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24.02.2012
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Schweizer Konten

Griechische Regierung sperrt Millionärsvermögen

Er war mal "Griechischer Unternehmer des Jahres" - jetzt wird er wohl zum bekanntesten Steuersünder seines Landes: Die Athener Regierung hat erstmals seit Krisenbeginn das Auslandsvermögen eines Unternehmers gesperrt. Der Ex-Banker Lavrentiadis soll fast 160 Millionen in die Schweiz geschafft haben.

Berlin - Die griechische Regierung macht ernst mit der Steuerfahndung: Erstmals seit Beginn der Schuldenkrise hat sie bedeutende Auslandsguthaben eines reichen Unternehmers sperren lassen. Damit wolle das angeschlagene Euro-Mitgliedsland Geld eintreiben, das dem Staat zustehe, schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

Auf den drei Konten in der Schweiz lägen insgesamt 158 Millionen Euro. Sie gehören dem Bericht zufolge dem Athener Geschäftsmann Lavrentis Lavrentiadis. Er war in der Chemiebranche groß geworden und dann Vorstandschef und Hauptaktionär der Privatbank Proton - und einmal sogar "Griechischer Unternehmer des Jahres".

Lavrentiadis und weitere Geschäftsleute sollen einem Untersuchungsbericht der griechischen Zentralbank zufolge in den vergangenen Jahren bei der Proton Bank bis zu 700 Millionen Euro in andere Länder verschoben haben. Lavrentiadis weist alle Vorwürfe zurück und beteuert seine Unschuld.

Später sei die Bank verstaatlicht und mit Mitteln der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von fast 900 Millionen Euro vor dem Zusammenbruch gerettet worden, schreibt die Zeitung weiter. Die Staatsanwaltschaft in Athen ermittele wegen Betrugs und anderer Delikte bei Proton. Lavrentiadis sei bislang nicht als Beschuldigter in die Akten eingetragen. Die Staatsanwaltschaft bedrängt ihn angeblich, ins Ausland abgeflossenes Vermögen zurückzubringen.

Das jetzt gesperrte Vermögen ist allerdings ein Klacks im Vergleich zu jener gigantischen Summe, um die große Unternehmen und reiche Leute das eigene Land betrogen haben sollen. Von bis zu 50 Milliarden Euro ist die Rede. Im Januar hatte die Regierung in Athen bereits eine Liste mit Steuersündern im Internet veröffentlicht, die dem Staat 15 Milliarden Euro schulden sollen. Führende Politiker, deren Länder an den Hilfen für Griechenland beteiligt sind, verlangen von Athen, die Steuern reicher Griechen einzutreiben und im Falle von Steuerhinterziehung die Konten der Betroffenen zu sperren. Zuletzt hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel das gefordert.

Erst Anfang der Woche hatten die Euro-Länder einem neuen Hilfspaket für Griechenland zugestimmt. Der Bundestag soll am kommenden Montag darüber abstimmen.

yes/Reuters/AFP

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insgesamt 42 Beiträge
1. Yes, we can!!
fleischwurstfachvorleger 24.02.2012
Der Anfang ist gemacht. Wenn es die griechen ernst meinen, können sie sich am Zopf aus dem Sumpf ziehen.
Zitat von sysopEr war mal "Griechischer Unternehmer des Jahres" - jetzt wird er wohl zum bekanntesten Steuersünder seines Landes: Die Regierung in Athen hat erstmals das Auslandsvermögen eines reichen Unternehmers sperren lassen. Der Ex-Banker Lavrentiadis soll fast 160 Millionen in die Schweiz geschafft haben. Schweizer Konten: Griechische Regierung bestraft reichen Steuersünder - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,817261,00.html)
Der Anfang ist gemacht. Wenn es die griechen ernst meinen, können sie sich am Zopf aus dem Sumpf ziehen.
2.
b399y 24.02.2012
Und Deutschland macht zur gleichen Zeit eine Amnestie für Steuerbetrüger mit der Schweiz klar und versucht riesige Mengen Schwarzgeld zu legalisieren. Kein Wunder das Griechenland das als etwas ungerecht empfindet, vorsichtig [...]
Zitat von sysopEr war mal "Griechischer Unternehmer des Jahres" - jetzt wird er wohl zum bekanntesten Steuersünder seines Landes: Die Regierung in Athen hat erstmals das Auslandsvermögen eines reichen Unternehmers sperren lassen. Der Ex-Banker Lavrentiadis soll fast 160 Millionen in die Schweiz geschafft haben. Schweizer Konten: Griechische Regierung bestraft reichen Steuersünder - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,817261,00.html)
Und Deutschland macht zur gleichen Zeit eine Amnestie für Steuerbetrüger mit der Schweiz klar und versucht riesige Mengen Schwarzgeld zu legalisieren. Kein Wunder das Griechenland das als etwas ungerecht empfindet, vorsichtig ausgedrückt.
3. ..
Maya2003 24.02.2012
Bauernopfer für die Medien. Wieviel haben Venizelos oder Papademos in sicheren Häfen ? Eine Aufgabe für gute Journalisten.
Zitat von sysopEr war mal "Griechischer Unternehmer des Jahres" - jetzt wird er wohl zum bekanntesten Steuersünder seines Landes: Die Regierung in Athen hat erstmals das Auslandsvermögen eines reichen Unternehmers sperren lassen. Der Ex-Banker Lavrentiadis soll fast 160 Millionen in die Schweiz geschafft haben. Schweizer Konten: Griechische Regierung bestraft reichen Steuersünder - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,817261,00.html)
Bauernopfer für die Medien. Wieviel haben Venizelos oder Papademos in sicheren Häfen ? Eine Aufgabe für gute Journalisten.
4. Exempel
MütterchenMüh 24.02.2012
Der Erste ist immer der schwerste. Da nun mit Lavrentiadis, das erste und sicher wichtigste Exempel statuiert wurde, wird es totsicher weitere Beispiele und Fälle in dieser Richtung geben. Wenn denn dann so wäre, wäre [...]
Zitat von sysopEr war mal "Griechischer Unternehmer des Jahres" - jetzt wird er wohl zum bekanntesten Steuersünder seines Landes: Die Regierung in Athen hat erstmals das Auslandsvermögen eines reichen Unternehmers sperren lassen. Der Ex-Banker Lavrentiadis soll fast 160 Millionen in die Schweiz geschafft haben. Schweizer Konten: Griechische Regierung bestraft reichen Steuersünder - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,817261,00.html)
Der Erste ist immer der schwerste. Da nun mit Lavrentiadis, das erste und sicher wichtigste Exempel statuiert wurde, wird es totsicher weitere Beispiele und Fälle in dieser Richtung geben. Wenn denn dann so wäre, wäre dies ein erster kleiner Lichtblick für das Land!
5. Der Anfang der Steuergerechtigkeit?
egalite101 24.02.2012
Es scheinen doch noch Wunder zu geschehen... Ich hoffe für Uns alle, dass es bei diesem Tropfen auf dem heißen Stein nicht bleiben wird und dies der Anfang der Steuergerechtigkeit (in Griechenland) ist. Dies muss ein Signal sein: [...]
Es scheinen doch noch Wunder zu geschehen... Ich hoffe für Uns alle, dass es bei diesem Tropfen auf dem heißen Stein nicht bleiben wird und dies der Anfang der Steuergerechtigkeit (in Griechenland) ist. Dies muss ein Signal sein: Jeder hat seinen (gesetzlich) geschuldeten Beitrag zu leisten. Nur so kann es eine Gesellschaft mit sozialem Frieden geben.

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Finanzkrise in Griechenland

Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd

Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

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