08.05.2012
IWF-Bericht über Deutschland
Gemischtes Zeugnis für den Klassenbesten
Bundeskanzlerin Merkel und IWF-Chefin Lagarde: Deutschland könnte mehr tun
Berlin - Das Zeugnis des selbsternannten Klassenbesten fällt gemischt aus: "Deutschland ist auf dem richtigen Weg, aber es könnte noch mehr tun", heißt es im jüngsten Länderbericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) zu Deutschland. In dem Bericht mahnt der IWF zugleich größere Anstrengungen bei der Konsolidierung der Landesbanken an. Die Stabilisierung des deutschen Finanzsystems insgesamt habe angesichts externer Risiken weiter Priorität.
"Die Perspektiven für eine Erholung in Deutschland sind günstig, aber die Aussichten sind getrübt durch externe Risiken, vor allem durch die wirtschaftlichen Belastungen in einer Reihe von Euro-Ländern", schreibt der IWF. Eine sich verschärfende Euro-Schuldenkrise sei das größte Risiko für die deutsche Wirtschaft. Auch ein geringeres globales Wachstum könnte die Konjunktur belasten.
Der IWF rät Deutschland, sein Wachstumspotential mit Strukturreformen weiter zu stärken. Der bereits eingesetzte Übergang zu einem stärker von der Binnennachfrage getragenen Wachstum sollte fortgesetzt werden. Die IWF-Experten bescheinigen Deutschland, dass die Bedingungen dafür gegeben seien. Sie verweisen auf einen robusten Arbeitsmarkt, gestiegene Löhne und eine moderate Inflation. Für eine Revision der Wachstumsprognose von 0,6 Prozent für dieses und 1,5 Prozent für kommendes Jahr sieht der IWF keinen Anlass.
"Ungeachtet gradueller Fortschritte bleibt das Bankensystem verletzbar", schreiben die IWF-Experten weiter. Sie begrüßen die Reaktivierung des staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin bis zum Jahresende. Der Fonds mahnt jedoch eine umfassende Strategie an, um die Effizienz und Stabilität des Bankensystems zu verbessern. "Vor allem glauben wir, dass größere Anstrengungen nötig sind beim Umbau der Landesbanken und der Neuordnung ihrer Geschäftsmodelle."
Der IWF bietet allen Mitgliedsländern jährliche Konsultationen an. Dazu besucht zunächst ein IWF-Team das jeweilige Land, um sich über die Wirtschafts- und Finanzlage zu informieren und mit der Regierung die politische Ausrichtung zu diskutieren. Auf dieser Basis verfassen die Experten einen Bericht für die IWF-Exekutivdirektoren.
nck/dpa/Reuters

