07.05.2012
Fracking
Regierung plant Gutachten für neue Gasförderung
Berlin/Münster - Die Bundesregierung sieht bei der umstrittenen Erdgasförderung in tiefen Gesteinsschichten noch viele offene Fragen. "Diese sollen auf Basis eines unabhängigen wissenschaftlichen Gutachtens geprüft werden", sagte am Montag ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin. "Erst auf Basis der Ergebnisse des Gutachtens ist eine genaue Bewertung möglich."
Nach Informationen des SPIEGELverständigten sich Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Philipp Rösler (FDP), vorerst keine Erdgasförderung aus Schiefergestein in Deutschland zuzulassen.
Bei der sogenannten Fracking-Methode wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in tiefe Gesteinsschichten gepresst, um das Gestein durch hohen Druck so aufzubrechen, dass das wertvolle Gas entweichen kann. Angesichts sinkender Reserven gilt diese Methode als lukrativ, in Deutschland macht besonders der US-Konzern Exxon Mobil Druck für eine umfassende Ausbeutung der Vorkommen. Das Umweltbundesamt sieht dagegen Gefahren für das Grundwasser.
Die Grünen stufen den Vorstoß der Regierung als Wahlkampfmasche ein. "Wenige Tage vor der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen realisiert Bundesumweltminister Röttgen, dass ihm die Bürgerinnen und Bürger in NRW seine jahrelange Untätigkeit bei Thema Fracking übelnehmen", sagte der Energieexperte der Grünen im Bundestag, Oliver Krischer. Röttgen ist Spitzenkandidat der CDU bei der Landtagswahl.
Auch die SPD-Bundestagsfraktion warf der Bundesregierung Wahltaktik vor. "Pünktlich vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen produzieren die Herren Röttgen und Rösler Worthülsen", erklärte der stellvertretende umweltpolitische Sprecher Frank Schwabe. "Nach bald zweijährigem Nichtstun verkünden die Minister eine vermeintliche gemeinsame Haltung, die aber keine Substanz hat."
ssu/dpa



