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20.02.2012
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Blockade am Frankfurter Flughafen

"Streik ist immer Erpressung"

dapd

Der Streik am Frankfurter Flughafen wird schmutzig. Im Interview erhebt Verhandlungsführer Markus Siebers schwere Vorwürfe gegen seinen Arbeitgeber. Der Gewerkschafter will Fraport beim Verkehrsministerium anschwärzen - weil der Flughafen gegen Sicherheitsrichtlinien verstoße.

SPIEGEL ONLINE: Mindestens bis Mittwoch will Ihre Gewerkschaft am Frankfurter Flughafen streiken. Hunderte Flüge fallen aus, weil gerade mal 200 Vorfeld-Mitarbeiter mehr Geld wollen. Wo hört eigentlich der legitime Arbeitskampf auf, wo fängt Erpressung an?

Siebers: Streik ist immer auch ein Stück weit Erpressung. Das gilt für kleine genauso wie für große Gewerkschaften. Streik ist das letzte Mittel, das Arbeitnehmer haben.

SPIEGEL ONLINE: Der Flughafenbetreiber Fraport sagt, trotz Streik würden bis zu 70 Prozent der Flüge abgefertigt. Glauben Sie das?

Siebers: Das ist durchaus möglich. Doch die Frage ist, wie Fraport das schafft: Sie setzen Leute als Vorfeld-Kontrolleure ein, die den Job gar nicht machen dürfen. Selbst nach internen Richtlinien dürfte der Flughafen diese Mitarbeiter da gar nicht einsetzen.

SPIEGEL ONLINE: Was sind das für Leute? Die werden kurzfristig geschult, um Jets von der Landebahn zum Gate zu leiten?

Siebers: Ja, genau. Aber die Beschäftigten, die das sonst machen, werden zwei Jahre ausgebildet, um dem Druck in dem Job dauerhaft standhalten zu können. Jetzt nimmt Fraport irgendwen, drückt dem ein Mikro in die Hand und hofft, dass das gut geht. Eine gefährliche Strategie.

SPIEGEL ONLINE: Das sind schwere Vorwürfe. Können Sie das belegen?

Siebers: Wir haben Informationen von der Flugsicherungsakademie in Langen, dort werden Leute im Schnellverfahren durchgeschleust und wir werden uns auch offiziell an das Hessische Verkehrsministerium wenden. Mal schauen, was die jetzt dazu sagen.

SPIEGEL ONLINE: Klar ist aber, dass Ihr Drohpotential schrumpft.

Siebers: Naja. Es läuft mehr Verkehr, als wir erwartet haben. Aber der Streik ist trotzdem ein Erfolg. Es geht doch um mehr als um annullierte Flüge. Dazu kommen die Verspätungen und noch wichtiger: Die Buchungszahlen bei den Airlines sind eingebrochen.

SPIEGEL ONLINE: Es fliegen also weniger Leute via Frankfurt?

Siebers: Ja. Nach unseren Informationen sind die Flieger deutlich leerer als normalerweise.

SPIEGEL ONLINE: Laut Fraport wollen sie auf 70 Prozent mehr Gehalt in vier Jahren kommen. Ist das nicht etwas dreist?

Siebers: Da wird ja viel durcheinander geworfen. Zum einen vertreten wir Vorfeld-Kontrolleure, das sind Lotsen, die am Boden zuständig sind. Dazu kommen aber auch Mitarbeiter der Vorfeldaufsicht, die den Verkehr auf den Betriebsflächen des Flughafens regeln. Die Zuwächse sind bei den einzelnen Mitarbeitern extrem unterschiedlich. Da gibt es ältere Arbeitnehmer, die bekommen zwischen null und fünf Prozent mehr. Und dann gibt es tatsächlich Jüngere, die sollen zwischen 30 und 50 Prozent mehr bekommen, aber verteilt auf vier Jahre. Auf 70 Prozent kommt niemand, die Zahl hat Fraport in die Welt gesetzt.

SPIEGEL ONLINE: Wie viel bekommen diese Mitarbeiter denn derzeit?

Siebers: In der Vorfeldaufsicht gibt es viele Kollegen, die weniger als 30.000 Euro brutto im Jahr verdienen. Bei einer 39-Stunden-Woche, wechselnden Schichten, tags und nachts. Das finde ich nicht wirklich üppig. Dass wir die auf ein vernünftiges Niveau heben wollen, sollte das Ziel jeder Gewerkschaft sein.

SPIEGEL ONLINE: Und wie viel verdient man in der Vorfeldaufsicht in Frankfurt maximal?

Siebers: Der Schlichterspruch nennt hier einen Betrag von circa 50.000 Euro brutto pro Jahr.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Kurs wird sogar aus den eigenen Reihen scharf kritisiert. Sie schaden dem Ruf von Gewerkschaften, heißt es, weil Sie ihr Drohpotential so offen ausspielen.

