Lade Daten...
10.03.2011
Schrift:
-
+

Tarifkampf

Angestellte im Öffentlichen Dienst erhalten 2,3 Prozent mehr Lohn

Demonstrant in Düsseldorf: Einigung nach langem Arbeitskampf
DPA

Demonstrant in Düsseldorf: Einigung nach langem Arbeitskampf

Durchbruch in der dritten Verhandlungsrunde: Gewerkschaften und Arbeitgeber haben eine Tarifeinigung erzielt. Die rund 600.000 Angestellten des Öffentlichen Dienstes der Länder erhalten 2,3 Prozent mehr Lohn.

Potsdam - Lange wurde gefeilscht, jetzt ist der Kompromiss da: Die Gewerkschaften Ver.di und dbb Tarifunion und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) haben sich geeinigt. Für die fast 600.000 Angestellten des Öffentlichen Dienstes der Länder soll es ab 1. April 1,5 Prozent mehr Lohn und eine Einmalzahlung von 360 Euro geben. Das sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft GEW in Brandenburg, Günther Fuchs, am Donnerstagabend.

Zum 1. Januar 2012 sei eine weitere Tariferhöhung um 1,9 Prozent vereinbart. Hinzu komme dann ein Sockelbetrag von monatlich 17 Euro. Der Tarifvertrag läuft bis Ende 2012.

Die Gewerkschaften waren mit Forderungen nach 50 Euro mehr im Monat und einer linearen Erhöhung von drei Prozent in die Tarifrunde gegangen. Das hielten die Arbeitgeber für überzogen und nicht finanzierbar. Außerdem streben die Gewerkschaften die erstmalige tarifliche Eingruppierung von angestellten Lehrern und eine Übernahmegarantie für Auszubildende an. Die Eingruppierung der 200.000 angestellten Lehrer wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur dapd nicht beschlossen.

Der Verhandlungsführer der Tarifunion des Beamtenbundes dbb, Frank Stöhr, wertete den Abschluss trotzdem positiv: Es sei ein komplizierter Balanceakt gelungen, der der Haushaltslage der Länder und den Beschäftigten gerecht werde, für die es nach Jahren der Reallohnverluste keine weitere Minusrunde hätte geben dürfen. "Ein reales Einkommensplus - das war unser wichtigstes Ziel, und das haben wir erreicht."

In der vergangenen Woche hatten Angestellte des Öffentlichen Dienstes tagelang für höhere Löhne gestreikt. In Uni-Kliniken, Polizei- und Feuerwehrwachen, Gerichten, Universitäten, Theatern und Verwaltungen in der ganzen Republik ruhte die Arbeit. Zehntausende Menschen kamen zu Protestkundgebungen zusammen.

Telekom ruft in Tarifkonflikt mit Ver.di Schlichter an

In einem anderen großen Tarifstreit verhärten sich dagegen die Fronten. Ver.di fordert für die Telekom-Mitarbeiter 6,5 Prozent mehr Geld - mindestens jedoch 170 Euro - bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Telekom hatte zuletzt angeboten, die Entgelte um 2,17 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten zu erhöhen.

Die Tarifgespräche waren am Mittwoch in der vierten Runde ergebnislos abgebrochen worden. Ver.di hatte kritisiert, die Telekom habe kein verbessertes Angebot vorgelegt, während der Konzern beklagte, eine Einigung sei auch in kleinem Kreis unmöglich gewesen.

Nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen leitete das Unternehmen eine Schlichtung ein. Schlichter soll der ehemalige Hamburger Bürgermeister Henning Voscherau (SPD) werden, teilte die Telekom am Donnerstag mit. Das erste Schlichtungsgespräch soll nach Telekom-Angaben Ende kommender Woche in Hamburg stattfinden. Während der Schlichtungsphase darf es keine Streiks geben.

