15.06.2012
Deutscher Fiskusfahnder
Razzia gegen Steuerbetrüger in ganz Europa
Augsburg - Die Ermittler kamen in den frühen Morgenstunden und durchsuchten mehr als hundert Privatgebäude und Firmenräume in ganz Europa. Eine kriminelle Bande soll mit zahlreichen Scheinfirmen den deutschen Staat um mehr als 120 Millionen Euro Steuern gebracht haben. Die Razzia war bereits am Donnerstag gemeinsam von der Augsburger Staatsanwaltschaft und dem Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) durchgeführt worden, am Freitag wurde der Einsatz bekannt. Wie das LKA nun mitteilte, nahmen die Ermittler 30 Verdächtige fest, elf davon im Ausland.
Außer in Bayern seien Objekte in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hamburg, Baden-Württemberg, Sachsen, Berlin, Österreich, Belgien, den Niederlanden, Dänemark, auf der spanischen Insel Mallorca und Schweden durchsucht worden. Bei der groß angelegten Aktion waren mehr als 500 Steuerfahnder, Beamte des LKA und Bereitschaftspolizeieinheiten in Bayern und Niedersachsen im Einsatz.
Der Verdacht lautet auf Bildung einer kriminellen Vereinigung, gewerblicher Umsatzsteuerbetrug und Geldwäsche. Die Ermittler gehen von einem sogenannten Umsatzsteuerkarussell aus (siehe Grafik unten).
Der Hintergrund: Die Umsatzsteuer, auf Rechnungen häufig als Mehrwertsteuer bezeichnet, wird nur vom Endverbraucher bezahlt. Unternehmen können sich die Steuer von den Finanzämtern erstatten lassen. Besonders kompliziert wird es für den Fiskus, wenn die Waren - wie im aktuellen Fall - aus dem Ausland kommen und dann Umsatzsteuererstattungen eingereicht werden. Da es nur wenige Kontrollen gibt, gehen Experten davon aus, dass es bei der Umsatzsteuer häufig zu Betrügereien kommt.
Im vorliegenden Fall sollen die Verdächtigen einen ständigen Weiterverkauf der Waren vorgetäuscht haben, um manipulierte Umsatzsteuererklärungen bei den Finanzämtern einzureichen und so Geld zurückzubekommen. Die Ermittler sprechen hierbei von einem Umsatzsteuerkarussell: "Durch Generierung von Scheinwarenkreisläufen vervielfachten sich die Umsatzsteuerschäden in kürzester Zeit." Über Einzelheiten schweigen die Behörden mit Hinweis "auf das Steuergeheimnis und die noch andauernden Ermittlungen".
nck/dpa

