07.05.2012
Wahlen in Frankreich und Griechenland
Der Tag, der alles ändert
Von David Böcking und Stefan Kaiser
Feier von Hollande-Anhängern in Paris: Zwei Szenarien für den Euro
Hamburg - An Warnungen besteht kein Mangel am Tag nach dem europäischen Wahlsonntag. In Frankreich hat mit François Hollande ein scharfer Kritiker des gerade erst beschlossenen Fiskalpakts gewonnen. In Griechenland wird das Linksbündnis Syriza zur zweitstärksten Kraft, das sich gegen eine Begleichung der griechischen Staatsschulden ausspricht. Nun fürchten Beobachter, dass der gesamte Sparkurs aufgeweicht wird und die gerade erst abgeflaute Euro-Krise zurückkommt.
"Ganz Südeuropa schaut nach Frankreich", sagt Matthias Kullas, Frankreich-Experte am Centrum für Europäische Politik in Freiburg. "Wenn die Franzosen den Fiskalpakt nicht mehr ernst nehmen, werden es auch Griechen oder Spanier nicht mehr tun." Noch düsterer fällt der Blick auf Griechenland aus. "In Athen scheinen Hopfen und Malz verloren", heißt es in einem Kommentar der Landesbank Baden-Württemberg. "Mit dem neuen Parlament wird eine stabile Mehrheit für einen Konsolidierungskurs nicht zu erreichen sein."
Im schlimmsten Fall, fürchtet Kullas, "zerbricht die Euro-Zone oder sie wird zu einer Transferunion". Andererseits sei zumindest François Hollande ein Realist: "Er hat von seiner Zeit unter Mitterand gelernt, dass sozialistische Utopien nicht machbar sind."
Sind die Ängste also doch übertrieben? Stellen die Wahlergebnisse möglicherweise sogar eine Chance für Europa dar? SPIEGEL ONLINE hat zwei Zukunftsszenarien entworfen.
