20.03.2012
Öffentlicher Dienst
Ver.di überzieht drei Bundesländer mit Warnstreiks
Warnstreik in Heilbronn: Rücksicht auf Abiturprüfungen
München - Kaum ein Bundesland bleibt verschont: Die Gewerkschaft Ver.di hat im Tarifstreit des Öffentlichen Dienstes nach Niedersachsen und Bremen ihre Warnstreiks am Dienstag auf Hessen, Bayern und Baden-Württemberg ausgedehnt. Betroffen waren unter anderem der öffentliche Nahverkehr, Kindergärten, die Müllabfuhr und die Straßenreinigung. Allein in Bayern wollte die Gewerkschaft mehr als 14.000 Arbeitnehmer mobilisieren.
Die Gewerkschaft fordert für die bundesweit rund zwei Millionen Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes in Kommunen und beim Bund 6,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 200 Euro. Die Arbeitgeber haben bislang 3,3 Prozent über 24 Monate in zwei Stufen angeboten.
Das Gewerkschaft lehnt das Angebot ab. Ver.di-Chef Frank Bsirske drohte den Arbeitgebern mit einem unbefristeten Streik. Sollten Bund und Gemeinden in der kommenden Verhandlungsrunde nicht einlenken, werde die Gewerkschaft Urabstimmungen für einen regulären Arbeitskampf einleiten. "Dann droht in der Tat ein großer Arbeitskampf im Öffentlichen Dienst", sagte er im Südwestrundfunk (SWR). "Es wird keine Schlichtung geben."
Zur Finanzierung der Gewerkschaftsforderung brachte Bsirske Steuererhöhungen für Reiche ins Gespräch. Deutschland dürfe nicht länger eine Steueroase für Erben, Vermögende und Manager sein. Jetzt sei eine "Umverteilung mal in die andere Richtung als in den letzten 20 Jahren" nötig.
15.000 Beschäftigte im Ausstand
In Frankfurt fuhren seit dem Morgen keine Straßenbahnen und U-Bahnen mehr. Auch in anderen hessischen Städten wurde der Nahverkehr eingeschränkt. In Bayern wurde der Nahverkehr nicht bestreikt, dafür blieben in München, Nürnberg und anderen Städten Kindergärten geschlossen und die Mülltonnen ungeleert. Die erhofften 14.000 Teilnehmer seien "sicher erreicht", sagte Norbert Flach, der stellvertretende Ver.di-Landesbezirksleiter in Bayern.
In Baden-Württemberg beschränkten sich die Warnstreiks auf die Region um Heilbronn am Neckar mit Einschränkungen in Rathäusern, Kitas und im Nahverkehr - allerdings erst ab 8.30 Uhr, aus Rücksicht auf Schüler mit Abiturprüfungen. Nach Ver.di-Angaben beteiligten sich dort etwa 1000 Beschäftigte. Die Gewerkschaft will die Warnstreiks an diesem Mittwoch in Nordrhein-Westfalen fortsetzen.
yes/dpa/Reuters
