11.04.2012
Ölembargo umgekehrt
Iran verkündet Lieferstopp nach Deutschland
Teheran - Iran hat laut Fernsehberichten seine Erdölexporte nach Deutschland eingestellt. Das meldeten der Nachrichtensender Press TV und der arabischsprachige Sender Al-Alam am Mittwoch. Auch die Ausfuhren nach Italien würden gestoppt, hieß es. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht.
Zuvor hatten iranische Medien bereits Exportstopps für Frankreich, Großbritannien, Griechenland und Spanien gemeldet. Damit will die Führung in Teheran einem Ölembargo der EU zuvorkommen. Die EU-Staaten hatten am 24. Januar wegen des umstrittenen iranischen Atomprogramms beschlossen, bis zum 1. Juli ein Ölembargo gegen den Iran durchzusetzen. Daraufhin hatte Teheran seinerseits einen Lieferstopp angekündigt.
Wie es nun hieß, wolle Teheran auch Einfuhren von 100 europäischen Unternehmen stoppen. Namen wurden nicht genannt. Offiziell bestätigt hat das Teheraner Ölministerium bislang nur einen Exportstopp nach Griechenland.
Für Deutschland dürfte der Schritt kaum Auswirkungen haben, da noch nicht einmal ein Prozent der Öleinfuhren aus dem Iran kommen. Nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle importierte Deutschland im vergangenen Jahr 821 000 Tonnen Rohöl aus Iran. Hauptlieferant ist Russland, gefolgt von Großbritannien und Norwegen.
Schätzungen zufolge gehen rund 18 Prozent des iranischen Öls in die EU - hauptsächlich nach Griechenland, Italien und Spanien. Weltweit sind Indien, Japan, Südkorea und die Türkei die größten Importeure von iranischem Öl.
Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte am Dienstag die Wirkung westlicher Ölsanktionen bestritten. Iran könne die Ölblockade drei Jahre lang aussitzen, da das Land über genügend ausländische Devisen verfüge.
Der Westen wirft der Führung in Teheran vor, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie ein Atomwaffenprogramm zu betreiben. Am Samstag beginnen in Istanbul internationale Atomgespräche zwischen Iran und den fünf Veto-Mächte des Uno-Sicherheitsrats - USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und China - sowie Deutschland.
stk/dpa/AFP
