Heimat des Braunkohlestromes wegen verliert . Dazu gibt es zu viele verschiedene Möglichkeiten Strom zu erzeugen . Also abschalten der Menschen und der Umwelt zuliebe und Stromeinsparen auf Teufel komm raus durch Effizienzsteigerungen . Macht die Autos kleiner und leichter, die Parkhäuser platzen aus allen Nähten . .
shechinah 14.11.2017
3. Wasser
Und wo kommt das Wasser her? Leiten wir dann den Rhein für ne Woche um?
Zitat von dr.königDie RAG hat Machbarkeitsstudien für z.B. Schachtanlage Prosper Haniel und Nordschacht Saar erstellt, um Pumpspeicherkraftwerke zu bauen. Keine Emissionen, Netzanschlüsse vorhanden, Infrastrukturen da, d.h.keine Anwohnerklagen. Was fehlt ist grünes Licht aus Berlin. Das ist die Zukunft. Packen wir es an.
Und wo kommt das Wasser her? Leiten wir dann den Rhein für ne Woche um?
aschie 14.11.2017
4. So einfach ist das
Da braucht das Bundesumweltamt ja nur noch dem Klima bescheid sagen. Das hatte sich auf 20 eingestellt und muss jetzt etwas wenieger Warm werden.Was für eine Farce. Also dann lassen wir das doch was soll`s mir wird es auch nach [...]
Da braucht das Bundesumweltamt ja nur noch dem Klima bescheid sagen. Das hatte sich auf 20 eingestellt und muss jetzt etwas wenieger Warm werden.Was für eine Farce. Also dann lassen wir das doch was soll`s mir wird es auch nach einer Klimaerwärmung gut gehen . Ich hab auch kein Problem wenn demnächst noch 10 mio Klimaflüchtlinge hier auftauchen ob die Afd und andere Klimawandelleugner das auch so sehen bezweifle ich mal vorsichtig.
DrWimmer 14.11.2017
5. Hoffentlich richten sich Wind und Sonne danach!
Heute wird immer argumentiert, dass auch bei Dunkelflaute (wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint) Deutschland noch einen leichten Strom-Überschuss hat und exportieren kann. Zum einen ist es in Sachen Energiesicherheit für [...]
Heute wird immer argumentiert, dass auch bei Dunkelflaute (wenn kein Wind weht und keine Sonne scheint) Deutschland noch einen leichten Strom-Überschuss hat und exportieren kann. Zum einen ist es in Sachen Energiesicherheit für ein Industrieland durchaus klug ein paar Überkapazitäten zu haben, wenn mal Kraftwerke in Wartung sind oder anderweitig ausfallen. Zum anderen werden da aktuell noch die AKW mit gerechnet, die 2022 vom Netz gehen müssen. Und dann? Es ist ja schön, dass man darüber feilscht was man politisch/ideologogisch alles gerne nicht mehr haben will. Aber um die Erneuerbaren zum Erfolg zu führen, braucht es Stromspeicher, Trassen, Konverter usw. Genau diese Anlagen werden seit 10 Jahren von den Umweltschützern bekämpft, die im Bund die Energiewende und den Atom- sowie Kohleausstieg am liebsten sofort haben wollen. Aber nur mit Ausstieg allein ist es nicht getan. Momentan wird alles einfach nur maximal teuer und wirkt auf die Welt total abschreckend. So das Australien seine Energiewende mal eben quasi rückabgewickelt hat und andere gar nicht erst daran denken dem deutschen Beispiel zu folgen. Da nutzen auch scheinbar kluge Hinweise auf China und zum dortigen Erneuerbaren-Ausbau nichts, wenn dort zur gleichen Zeit Kohle und Atom noch viel stärker ausgebaut werden. Die Politik muss weg von der ganzen teuren Idiotie und Ideologie! Und man muss mal weg vom ganzen "das geht nicht" in Deutschland. Wir diskutieren, demonstrieren und blockieren uns hier zu Tode. Wenn wir Trassen brauchen, brauchen wir Trassen. Keine 10 Jahre Diskussionen in denen nichts gebaut werden kann.

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