Lade Daten...
22.06.2012
Schrift:
-
+

Milliarden-Programm

Merkel, Monti und Co. einigen sich auf Wachstumspakt für Europa

Rajoy, Hollande, Monti, Merkel (von links): 130 Milliarden Euro für die Konjunktur
AP

Rajoy, Hollande, Monti, Merkel (von links): 130 Milliarden Euro für die Konjunktur

Die bisherige Krisenpolitik wird neu justiert: Die vier führenden Nationen der Euro-Zone wollen das Wachstum in der EU ankurbeln. Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien haben sich auf ein Programm im Volumen von 130 Milliarden Euro geeinigt.

Rom - Die vier größten Wirtschaftsnationen der Euro-Zone haben sich auf ein Wachstumsprogramm in Höhe von 130 Milliarden Euro verständigt. Diese Summe entspreche einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts der Europäischen Union, sagte Italiens Regierungschef Mario Monti in Rom. Zuvor hatte er sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem französischen Präsidenten François Hollande und dem spanischen Regierungschef Mariano Rajoy getroffen.

Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien stimmten darin überein, dass die bisherigen Wachstumsmaßnahmen ungenügend seien. Haushaltsdisziplin allein reiche nicht aus, um Wachstum und Beschäftigung anzukurbeln. Mit den 130 Milliarden Euro sind aber keine neuen staatlichen Mittel gemeint, sondern vor allem die Aktivierung privaten Kapitals und eine Umstrukturierung des bestehenden EU-Haushalts.

Kanzlerin Merkel lobte den Plan als "Signal, das wir brauchen". Sie mahnte, Europa müsse auch politisch enger zusammenrücken. Der Vierergipfel unterstütze die Einführung einer Finanztransaktionsteuer, fügte die CDU-Vorsitzende hinzu. Die Finanzmärkte seien noch nicht ausreichend an den Kosten der Krisenbewältigung beteiligt.

Monti: "Beitrag für einen effektiven Gipfel"

Bereits seit Wochen wird über mögliche Wachstumsimpulse diskutiert. Merkel einigte sich am Donnerstag auf einen "Pakt für nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung". Demnach sollen bislang nicht ausgegebene Gelder aus vorhandenen Töpfen genutzt werden. Im Prinzip unstrittig ist auch der Plan, das Eigenkapital der Europäischen Investitionsbank (EIB) um zehn Milliarden Euro zu erhöhen, damit diese mehr Kredite vergeben kann.

Weitere Investitionen sollen mit Projektanleihen aus dem EU-Budget finanziert werden. Diese Anleihen für Infrastrukturprojekte werden von Privatseite ausgegeben, aber mit Geld aus dem EU-Haushalt zumindest teilweise abgesichert. Die Bundesregierung soll sich dafür einsetzen, die Mittel für eine bereits beschlossene Pilotphase auf eine Milliarde Euro aufzustocken.

Monti hatte vor dem EU-Gipfel in der kommenden Woche die drei Regierungschefs nach Rom eingeladen. Die vier stärksten Volkswirtschaften der Euro-Zone hätten mit dem Treffen in Rom einen "guten Beitrag zur Vorbereitung eines effektiven Gipfels" in Brüssel geleistet, sagte Italiens Ministerpräsident.

Hollande erwartet beim EU-Gipfel Ende nächster Woche wichtige Weichenstellungen. "Der EU-Rat muss Fortschritte erzielen, um Vertrauen in die Euro-Zone und Europa wieder herzustellen", sagte er nach dem Treffen. Die von Deutschland bisher abgelehnten Euro-Bonds nannte Hollande ein nützliches Instrument, an dem weiter gearbeitet werden müsse.

Merkel gegen direkte Bankenhilfen aus dem Rettungsfonds

Merkel wies Forderungen nach direkten Bankenhilfen aus den Euro-Rettungsfonds zurück. In den Verträgen für den EFSF und den künftigen dauerhaften Euro-Rettungsschirm ESM sei festgelegt, dass die Staaten untereinander die Partner seien, sagte Merkel.

Unter diesen Bedingungen seien die Fonds geschaffen worden. Daran wolle sie nicht rütteln, sagte Merkel mit Blick auf die spanische Bankenkrise. "Es ist also nicht so, dass ich keine Lust habe, sondern die Verträge sind so gemacht." Haftung und Kontrolle gehörten zusammen. Der spanische Staat müsse auch im Sinne der deutschen Steuerzahler garantieren, dass die Dinge am Ende wieder in Ordnung kämen. Er könne den Banken Auflagen machen.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds IWF, Lagarde, hatte nach den Beratungen der Euro-Finanzminister erneut gefordert: "Es muss eine direkte Verbindung (zwischen Fonds und Banken) geben." Die EU-Kommission unterstützt diese Vorschläge.

cte/Reuters/dapd/dpa

Forum

Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 91 Beiträge
1. Was, nur 130 Milliarden?
turnus 22.06.2012
Und weiter geht´s! Immer fröhlich zum Fenster raus damit. Das ist so sinnvoll, wie eine Leiche zu reanimieren.
Zitat von sysopDie vier führenden Nationen der Euro-Zone wollen das Wachstum in der EU ankurbeln. Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien haben sich auf ein Konjunkturprogramm geeinigt. Das Volumen: 130 Milliarden Euro. Vierer-Pakt plädiert für 130-Milliarden-Wachstumspakt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,840471,00.html)
Und weiter geht´s! Immer fröhlich zum Fenster raus damit. Das ist so sinnvoll, wie eine Leiche zu reanimieren.
2. ?
Berliner42 22.06.2012
Mehr Schulden für sinnlose Vorhaben... super.
Mehr Schulden für sinnlose Vorhaben... super.
3. Und wieder...
ip- 22.06.2012
"Too little too late"
"Too little too late"
4. Wachstum
HeinrichMatten 22.06.2012
Wirtschaftswachstum ohne Reife, wie ich Laie es begreife, gleicht nicht der Naturmanier, sondern einem Krebsgeschwür.
Zitat von sysopDie vier führenden Nationen der Euro-Zone wollen das Wachstum in der EU ankurbeln. Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien haben sich auf ein Konjunkturprogramm geeinigt. Das Volumen: 130 Milliarden Euro. Vierer-Pakt plädiert für 130-Milliarden-Wachstumspakt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,840471,00.html)
Wirtschaftswachstum ohne Reife, wie ich Laie es begreife, gleicht nicht der Naturmanier, sondern einem Krebsgeschwür.
5. Ganz wichtig, bloß keine strukturellen Probleme angehen...
Höhlengnarf 22.06.2012
... auf gar keinen Fall, lieber Geld drucken, die Schuldenblase noch etwas weiter aufpumpen, damit der Knall beim platzen noch größer wird. Die Konjunkturprogramme und das Geld drucken der letzten Jahre waren ja so ungemein [...]
... auf gar keinen Fall, lieber Geld drucken, die Schuldenblase noch etwas weiter aufpumpen, damit der Knall beim platzen noch größer wird. Die Konjunkturprogramme und das Geld drucken der letzten Jahre waren ja so ungemein erfolgreich. ;-)

Empfehlen

MEHR AUF SPIEGEL ONLINE

Verwandte Themen

Artikel

News verfolgen

Lassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter RSS
alles zum Thema Euro-Krise
RSS
Top

© SPIEGEL ONLINE 2013 Alle Rechte vorbehalten