Siebers: Nehmen Sie es mir nicht übel, aber das grenzt schon an Demagogie, was Ver.di da von sich gibt. Jeder setzt doch das ein, was er an Macht hat. Was denn auch sonst? Die großen Gewerkschaften haben dieses Drohpotential offensichtlich nicht. Okay. Aber dass wir unsere Macht unverhältnismäßig einsetzen, kann doch niemand behaupten: Es ist der erste echte Arbeitskampf, den wir seit 1973 machen. Und da war es eigentlich gar kein richtiger Streik, sondern ein sogenannter Slow Go, sprich: Die Arbeit wurde gedrosselt.

Das Interview führte Christian Teevs

Forum

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insgesamt 75 Beiträge
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steelman 20.02.2012
"Hunderte Flüge fallen aus, weil gerade mal 200 Vorfeld-Mitarbeiter mehr Geld wollen." Streik ist ein Grundrecht. es wird nicht wertvoller oder unwichtiger, nur weil die Zahl der Streikenden bzw. vom Streik [...]
"Hunderte Flüge fallen aus, weil gerade mal 200 Vorfeld-Mitarbeiter mehr Geld wollen." Streik ist ein Grundrecht. es wird nicht wertvoller oder unwichtiger, nur weil die Zahl der Streikenden bzw. vom Streik Betroffenen steigt oder sinkt.
2.
makuzei 20.02.2012
sie irren gewaltig. es verstösst gegen das demokratische grundprinzip der verhältnismässigkeit,wenn der schaden unverhältnismässig ist.- im übrigen ist solch streik verfassungswidrig,was ich aaO gepostet habe.
Zitat von steelman"Hunderte Flüge fallen aus, weil gerade mal 200 Vorfeld-Mitarbeiter mehr Geld wollen." Streik ist ein Grundrecht. es wird nicht wertvoller oder unwichtiger, nur weil die Zahl der Streikenden bzw. vom Streik Betroffenen steigt oder sinkt.
sie irren gewaltig. es verstösst gegen das demokratische grundprinzip der verhältnismässigkeit,wenn der schaden unverhältnismässig ist.- im übrigen ist solch streik verfassungswidrig,was ich aaO gepostet habe.
3.
citizen_kane 20.02.2012
Natürlich ist er das. Das sieht unser Grundgesetz auch ausdrücklich so vor. Man kann nur verhandeln, wenn man sich auf gleicher Augenhöhe begegnet.
Zitat von sysopStreik ist immer Erpressung Blockade am Frankfurter Flughafen: "Streik ist immer*Erpressung" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,816472,00.html)
Natürlich ist er das. Das sieht unser Grundgesetz auch ausdrücklich so vor. Man kann nur verhandeln, wenn man sich auf gleicher Augenhöhe begegnet.
4. GdF verursacht Kollateralschaden am Flughafen Stuttgart
markus-kohler 20.02.2012
Da wird man doch sehr hellhörig. „Es ist der erste echte Arbeitskampf, den wir seit 1973 machen.“ Da wird man doch sehr hellhörig. Und was war der GdF Streik 2009 am Flughafen Stuttgart, ein Probelauf? Am Flughafen [...]
Zitat von sysopDer Streik am Frankfurter Flughafen wird schmutzig. Im Interview erhebt Verhandlungsführer Markus Siebers schwere Vorwürfe gegen seinen Arbeitgeber. Der Gewerkschafter will Fraport beim Verkehrsministerium anschwärzen - weil der Flughafen gegen Sicherheitsrichtlinien verstoße. Blockade am Frankfurter Flughafen: "Streik ist immer*Erpressung" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,816472,00.html)
Da wird man doch sehr hellhörig. „Es ist der erste echte Arbeitskampf, den wir seit 1973 machen.“ Da wird man doch sehr hellhörig. Und was war der GdF Streik 2009 am Flughafen Stuttgart, ein Probelauf? Am Flughafen Stuttgart hat die GdF über einen Monat lang gestreikt. Geendet hat er mit 9 betriebsbedingten Kündigungen. Jetzt zu behauptet, dass wäre kein echter Arbeitskampf gewesen ist ein Hohn gegenüber den gekündigten Kolleginnen und Kollegen. Aber wahrscheinlich will man mit einem Kollateralschaden nicht mehr in Verbindung gebracht werden. Könnte es doch die Moral in Frankfurt nachhaltig schwächen.
5.
tvinnefossen 20.02.2012
Bestimmte Inhalte vieler Arbeitsverträge irgendwie aber auch....
Bestimmte Inhalte vieler Arbeitsverträge irgendwie aber auch....

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Zur Person

  • DPA
    Markus Siebers (44) ist Tarifvorstand der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF). Er leitet die Verhandlungen der Fluglotsen und Vorfeld-Kontrolleure.
    Siebers war schon 2003 bei der Gründung der GdF dabei, im Herbst will er sich aus der Gewerkschaftsarbeit zurückziehen.

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