06.02.2012
Euro-Krise
IWF warnt China vor drastischem Wachstums-Einbruch
Bauarbeiter in der Provinz Shanxi: Euro-Krise könnte Chinas Boom beenden
Peking - Der Internationale Währungsfonds (IWF) übt überraschend starken Druck auf China aus: Die einflussreiche Organisation verlangt von der Regierung in Peking, sich stärker in die Lösung der Euro-Krise einzuschalten - mit Investitionen in den schuldengeplagten Ländern. Das Drohgebilde des Währungsfonds: Sollte sich die Volksrepublik zurückhalten, könnte sich die Krise drastisch verschärfen und Chinas Wirtschaft mit in die Tiefe reißen.
Schon jetzt kassierte der IWF seine ursprüngliche Prognose für Chinas Wirtschaftswachstum. Im laufenden Jahr rechnet die Organisation in ihrem Ausblick mit einem Wachstum von nur noch 8,25 Prozent. Vorher hatte der IWF dem Land noch ein Plus von neun Prozent vorhergesagt. Allerdings könnte sich der Wert auf vier Prozent halbieren, wenn die Krise in Europa anhalte, so die Warnung des IWF.
In den vergangenen Jahren war die chinesische Wirtschaft meist mit Raten um zehn Prozent gewachsen. Auch 2011 hatte das Bruttoinlandsprodukt um 9,2 Prozent zugelegt. Zuletzt verdichteten sich jedoch die Anzeichen, dass Chinas Wirtschaft die Rolle des Weltenretters nicht mehr uneingeschränkt übernehmen kann. Aus Angst vor einer Überhitzung hatte die Regierung in Peking in den vergangenen Monaten zudem ihre Kreditvergabe und andere Investitionen zurückgefahren.
Investitionsprogramm von 55 Milliarden Euro gefordert
Der IWF stützt mit seiner jetzigen Aufforderung die europäischen Staats- und Regierungschefs, die seit langem um Gelder aus China buhlen, vor allem für den Rettungsschirm EFSF. Seit Beginn der Schuldenkrise hatte die Volksrepublik zwar wiederholt Hilfen angekündigt, etwa durch den Kauf griechischer Staatsanleihen. Die Zusagen blieben jedoch meist unkonkret. Unbestätigten Schätzungen zufolge hält China bereits europäische Staatsanleihen im Wert von mehr als 500 Milliarden Dollar. Mit rund 3,2 Billionen Dollar (2,4 Billionen Euro) besitzt China die größten Devisenreserven der Welt.
Vergangene Woche hatte Premier Wen Jiabao während des China-Besuchs von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zudem angekündigt, dass die Regierung erstmals ein direktes Engagement bei den Rettungsschirmen EFSF und ESM prüfe. Konkrete Zusagen vermied der Premier jedoch.
Der IWF forderte China nun zusätzlich dazu auf, die Binnenkonjunktur anzukurbeln. Mit einer Investition von umgerechnet rund 55 Milliarden Euro könnte der Rückgang des Wachstums um einen Prozentpunkt verlangsamt werden, hieß es in dem Bericht. Der IWF ist selbst in die Euro-Rettung involviert. Er stellt bedeutende Teile der Rettungspakete für Griechenland, Portugal und Irland.
yes/dapd