Anmerkung der Redaktion: In der Überschrift hieß es in einer früheren Version des Artikels, die Beschäftigten bekämen drei Prozent mehr Lohn. Dieser Wert beinhaltet jedoch die Erhöhungen von 2011 und 2012. Wir haben die Überschrift daher geändert.

ssu/dpa/dapd/Reuters

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 62 Beiträge
1. Schwer
GerwinZwo 10.03.2011
Also so schwer kanns doch nicht sein, Grundrechnung reicht doch schon: wenn ich, sagen wir, 3 % Erhöhung fordere, laufzeit EIN Jahr, heraus kommt dann eine Laufzeit von ZWEI Jahren, mit Erhöhung pro Jahr um je 2%, dann ist das [...]
Also so schwer kanns doch nicht sein, Grundrechnung reicht doch schon: wenn ich, sagen wir, 3 % Erhöhung fordere, laufzeit EIN Jahr, heraus kommt dann eine Laufzeit von ZWEI Jahren, mit Erhöhung pro Jahr um je 2%, dann ist das doch irreführend von einer "vierprozentigen" Steigerung zu schreiben, oder was sehe ich da falsch? Zurück zum Abschluß: ja, es sind 3%, aber eben für 2 Jahre hochgerechnet, also 1,5% pro Jahr. Das gleicht nicht einmal die Inflation aus....naja, herr Bsirske wirds als Erfolg feiern....
2. enttäuschend!
wolke4 10.03.2011
Bei nur 1,5% pro Jahr ist mir schleierhaft, warum Ver.di sich dann auch noch auf eine Laufzeit von 2 Jahren einlässt. Vielleicht steigt die Inflationsrate ja noch auf 3%, ergäbe dann ein Reallohnverlust von 1,5% pro Jahr!
Bei nur 1,5% pro Jahr ist mir schleierhaft, warum Ver.di sich dann auch noch auf eine Laufzeit von 2 Jahren einlässt. Vielleicht steigt die Inflationsrate ja noch auf 3%, ergäbe dann ein Reallohnverlust von 1,5% pro Jahr!
3. Schlechter Witz
WernerSchibulski 10.03.2011
5% fordern und dank irgendwelcher Milchmädchenrechnungen 3 % erhalten ist ein Witz. Der Inflationsausgleich ist nicht erreicht worden. Da kann man noch soviel hin und her rechnen. Der ÖD sollte sich mal die GDL zum Vorbild [...]
5% fordern und dank irgendwelcher Milchmädchenrechnungen 3 % erhalten ist ein Witz. Der Inflationsausgleich ist nicht erreicht worden. Da kann man noch soviel hin und her rechnen. Der ÖD sollte sich mal die GDL zum Vorbild nehmen. Bevor hier wieder das ÖD-Bashing beginnt. Sicherheit im Job bezahlt noch lange keine Rechnungen.
4. Von wegen Sicherheit
otmars1 10.03.2011
Sichrheit gibts auch nicht mehr denn die meisten haben heute Zeitverträge und das heisst 2+2 Jahre und dann Ende. Wie Sie da auf Sicherheit kommen ist mir ein Rätsel.
Zitat von WernerSchibulski5% fordern und dank irgendwelcher Milchmädchenrechnungen 3 % erhalten ist ein Witz. Der Inflationsausgleich ist nicht erreicht worden. Da kann man noch soviel hin und her rechnen. Der ÖD sollte sich mal die GDL zum Vorbild nehmen. Bevor hier wieder das ÖD-Bashing beginnt. Sicherheit im Job bezahlt noch lange keine Rechnungen.
Sichrheit gibts auch nicht mehr denn die meisten haben heute Zeitverträge und das heisst 2+2 Jahre und dann Ende. Wie Sie da auf Sicherheit kommen ist mir ein Rätsel.
5. Ergebnis war so zu erwarten...
Burkhard58 10.03.2011
Leider ist die Kampfbereitschaft weiter Bereiche der öffentlich Beschäftigten eher gering. Besonders negativ fallen dabei die "Schreibtischtäter" durch ihr ausgeprägtes Schmarotzertum auf. Die lassen Strassenwärter, [...]
Leider ist die Kampfbereitschaft weiter Bereiche der öffentlich Beschäftigten eher gering. Besonders negativ fallen dabei die "Schreibtischtäter" durch ihr ausgeprägtes Schmarotzertum auf. Die lassen Strassenwärter, Krankenwärter und Schleusenwärter für sich streiken und halten dann die Hände auf. Bravo!

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Verwandte Themen

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter RSS
alles zum Thema Streiks im Öffentlichen Dienst
RSS
Top

© SPIEGEL ONLINE 2013 Alle Rechte vorbehalten