28.12.2011
Iran
Blockade könnte Ölpreis auf Rekordniveau treiben
Von Florian DiekmannHamburg - Die Warnung des iranischen Vizepräsidenten war unmissverständlich: "Nicht ein Tropfen Öl" werde die Straße von Hormus passieren, sollte der Westen tatsächlich Sanktionen gegen die Ölexporte des Landes verhängen, ließ Mohammed Resa Rahimi am Dienstag über die staatliche Nachrichtenagentur verlauten. Und das Regime in Teheran unterstreicht seine Ankündigung derzeit mit einem zehntägigen Manöver: Seit Samstag simuliert die Marine die Blockade des Handelswegs.
Die Rohstoffmärkte reagierten sofort: Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Marke WTI stieg nach der Drohung Irans um zwei Prozent und durchbrach die 100-Dollar-Marke. Schließlich ist die Meerenge zwischen dem auf der Arabischen Halbinsel gelegenen Oman und Iran das Nadelöhr für die Ölexporte am Persischen Golf: Nach Angaben des US-Energieministeriums passierten im Jahr 2009 im Schnitt täglich 15,5 Millionen Barrel die Straße von Hormus, das entspricht 17 Prozent des weltweit gehandelten Öls. Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank, bezeichnet die Straße von Hormus daher als "wichtigste Ölarterie der Welt".
US-Flotte: Blockade "wird nicht toleriert"
Die US-Marine ließ bereits verlauten, sie "unterhalte eine robuste Präsenz" in der Region. "Es wird keine Unterbrechung geduldet", erklärte die Sprecherin der im Golfkönigreich Bahrain stationierten Fünften US-Flotte, Rebecca Rebarich. "Jeder, der die Freiheit der Seefahrt in einer internationalen Meeresenge bedroht oder behindert, stellt sich klar außerhalb der Staatengemeinschaft. Solch eine Behinderung wird nicht toleriert."
"Der freie Verkehr von Gütern und Dienstleistungen durch die Straße von Hormus ist entscheidend für den Wohlstand der Region und der Welt", so Rebarich weiter. Die Fünfte US-Flotte "bekennt sich zum Schutz maritimer Freiheiten, die die Basis des globalen Wohlstands sind. Das ist einer der Hauptgründe dafür, dass unsere Streitkräfte in dieser Region operieren."
Hintergrund von Irans Drohgebärden sind Pläne der USA und der EU, die Sanktionen gegen das Land zu verschärfen, um zu verhindern, dass es Atomwaffen baut. Die Sanktionen würden Iran hart treffen, sie sind gegen die Ölexporte des Landes gerichtet. Das wirtschaftlich ohnehin angeschlagene Iran ist auf diese Einnahmen dringend angewiesen.
Was passiert, wenn Iran die Straße von Hormus tatsächlich blockiert? Explodieren dann die Ölpreise? Droht gar eine Ölnot? Antworten auf die wichtigsten Fragen.


