08.05.2012
Folgen des Embargos
Iran lässt sich Öllieferungen in Renminbi bezahlen
Chinesische Öltanker: Das Land will weiter mit Iran Geschäfte machen
London - Mit drastischen Maßnahmen versucht Iran offenbar, die Folgen des westlichen Ölembargos aufzufangen. Das Land akzeptiere bei Geschäften mit China nun auch den Renminbi als Zahlungsmittel, berichtet die britische "Financial Times" mit Bezug auf Industriekreise in Peking und Kuwait sowie auf Banker in Dubai.
Iran ist einer der größten Ölproduzenten der Welt. Die Führung in Teheran steht wegen ihres Atomprogramms in der Kritik. Bis zuletzt konnte sie den Verdacht nicht entkräften, dass sie das Forschungsprogramm für militärische Zwecke nutze. Die USA haben deshalb scharfe Sanktionen verhängt - die EU hatte im Januar ein Embargo beschlossen, das Anfang Juli in Kraft treten soll.
Bei dem Renminbi-Deal mit China soll es sich laut "FT" um ein klassisches Gegengeschäft handeln: Die eingenommenen Devisen fließen im Gegenzug für importierte Waren und Dienstleistungen zurück in die Volksrepublik. Ansonsten könnte Iran auch wenig mit den Devisen anfangen: Die chinesische Währung ist bislang nicht frei handelbar.
Das vereinbarte Geschäftsvolumen soll sich dem Bericht zufolge auf 20 bis 30 Milliarden Dollar pro Jahr belaufen. Die Transaktionen sollen größtenteils über Sinopec, die zweitgrößte chinesische Ölgesellschaft, und Zhuhai Zhenrong, eine weitere Handelsfirma, abgewickelt werden. China bemüht sich, den Renminbi bei Geschäftspartnern im Ausland durchzusetzen, um Wechselkursrisiken abzuwälzen und die Notwendigkeit zu reduzieren, Dollar-Reserven zu horten.
Iran sucht nach Wegen, die durch das Embargo verursachten Umsatzrückgänge auszugleichen. Neben der EU und den USA haben laut "FT" auch Japan, Südkorea, Indien und nicht zuletzt auch China ihre Einfuhren deutlich reduziert. Das trifft Iran hart. Gemeinsam sollen diese Länder 60 Prozent der iranischen Öl-Exporte auf sich vereinen.
Im vergangenen Monat hatte Iran bereits mit Lockangeboten versucht, seinen Absatz in Indien und anderen asiatischen Ländern anzukurbeln. Einem "FT"-Bericht bot das Land seinen Handelspartnern 180 Tage lang gratis Kredit an. Auf Monatssicht sollten sich für Importeure dadurch Ersparnisse zwischen 1,20 und 1,30 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) ergeben.
stk/dpa-AFX
