17.05.2012
Neuwahlen in Griechenland
Lagarde warnt vor Austritt aus Euro-Zone
IWF-Chefin Lagarde: Die Mehrheit der griechischen Bevölkerung will in Euro-Zone bleiben
Hamburg - IWF-Chefin Christine Lagarde hat die griechischen Spitzenpolitiker aufgefordert, sich zu den an das internationale Rettungspaket geknüpften Bedingungen zu bekennen. Ein Austritt aus der Euro-Zone "wäre extrem teuer und hart, und das nicht nur für Griechenland", warnte Lagarde in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview eines niederländischen Fernsehsenders.
"Ich denke, wir sollten uns das optimale Szenario angucken", sagte sie. Dieses sehe so aus, dass das Land den politischen Willen habe, sich an seine Verpflichtungen tatsächlich zu halten und in der Euro-Zone zu bleiben. Das scheine auch die Mehrheit der Bevölkerung zu wollen.
In Griechenland stehen Mitte Juni Neuwahlen an, weil die Abstimmung von Anfang Mai keine klaren Mehrheitsverhältnisse geschaffen hat und eine Regierungsbildung gescheitert ist. Umfragen zufolge können die Gegner des strikten, von EU und IWF auferlegten Sparkurses mit weiteren Zugewinnen rechnen. Es wird befürchtet, dass das Land damit auf den Staatsbankrott und eine Rückkehr zur Drachme zusteuern könnte - oder eine neue Währung mit anderem Namen eingesetzt würde.
Auf jeden Fall würde die neue griechische Währung im Vergleich zum Euro stark abwerten, die Barguthaben auf den Konten der Griechen würden dadurch massiv an Wert verlieren. Nicht nur im Vergleich zum Euro, sondern auch im eigenen Land. Denn Importe würden für die Griechen teurer - die Verbraucherpreise würden also nicht im gleichen Maße sinken, wie die neue griechische Währung abwertet. Zahlreiche Bankkunden hatten aus Angst davor in den vergangenen Tagen ihr Konto geplündert.
Schon am Dienstag äußerte sich Lagarde im französischen Fernsehen zu dem Griechenland-Szenario. Ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone wäre sehr teuer und mit "großen Risiken" verbunden, warnte sie im Interview bei France 24. Dennoch sei dies "Teil der Optionen, die wir im Prinzip in Betracht ziehen müssen".
EU und IWF haben unterdessen angekündigt, den krisengeschüttelten griechischen Banken helfen zu wollen - mit 18 Milliarden Euro. Das Geld stammt aus dem zweiten 130 Millarden Euro schweren Hilfsprogramm, das der Euro-Rettungsschirm EFSF in mehreren Tranchen auszahlen soll.
vks/Reuters
