28.12.2011
Iran
Blockade könnte Ölpreis auf Rekordniveau treiben
Von Florian DiekmannAuch wenn die Straße von Hormus als Handelsweg ausfallen sollte - Verbraucher müssen sich vorerst keine Sorgen machen, dass das Öl knapp würde. Zwar wurde 2009 täglich knapp ein Fünftel der weltweiten Lieferungen über die Meerenge transportiert - dennoch würde es lange dauern, bis es wirklich zu Engpässen kommt.
Die Industriestaaten zumindest haben strategische Ölreserven angelegt. Die 28 Länder, die sich in der International Energieagentur (IEA) zusammengeschlossen haben, haben Reserven, mit denen sie sich 90 Tage lang komplett selbst versorgen können. Die USA und auch Deutschland bunkern sogar noch mehr Öl. Zu diesen strategischen Reserven der Staaten kommen noch Vorräte der Ölwirtschaft, etwa im Hafen von Rotterdam. Bukold schätzt, dass diese zusätzlichen Reserven den Bedarf von 20 bis 30 weiteren Tagen abdecken.
Da von einer Blockade der Straße von Hormus lediglich ein Fünftel der weltweiten Lieferungen betroffen sind, würden die gesamten Reserven der Industriestaaten ihren Bedarf also rechnerisch etwa 500 Tage lang decken. Auch wenn man die Nachfrage aus dem Rest der Welt einkalkuliert, würde es lange dauern, bis eine echte Knappheit droht.
Zudem stehen zumindest für einen Teil der Liefermenge Alternativrouten bereit. Saudi-Arabien etwa verfügt vor allem zu diesem Zweck über eine Pipeline, die etwa 4,8 Millionen Barrel täglich quer durch das Land zum Roten Meer transportieren kann. Fast ein Drittel des Ausfalls könnte so kompensiert werden.
Iran müsste eine Blockade der Straße von Hormus also über einen langen Zeitraum durchhalten, um für eine Ölknappheit in den Industriestaaten zu sorgen - angesichts der militärischen Überlegenheit der USA und der Schwierigkeiten, die das Regime selbst durch eine Blockade bekäme, ist das ein sehr unrealistisches Szenario.


