09.06.2012
IWF-Schätzung
Spaniens Banken brauchen mindestens 40 Milliarden
Caixa-Zentrale in Barcelona: Mindestens 40 Milliarden Euro für spanische Banken
Washington - Spanien hat mit einer massiven Bankenkrise zu kämpfen - das Land wehrt sich aber bisher dagegen, unter den europäischen Rettungsschirm EFSF zu schlüpfen. Jetzt hat der Internationale Währungsfonds (IWF) ausgerechnet, dass die spanischen Banken mindestens weitere 40 Milliarden Euro benötigen, um in der aktuellen wirtschaftlichen Lage überleben zu können. In dem IWF-Stresstest sind allerdings keine zusätzlichen Kapitalanforderungen enthalten, die als Puffer für Umstrukturierungskosten und faule Kredite empfohlen werden.
Wie der IWF am Freitagabend mitteilte, wäre der Kapitalbedarf für eine erfolgreiche Rekapitalisierung der Banken, die einen - von den Experten empfohlenen - zusätzlichen Puffer einschließt, bis zu doppelt so groß. Nur dann wären die Märkte zu überzeugen, dass Spanien weitere Schocks im Finanzsystem sicher abfedern könne.
Demnach würde sich die gesamte Kapitalmenge, die zur Stabilisierung des spanischen Bankensystems nötig ist, auf bis zu 80 Milliarden Euro addieren. Der IWF gab in seiner Bewertung des spanischen Finanzsektors aber keine konkrete Zahl für den insgesamt benötigten Kapitalbedarf der spanischen Banken an.
Wirtschaftsweiser plädiert für direkte Bankenhilfen
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnte unterdessen davor, Spanien mit Hilfe des EFSF beizustehen. "Es bringt unter den derzeitigen Bedingungen nicht viel, wenn das Geld zunächst über den Staat geleitet wird und sich damit seine Schulden weiter erhöhen", sagte Bofinger der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Hilfe durch den Rettungsschirm sei mit einer Stigmatisierung verbunden. "Es wird danach für ein Land noch schwieriger, sich über die Märkte zu finanzieren."
Bofinger plädierte für direkte Hilfe an die Banken. "Wenn man jetzt den spanischen Banken schnell und direkt hilft, liegt das auch im Interesse des deutschen Steuerzahlers", sagte er. Die Krise der spanischen Banken könne das gesamte Bankensystem des Euro-Raums in eine Schieflage bringen.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bezeichnete die Probleme der spanischen Banken dagegen als lösbar. Spanien habe ein ganz spezifisches Problem mit den Banken, die nach dem Zusammenbrechen des Immobilienbooms in einer schwierigen Phase seien, sagte der Minister der "Passauer Neuen Presse": "Aber das lässt sich Schritt für Schritt lösen."
Rating-Agentur Moody's droht mit Herabstufung
Nach Wochen, in denen Spanien an den Finanzmärkten immer mehr Vertrauen verlor, wird damit gerechnet, dass das Land schon am Wochenende beim Euro-Rettungsschirm EFSF um Milliardenhilfen zur Stabilisierung seiner Banken bitten wird. Einzelheiten wollen die Euro-Finanzminister am Samstagnachmittag in einer Telefonkonferenz besprechen.
Auch der frühere deutsche Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) plädiert dafür, dass Spanien den Euro-Rettungsschirm in Anspruch nimmt. Mit den Finanzmitteln solle das Land dann "seinen Bankensektor restrukturieren", sagte der als SPD-Kanzlerkandidat gehandelte Bundestagsabgeordnete dem "Focus". Die Forderung der spanischen Regierung nach einer direkten Hilfszahlung aus dem Rettungsfonds ESM an ihren notleidenden Finanzsektor lehnte Steinbrück dagegen ab: "Die verabredete Spielregel lautet, dass der ESM Banken nicht direkt - also ohne Auflagen gegenüber dem Sitzland - rekapitalisieren darf."
Mit Blick auf die anhaltenden Probleme in der Euro-Zone hat die US-Rating-Agentur Moody's damit gedroht, die Kreditwürdigkeit weiterer Länder herabzustufen - auch Deutschland wäre betroffen. Sollten die Euro-Länder Finanzhilfen für Spanien bewilligen, stiegen die Risiken für die Gläubiger des Landes, teilte Moody's mit. Im schlimmsten Fall könnten auch die "AAA"-Länder Deutschland, Österreich, Frankreich, Finnland, Luxemburg und die Niederlande ihre Bestnoten verlieren. Für den Fall, dass Griechenland aus der Euro-Zone austrete, warnte die US-Rating-Agentur, müsse die Kreditwürdigkeit aller Euro-Staaten neu bewertet werden.
nck/Reuters/dpa/afp
