05.12.2011
Notenbank-Aktion
Internationaler Währungsfonds soll den Euro retten
IWF-Logo in Washington: Finanzierung soll Märkte beruhigen
Brüssel - Es geht um die mögliche Rettung von großen Ländern wie Italien oder Spanien: Die europäischen Regierungen erwägen offenbar, den Internationalen Währungsfonds (IWF) im großen Stil zu stärken, um die Schuldenkrise zu beenden. Nach Informationen der "Welt" aus verhandlungsnahen Kreisen sollen die 17 Zentralbanken der Euro-Zone einen dreistelligen Milliardenbetrag in einen Spezialfonds einzahlen, aus dem dann Programme für Krisenländer finanziert werden. Auch andere Zentralbanken wie beispielsweise die amerikanische Fed sollen offenbar dazu bereit sein, einen Teil der Kosten zu finanzieren.
Ein solcher Rettungsfonds könnte ein Bestandteil der Pläne werden, die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bei ihrem Treffen an diesem Montag in Paris als Vorbereitung auf den EU-Gipfel am 8. und 9. Dezember besprechen wollen. Auch US-Finanzminister Timothy Geithner kommt diese Woche nach Europa, um sich mit führenden Politikern und Notenbankern zu treffen.
Die Euro-Finanzminister hatten bei ihrem Treffen Ende November bereits beschlossen, die Ressourcen des IWF aufzustocken. Grund: Die Hebelung des Rettungsfonds EFSF fällt kleiner aus als gedacht. Sollten Länder wie Italien oder Spanien in Not geraten, gingen Europa die Gelder aus. Es werde rasch geprüft, die Mittel des IWF über bilaterale Kredite der Mitgliedsländer oder über neue Sonderziehungsrechte zu erhöhen, hieß es in Brüssel. Die höhere Finanzkraft des IWF sei notwendig, damit dieser dem EFSF weiter zur Seite stehen könne. Die Finanzierung soll vor allem auch die Märkte beruhigen.
Nun gehen die Diskussionen über die Art der Finanzierung und die Höhe in die heiße Phase. Vertreter der Euro-Zone haben verschiedene Summen genannt, die von den Zentralbanken dem Fonds als bilaterale Kredite zur Verfügung gestellt werden könnten. Sie reichen laut Nachrichtenagentur Reuters von "deutlich weniger als 100 Milliarden Euro" bis hin zu "mehreren 100 Milliarden Euro". Ein hochrangiger Teilnehmer der Gespräche sagte jedoch, dass es sich bei sämtlichen Zahlen derzeit um reine Spekulation handele. Der IWF ist bisher schon mit einem Drittel an laufenden Rettungspaketen beteiligt, doch in den Schwellenländern wächst der Unmut gegen noch mehr Hilfe für die reiche Euro-Zone.
Vorbild sind die Notfonds aus Zeiten der Ölkrise
Vorbild für die diskutierte Finanzierung sind laut "Welt" zwei Ölfonds, die der Währungsfonds Anfang der siebziger Jahre für jene Länder schuf, die besonders vom Ölpreisschock betroffen waren.
Allerdings ist das Vorhaben sehr umstritten. Denn der Umweg über den IWF ändert nichts an der Tatsache, dass es sich hier um eine Finanzierung von staatlichen Defiziten mit Zentralbankgeld handelt. "Das ist ein Taschenspielertrick", heißt es laut Zeitung in Notenbankkreisen. "Wir sollen die Staaten nicht direkt finanzieren, sondern es wird über den IWF umgeleitet."
yes/Reuters
