14.05.2012
Sinkende Aktienkurse
Griechenlands Politchaos verunsichert Anleger
Börsenhändler in Frankfurt am Main: Investoren in Sorge
Frankfurt am Main - Die Sorge um Griechenland heizt die Euro-Krise wieder an. Am Montag rutschten die Aktienkurse an den europäischen Börsen deutlich nach unten. Gleichzeitig wetteten immer mehr Spekulanten auf Staatspleiten.
Der Deutsche Aktienindex Dax
fiel zeitweise um 2,4 Prozent auf 6424 Punkte - das ist der niedrigste Stand seit Ende Januar. Besonders hart traf es die Bankaktien. Papiere der Deutschen Bank
gaben zeitweise 3,9 Prozent nach, bei der Commerzbank ging es um bis zu 2,8 Prozent nach unten.
Noch tiefer war der Fall beim Euro Stoxx 50
, er gab um 2,8 Prozent nach. In Athen fiel der nationale Athex-Index um 4,3 Prozent auf den tiefsten Stand seit 1992. Damals war das europäische Währungssystem in eine dramatische Krise geraten. Die schwierige Lage in den Krisenländern drückte auch den Kurs des Euro. Er fiel erstmals seit Ende Januar unter 1,29 US-Dollar.
"Griechenland rennt die Zeit davon", sagte ein Anleihenhändler. "Ein möglicher Austritt Griechenlands aus dem Euro wird immer offener diskutiert."
Tatsächlich scheint diese Variante selbst für die Notenbanker der Euro-Zone, an Schrecken verloren zu haben. "Eine Scheidung funktioniert nie reibungslos", sagte der belgische Zentralbankchef Luc Coene in einem Interview mit der "Financial Times". "Aber ich denke, eine Scheidung auf freundschaftlicher Basis, sollte sie jemals nötig werden, wäre möglich - wenngleich ich sie weiterhin bedauern würde."
Sein irischer Kollege Patrick Honohan wurde sogar noch deutlicher: "Technisch gesehen kann ein Ausstieg Griechenlands abgewickelt werden. Er wäre nicht notwendigerweise tödlich, aber natürlich auch nicht besonders attraktiv", sagte er am Wochenende auf einer Konferenz in der estnischen Hauptstadt Tallinn. "So etwas ist nicht vorgesehen in den Verträgen, in den Gesetzen, aber es können eben Dinge passieren, die nicht in den Verträgen stehen."
Spekulanten wetten auf Pleite Spaniens
Nach der Wahl Anfang Mai haben es die griechischen Parteien bisher nicht geschafft, eine Regierung zu bilden. Damit werden Neuwahlen immer wahrscheinlicher. Staatspräsident Karolos Papoulias will am Montagabend zwar noch einmal versuchen, die wichtigsten Parteien des Landes auf eine gemeinsame Regierung einzuschwören. Die Hoffnung auf ein Gelingen ist allerdings gering.
Hinzu kommt, dass mit Spanien ein weiterer Brandherd in der Euro-Zone lodert. Dort sind vor allem die Banken das Problem. Sie sitzen auf einem gigantischen Berg fauler Immobilienkredite - der nun, wo das Land in die Rezession gerutscht ist, noch größer werden dürfte.
Der spanische Staat konnte sich am Montag nur zu ungünstigeren Bedingungen am Geldmarkt refinanzieren. Die Rendite lag bei 2,985 Prozent im Vergleich zu 2,623 Prozent Mitte April. Auch die Risikoaufschläge für Staatsanleihen und die Prämien für Kreditausfallversicherungen (CDS) legten deutlich zu.
Wer spanische Anleihen im Volumen von zehn Millionen Euro gegen eine Pleite absichern wollte, musste am Montag 540.000 Euro bezahlen. Die Renditen für Staatspapiere mit zehnjähriger Laufzeit stiegen auf 6,3 Prozent - das ist der höchste Stand seit Anfang Dezember. "Das Risiko, dass Griechenland aus dem Euro austritt, besteht. Und sollte das passieren, steigt auch wieder die Ansteckungsgefahr für Länder wie Italien und Spanien", sagte ING-Stratege Alessandro Giansanti.
stk/dpa/Reuters/dapd
