27.04.2012
Rückkehr der Krise
Vier Szenarien für den Euro
Von Stefan Schultz
EZB in Frankfurt: Finanz-Europa, die ewige Baustelle
Hamburg - In der Euro-Zone steigt die Nervosität. Denn es gibt zahlreiche Zeichen dafür, dass sich die Krise weiter verschlimmert. Dieses mal geraten mit Spanien und Italien zwei große europäische Volkswirtschaften unter Druck - zu groß, um unter den Rettungsschirm zu schlüpfen. Gleichzeitig wächst in vielen Ländern der Widerstand gegen weitere Sparprogramme.
In Italien steigen die Zinsen für Staatsanleihen bedenklich. Bei einer Auktion am Freitag musste das hochverschuldete Land für zehnjährige Staatsanleihen rund 5,84 Prozent Zinsen zahlen und nähert sich damit einem Bereich, ab dem es schwierig wird, die Schulden noch selbst zu finanzieren. Besserung ist nicht in Sicht: Die italienische Wirtschaft dürfte 2012 um 1,2 Prozent schrumpfen.
In Spanien sind die Aussichten kaum besser: Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit des Landes gleich um zwei Stufen gesenkt. Es gebe erhebliche Risiken für das Wirtschaftswachstum und den Haushalt, heißt es zur Begründung. Vor allem der Bankensektor macht Experten Sorgen: Die Institute sitzen nach dem Platzen der Immobilienblase auf ausfallgefährdeten Krediten in Höhe von 176 Milliarden Euro. Schon bröckelt das nächste Tabu bei der Euro-Rettung: Die Europäische Zentralbank und die Euro-Staaten prüfen, wie angeschlagene Banken direkt an Geld aus dem Rettungsfonds ESM kommen können.
Andere EU-Länder rücken von der deutschen Spar-Doktrin ab. Nach dem Zusammenbruch der niederländischen Regierung von Mark Rutte bekam das Parlament am Freitag nur noch mit Mühe und Not eine Mehrheit für ihren Sparhaushalt zusammen. In der Slowakei gewannen im März die Sozialdemokraten die Wahl und versprachen als erstes eine Verbesserung der Sozialprogramme. Italiens Premier Mario Monti fordert schon lange wachstumsfördernde Maßnahmen, und in zehn Tagen könnte auch Frankreich mit François Hollande einen Präsidenten haben, der den strikten Sparkurs lockern will. Nur Finnland und Slowenien stützen noch die deutsche Linie.
Die Euro-Krise steuert damit auf einen neuen Höhepunkt zu - und Wirtschaftsexperten stellen sich die bange Frage: Wie geht es weiter mit dem Euro? Das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) und die Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (PwC) haben dazu vier Szenarien entwickelt - von der Einführung staatenübergreifender Anleihen, sogenannter Euro-Bonds, bis zum Crash der Gemeinschaftswährung.
SPIEGEL ONLINE stellt die Szenarien vor.
